Superfood: Natives Kokosöl

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Tropical Superfood: Natives Kokosöl

 

Natives Kokosöl ist ein sehr natürliches hochwertiges Fett, das reich an gesättigten Fettsäuren ist mit vielen positiven gesundheitsförderlichen Eigenschaften. Es wird aus der Kaltpressung von Kokosraspeln gewonnen und kann einen wertvollen Beitrag zu einer gesundheitsbewussten Ernährung leisten.

Kokosöl: Ein hochqualitatives Lebensmittel

Entgegen den Interessen der Nahrungsmittelindustrien westlicher Länder sind es gerade die naturbelassenen, gering industriell raffinierten und verarbeiteten tropischen Fette, die sich positiv auf den menschlichen Stoffwechsel auswirken.

Hingegen weitläufiger Meinung sind gesättigte Fette wie in Kokosöl mit ihrem hohen Gehalt an mittelkettigen Fettsäuren (Medium-Chain-Triglycerides – MCT) sehr günstig für den Fettstoffwechsel, da sie direkt von der Leber ohne Zusatz von Gallensäuren oder Pankreasenzymen verstoffwechselt werden können und so sehr leicht verdaulich sind. Die geringere Länge der Molekülketten (8-12 Kohlenstoffatome anstatt 12-24 Atome wie bei langkettigen Fettsäuren) belasten den Fettstoffwechsel einer eventuell bereits geschwächten Leber deutlich weniger als hochverarbeitete gehärtete Industriefette aus Sonnenblumen, Soja, Mais oder Raps mit ihrem hohen Anteil an Transfetten. Dies erklärt sich aus der chemisch instabileren Struktur ungesättigter Pflanzenfette.

Kokosöl unterstützt bei der Gewichtsreduktion

Da MCT in der Leber bevorzugt zu sogenannten Ketonkörpern umgewandelt und somit zur Energiegewinnung genutzt werden können, gelangen sie nicht in die üblichen Fettpolster um Bauch, Hüfte, Po. Die Einnahme von hochwertigen nativen Fetten wie Kokos- oder Palmkernöl unterstützt sogar bei der Gewichtsreduktion, da sie eine geringere Energiedichte besitzen und der Körper zum Abbau von Fettdepots diese anders strukturierten Fettsäuren sogar benötigt. Dies legen auch japanische Studienergebnisse aus dem Jahre 2001 nahe: JN – Journal of Nutrition.

Kokosöl untestützt bei Infektionen

MCT wirken antimykotisch bei Pilzinfektionen des Darms, der vaginalen Schleimhäute sowie der Haut durch Candida Albicans. Desweiteren wirken sie antimikrobiell auf pathogene Keime und antiviral, da sie die Lipidhüllen sogenannter behüllter Viren auflösen (z.B. Herpes simplex, Masernviren, Grippeviren).

Kokosöl unterstützt das Herz-Kreislauf-System

Auf besonderes Forschungsinteresse stießen die cardioprotektiven Eigenschaften des Kokosöls. In mehreren Studien wurden bereits in den 1980er Jahren Bevölkerungsgruppen untersucht, die traditionell ausschließlich Kokosöl konsumieren. Die Ergebnisse legen eines nahe: Der regelmäßige Verzehr von Kokosöl kann trotz seiner gesättigten Fettsäuren dazu beitragen, ein wünschenswertes Verhältnis der Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, LDL/HDL-Ratio) zu bewahren sowie arteriosklerotische Ablagerungen in den Blutgefäßen zu vermeiden und so das Risiko für Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zu minimieren.

Koskosöl in der TCM

Öle im Allgemeinen werden der Wandlungsphase Erde zugeordnet, Kokosöl im Speziellen harmonisiert die Mitte einschließlich der Leber, nährt das YIN und lässt so seinen ernährungstherapeutischen Einsatz in der Behandlung des Malabsorptionssyndroms oder in der adjuvanten Krebstherapie aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM erklären. Da es leicht kühl ist, unterstützt es  – maßvoll eingesetzt – den Körper dabei, Nahrungsmittelpathogene wie Hitze oder Feuchte-Hitze aus der Leber oder Gallenblase zu eleminieren.

Superfood Kokosöl

Die zahlreichen gesundheitsförderlichen Eigenschaften, seine geringe industrielle Verarbeitung und sein Gehalt an hochwertigen stabilen gesättigten Fettsäuren machen natives Kokosöl zu einem wahren Superfood, das in keiner gesundheitsbewussten Küche fehlen sollte. Es lässt sich vielseitig zur geschmacklichen Abrundung vor allem von Süßspeisen, Smoothies, etc. verwenden, harmonisiert aber auch Deftiges aller Art. Zudem ist es zum Backen geeignet, sollte zum Braten allerdings wie alle hochwertigen nativen Fette nicht über seinen Rauchpunkt erhitzt werden. Die Tagesdosis ist individuell verschieden und sollte sich im Rahmen von 2-5 Esslöffeln bewegen.

Konfuzianismus: Grundpfeiler der TCM, Teil II

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Konfuzius aka Kongzi: Meister Kong

 

Drei Lehren prägten Philosophie und Religion der alten Hochkultur China: Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus. In drei Beträgen sollen sie im Hinblick auf die Traditionelle Chinesische Medizin|TCM kurz skizziert werden.

Konfuzianismus: Im Wiederstreit mit dem Daoismus

Chinas Geschichte und Kultur ist vom Ringen um die Vorherrschaft von Konfuzianismus und Daoismus geprägt. Auf Perioden konfuzianischer Gelehrsamkeit folgten Phasen der Rückbesinnung auf daoistische Naturbeobachtung.

Begriffsklärung Konfuzianismus

孔子 Kǒng zǐ (551- 479 v. Chr.) wurde als Sohn eines verarmten adeligen Heerführers geboren und genoss eine sehr gute Erziehung. Er war Kind einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruches und Verschiebung der Machtverhältnisse, die vom Streben nach Ruhe, Ordnung und Sicherheit gekennzeichnet war. Kongzi war als Lehrer und Berater tätig, zeitweise bekleidete er auch das Amt eines Ministers seines Heimatstaates Lu. Er ging ins Exil und zog nach seiner Rückkehr mit seinen Schülern umher und traf auch auf Laozi, dem Begründer des Daoismus. Nach seinem Tod erhielt er höchste staatliche Ehren und die Würde eines chinesischen Kaisers sowie die Gleichstellung mit Gottheiten.


Lernen ohne zu denken ist sinnlos; aber denken ohne zu lernen ist gefährlich.


儒家思想 KonfuzianismusIdeen der Anhänger der Schule der Gelehrten. Diese ist geprägt durch die moralische Lehren und mustergültige Lebensweise ihres Begründers Kongzi (Meister Kong – Konfuzius). So sei zur Wahrung der Ordnung im Staate die durch Besonnenheit und Mitgefühl geprägte eigene Lebensweise von Bedeutung, die Achtung vor anderen Menschen und die Ahnenverehrung ist nach den Vorstellungen seiner Lehre von größter Wichtigkeit, ebenso das gelehrsame Studium Vorraussetzung für das Verständnis der Ordnung von Himmel, Erde, Mensch –  die Harmonie des Universums ist einer der Grundbegriffe des Konfuzianismus. Die Harmonie geht dabei den Weg vom Kleinen zum Großen:


Verhalte ich mich korrekt, ist die Familie in Harmonie. Wenn die Familien in Harmonie sind, ist es auch das Dorf. Sind die Dörfer in Harmonie, ist es auch die Provinz. Sind die Provinzen in Harmonie, dann ist es auch das Reich. Sind die Reiche in Harmonie, dann ist es auch der Kosmos.


Wichtige Aspekte des Konfuzianismus sind:

  • 五常 Wǔ cháng – Fünf Konstanten oder Kardinaltugenden: Weisheit, Aufrichtigkeit, Sittlichkeit (Ritueller Anstand), Menschlichkeit, Gerechtigkeit als Grundvorraussetzung für das geordnete Miteinander im Staat
  • Drei soziale Pflichten: Loyalität, Verehrung der Eltern, Wahrung von Anstand und Sitte (Beachtung der gesellschaftlichen Etikette, korrekte Ausführung der Riten, moralische Angemessenheit und sittliches Verhalten des Einzelnen im gesamtgesellschaftlichen Beziehungsnetzwerk)
  • 五伦 Wǔ lún – Fünf Menschliche Elementarbeziehungen in Sinne von hierarchischen Verhältnissen der Überordnung von Vater und Sohn, Herrscher und Untertan, Eheman und Ehefrau, älterer Bruder und jüngerer Bruder sowie Freund und Freund (als einzige Beziehung zwischen Gleichrangigen)

Kongzi’s humanistische Lehren prägten durch zahlreiche geschichtliche Brüche den gesamten ostasiatischen Raum, standen oft am Beginn gesellschaftlicher Neurorientierung und wurden auch im modernen China nach Kritik durch Intellektuelle zu Beginn des 20. Jhr. und Verteufelung durch Mao Zedong während der kommunistischen Kulturrevolution später wieder als Staatsdoktrin instumentalisiert. Ganz im Sinne des typisch chinesischen Synkretismus ist der Konfuzianismus eine Lehre unter anderen, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen.

Konfuzianistische Aspekte in der TCM

12 Beamte: Der menschliche Körper als perfekt organisiertes Staatswesen, die einzelnen Körperfunktionen entsprechen dabei Aufgaben im gesamten Gemeinwesen: Der Kaiser (Herz), seine Minister und Palastwachen (Dünndarm, Perikard, Dreifacherwärmer), der General (Leber) der Streitmächte, die Verwaltungsbeamte der Kornkammern (Milz und Magen) und so weiter.

Fünf Tugenden und ihre Bedeutung für das Staatswesen Mensch durch Wahrung der Sittlichkeit und angemessene Lebensführung – ein älteres Konzept des Daoismus, das durch Mengzi im 4. Jhd. v. Chr. übernommen und verfeinert wurde und sich auch in der Haltung der chinesischen Medizin widerspiegelt.

Fünf Wandlungen: Die Zuordnung der Himmelsrichtungen (Ost, Süd, Mitte, West, Nord) und der Familienbeziehungen (jüngerer Bruder, jüngere Schwester, Mutter, Vater, älterer Bruder) zu den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – einem daoistischen Konzept – stammt aus der konfuzianischen Perspektive.

QUANZHEN: Always calm yet responsive

wandlungsphasen
… and always responsive yet always calm – der menschliche Geist im daoistischen Verständnis der Fünf Wandlungsphasen

 

全真 Quanzhen – Schule der Vollkommenen Wirklichkeit ist eine Form des chinesischen Daoismus. Sie besteht aus einer nördlichen und südlichen Richtung. Begründet wurde sie im 12. Jahrhundert von Wang Chong Yang (1112–1170) als klösterlicher Orden. Auch hier kommen Strömungen und Konzepte des Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus synkretistisch zusammen.

Es handelt sich um einen Lebensweg, der auf Freiheit, Reinheit und Ruhe von Körper und Geist ausgerichtet ist. Die Lehren dieser Richtung des Daoismus sind Teil der Inneren Alchemie NEIDAN. In diesem Kontext wurden auch die Daoyin-Methoden des 返還功 Fan Huan Gong als Technik der körperlichen und geistigen Selbstkultivierung praktiziert wie sie im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin auf diesem Blog vorgestellt wurden.

Zu den Beiträgen und Bildergalerien zum Fan Huan Gong.


Ziel ist die Beherrschung der Leidenschaften – und die soll ganz mechanisch geschehen.


Dieses Zitat der altgriechischen Philosophie der Stoa (Apatheia) entstammt einem Arbeitsblatt aus dem Ethikunterricht meiner Schulzeit. Es blieb als Textfragment in meinem Bewusstsein kleben, ohne dass ich mich an den Kontext erinnern konnte, aus dem es stammt. Es wurde zu einer Art Mantra, das ich mir immer wieder in gewissen Lebenssituationen ins Gedächtnis zurückrief. Der Begriff Ziel impliziert, das es einen Weg dorthin gibt, einen Prozess, den man durchläuft, um dorthin zu gelangen – nichts was sich sofort und plötzlich ändert ließe.

Dieser diffuse Weg zur Berrschung der Leidenschaften (in diesem Kontext nun die Fünf Dinge genannt: irrlichternes Umherschweifen, Unstetigkeit, erschöpfende Sexualität, wertende Geisteshaltung, fehlgeleitete Absichten) erschließt sich mir erst nur stückweise, 20 Jahre später schließt sich der Kreis. Ich finde ihn im Complete Reality Daoismus: Ruhig aber empfänglich die wirren Emotionen eines plärrenden Geistes den übergeordneten Tugenden (Höflichkeit, Aufrichtigkeit, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Weisheit) unterordnen und versuchen, sie wieder in die vom Geist unkonditionierten Zustände zu wandeln. In einer der Quellen des Quanzhen lese ich Folgendes zur Beherrschung der Leidenschaften aus der daoistischen Perspektive:

The five bases (basic essence, basic sense, basic vitality, basic spirit, basic energy) and five things (wandering soul HUN, the bodily soul PO, the earthly vitality, the discriminating mind, the errant intent) are further said to contain, respectively, five virtues and five thieves. The five virtues represent qualities which are held to simultaneously promote social health and personal development. The five thieves are emotions and cravings, called thieves or bandits because their indulgence robs the individual of energy, reason, and inner autonomy. This drainage is held to be the cause of physical and mental decline. Thus the aim of Complete Reality Taoism is to govern the five things by the five bases, and subordinate the five thieves to the five virtues.

 

 

Wendet man diese Begriffe auf das Wandlungsphasen-Modell WU XING an und berücksichtigt die verschiedenen Zyklen dieser modellhaften Vorstellung von Hervorbringung (Konditionierungen), rückwärtiger Hervorbringung (Ursprüngliche Zustände) und Überwältigung (Degeneration der ursprünglichen Zustände sowie der Tugenden zu Emotionen) erhält man ein aufschlussreiches dreidimensionales Modell der Wandlungen menschlichen Denkens, Fühlens, Handelns im Sinne der daoistischen Schule der Vollkommenen Wirklichkeit QUANZHEN.

 

QUELLE: CHANG PO-TUAN: Understanding Reality. A Taoist Alchemical Classic, Translated by Tom Cleary, University of Hawaii Press, 1987

Ba Guan | Schröpfen: Therapeutische Methoden TCM, Teil 2

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Schröpfen: Eine alte Heilmethode, die sich bereits seit Jahrtausenden bewährt hat

 

Ba Guan ist auch in der westlichen Naturheilkunde als Schröpfen seit langem bekannt, es ist ebenso eines der begleitenden Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM und ergänzt sehr effektiv das Verfahren der Akupunktur in ihren Anwendungsbereichen.

Wie wirkt ist Ba Guan | Schröpfen?

Verwendet werden Schröpfköpfe aus Bambus, Glas oder Kunststoff, die mittels unterschiedlicher Methoden (Feuer, Wasser, Luftpumpe) durch Unterdruck auf die Haut gesetzt werden und mehrere Minuten dort verbleiben. Der Unterdruck erzeugt eine Hautreizung, lässt kapillare Hautgefäße anschwellen und führt zu einem künstlichen Hämatom. Die Wirkung enspricht dem Prinzip der Eigenbluttherapie: Durch die gesteigerte Mikroperfusion wird die Zirkulation lokal erhöht und das Immunsystem durch Rückresorption des kapillaren Bluts stimuliert (Makrophagenaktivität) sowie Stoffwechsel und Lymphfluss angeregt (Reiztherapie). Es kommt zu einer nachweisbaren lokalen Erhöhung der Monozyten um den Faktor 2,5 – sie sind Teil der unspezifischen Immunabwehr und gehören zu den Leukozyten, den weißen Blutkörperchen .

Traditionelle Anwendungsbereiche von Ba Guan | Schröpfen

Im Westen: Verspannungen und Schmerzen wie Kniegelenksarthrose, Karpaltunnelsyndrom, Regulation der Körperflüssigkeiten im Sinne der naturheilkundlichen Säftelehre, Menstruationsprobleme

Im Osten: Allgemein regt Ba Guan die Zirkulation an und beseitigt Stagnation und Stase der vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut) im Sinne der TCM. Daraus ergeben sich zahlreiche Indikationen, die sich unter die beiden folgenden Kategorien subsumieren lassen:

Indikationen für Ba Guan | Schröpfen nach TCM

  • in der Tiefe festsitzende Pathogene wie Wind oder Hitze, Kälte, Nässe
  • Fülle-Muster wie Qi-Stagnation, Blutstase; zahlreiche chronische Schmerzsyndrome, Kopfschmerzen, Dysmenorrhoe; Erkältungen, Asthma (aufgrund von Fülle-Mustern)

Kontraindikationen für Ba Guan | Schröpfen

  • Störung der Blutgerinnung: hämorrhagische Diathese, Hämophilie (Bluterkrankheit)
  • Herzerkrankungen: schwere Kardiopathie
  • generalisierte Ödeme: Lymphinsuffizienz, Lymphödem, Elephantiasis
  • generalisierte Dermatopathien: Hautrisse, Fissuren, Verlust der Hautelastizität
  • Schwangerschaft nach dem 4. Monat
  • hohes Fieber mit Krämpfen

 

Schröpfen nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM ist eine effektive, sichere und altbewährte Methode, um langanhaltende Stagnation zu mobilisieren und die Immunabwehr und Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Ernährung: Einfache Regeln für eine starke Mitte

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Vielfalt: Eine einfache Regel für eine kraftvolle Mitte

 

Der komplexe Vorgang der Verdauung ist aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM zentrale Aufgabe der Mitte, dem Organpaar der Wandlungsphase Erde: Milz|Magen. Die Mitte transportiert, transformiert und integriert alles was von außen als materielle, emotionale, geistige Nahrung aufgenommen wird und entscheidet, aus was wir uns selbst herstellen wollen.

Ernährung: Pathogener Faktor versus Heilmittel

Ernährung kann in dieser Hinsicht ein krankmachender Faktor sein, aber auch eine therapeutische Möglichkeit und eigener aktiver Beitrag zur Verbesserung der Situation. Nahrungsmittel besitzen wie Heilpflanzen thermische und energetische Eigenschaften, ihre Geschmacksrichtungen haben vielfältige Wirkungen auf die vitalen Substanzen – Qi (Energie) und Xue (Blut) – des Körpers: bewegend, zerstreuend, befeuchtend, kühlend, trocknend, erwärmend, erhitzend.

Die Qualität der Wandlungsphase Erde ist das gleichförmige und manchmal unaufregend monotone Verrichten alltäglicher Arbeit gleichsam dem beständigen Pflügen eines Ackers. Ihr bioklimatischer Faktor ist Feuchtigkeit, ihr pathogener Faktor ist Nässe, dass heißt läuft die Erde nicht harmonisch rund, kann es zu Ansammlung von pathogener Feuchtigkeit in Form von Schwellungen, Schweregefühl (des Unterleibs/der Beine), Verdauungsstörungen, Verschleimung der Atemwege, Konzentrationsschwäche, Grübeln und Gedankenkreisen kommen. Langanhaltende Infekte, Krankeiten und Emotionen schwächen auf Dauer die Mitte.

Durch ein paare einfache Ernährungsregeln können wir unsere Mitte beziehungsweise Erde in ihrer alltäglichen Arbeit unterstützen:

Grundsätzlich:

  • Essen ist lebenswichtig und sollte einen entsprechenden Platz im Alltag einnehmen
  • Regelmäßigkeit ist der Mitte förderlich – Hungern, Fasten oder Mahlzeiten ausfallen lassen nicht
  • Wechsel von Fülle und Leere beachten: zwischen den Mahlzeiten der Verdauung ca. 4 Stunden Zeit lassen
  • soviel Essen bis man gerade satt ist – und nicht Überessen
  • Gut kauen, die Verdauung beginnt bereits im Mund und entlastet so die Mitte

Wann?

  • morgens idealerweise ein warmes Frühstück zu sich nehmen (nährt die Milz)
  • abends nicht mehr nach 19 Uhr essen, um der Leber des Nachts Zeit für ihre Aufgaben zu geben

Was?

  • gekochtes vollwertiges Getreide als tägliche Grundlage (Hirse, Dinkel, brauner Reis – wenig Pasta, Polenta, Couscous)
  • viel frisches gegartes Gemüse, gekochtes Obst
  • gute Proteinquellen sind Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Bohnen) und Fleischalternativen (Tofu, Tempeh, Seitan), frischer Fisch und eventuell gelegentlich Bio-Fleisch
  • achten Sie auf hochwertige Fette, vermeiden Sie Transfette und gehärtete Fette
  • generell auf Qualität achten, Frische ist stets von Vorteil, Geiz ist geil gilt nicht beim Herstellen von sich selbst
  • saisonale Auswahl der Zutaten unter Berücksichtigung der Konstitution

Wie?

  • Motto: Iss morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler. 
  • Zurückhaltung mit Schleimbildnern: Süßigkeiten, Milchprodukte (führen zu pathogener Feuchtigkeit und Schleim)
  • maßvoller Genuss von Genussmitteln: Kaffee, Schwarztee, Alkohol, Energydrinks (induzieren Hitze)
  • saisonales Verhältnis von Rohkost (zuviel schwächt die Milz) zu Kochkost
  • keine eisgekühlten Getränke und Speisen (schwächen Magen und Milz stark)

Getränke:

  • ausreichend trinken (Konzentration des Urins), nicht während des Essen
  • das ernährungsphysiologisch beste Getränk ist warmes bis heißes Wasser
  • Tees wechseln – Kräutertees haben eine pharmakologische Wirkung und sind nicht als Dauergetränk geeignet

 

Essen ist etwas Alltägliches, andauernd Wiederkehrendes. Die Befolgung dieser einfachen Regeln erleichtert der Mitte ihre alltägliche Aufgabe des Transports, Tranformation, Integration – eine starke Mitte wird es Ihnen danken.

 

Mehr Wissenswertes zum Thema warmes Frühstück auf FID-Gesundheitswissen.

Ein Rezept für warmes Frühstück finden Sie auch hier.

Spannungskopfschmerzen: Eine Domäne der Akupunktur

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Kopfschmerzen: Für viele Menschen ein fast alltägliches Übel

 

Wer kennt sie nicht? Bandageartige Kopfschmerzen überall gleichzeitig im Kopf, drückend, dumpf oder flächig-ziehend, die Konzentration beeinträchtigend. Akupunktur bietet eine effektive Möglichkeit der nachhaltigen Behandlung sogenannter Spannungskopfschmerzen.

Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen

Das Verfahren der Akupunktur hat ein sehr breites Spektrum der möglichen Indikationen, hierzulande wird es oft bei akuten und chronischen Schmerz-Syndromen angewendet wie zum Beispiel bei Spannungskopfschmerzen als einer der wichtigsten Indikationen. Da wo keine Schmerzmittel wirken können, weil sie nicht die Ursachen beheben, setzt die Akupunktur als eine effektive regulationstherapeutische Maßnahme an der Wurzel des Geschehens an.

Symptome und Ursachen von Spannungskopfschmerzen

Folgende Symptome können alleine oder in Kombination bei Spannungskopfschmerzen auftreten:

  • drückende bis ziehende Schmerzen, dumpf/diffus, flächig/überall gleichzeitig, ringförmig um den Kopf oder wie eine Bandage, nie pulsierend
  • symmetrische Kopfschmerzen auf beiden Seiten des Kopfes
  • gelegentlich in Kombination mit Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel
  • eventuell auch in Begleitung von Verstimmung/Reizbarkeit/Depression
  • körperliche Belastung verschlechtert sie nicht
  • keine verstärkte Lärm- und Lichtempfindlichkeit wie bei Migräne

Als Ursachen kommen hauptsächlich Faktoren der Lebensführung in Betracht: Stress auf Arbeit, private Konflikte, zu wenig körperlicher Ausgleich für meist sitzende Tätigkeiten in unergonomischer Fehlhaltung und mangelnde Entspannung. Aber auch Wetterschwankungen, Schlafmangel, übermäßiger Verzehr von Genußmitteln. Zudem haben emotionale Faktoren bei der Entstehung von Spannungskopfschmerzen aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM eine maßgeblichen Einfluß, aber auch sogenannte pathogene Faktoren wie Wind und Hitze, die in den Körper von Außen eindringen oder aufgrund von Mangelzuständen im Inneren entstehen könne spielen in den differentialdiagnostischen Überlegungen eine wichtige Rolle. So ist in der Unterscheidung nach Parametern wie Lokalisation, Insensität, Schmerzqualitiät, Auslöser, etc. zu klären, ob es sich um Spannungskopfschmerzen, Mangel- oder Füllekopfschmerzen, Migräne, clusterartige Histaminkopfschmerzen, Analgetika-Kopfschmerz durch Medikamentenmißbrauch oder Kombinationskopfschmerz handelt.

Eine Abklärung langanhaltender Kopschmerzen aus schulmedizinischer Sicht ist zu empfehlen, um organische oder strukturelle Gründe sicher ausschließen zu können, wie zum Beispiel Kopfverletzungen oder Hirntumore, Probleme der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks. Von chronischen Spannungskopfschmerzen wird unter Ausschluß organischer Ursachen bei einem Auftreten von mehr als 180 Tagen im Jahr gesprochen.

Harmonisierung des Qi durch Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen

Oft liegen diesen Spannungskopfschmerzen Disharmonien des Qi mit Stauungen des Leber-Qi im Hypochondrium, Hitze in der gemeinsamen energetischen Schicht von Magen und Dickdarm oder Mangelzustände verschiedener Organe vor, die ein Aufsteigen des Leber-Qi oder von Hitze begünstigen. Hier kann Akupunktur regulativ und ursächlich eingreifen, um Blockaden aufzulösen, Hitze zu klären, das YANG abzusenken oder können kräuterheilkundliche Verschreibungen chinesischer Heilpflanzen das YIN und Blut nähren und aufbauen.

Diagnostische Methoden TCM: Puls- und Zungendiagnostik

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MAI JING: Klassische chinesische Pulstastung am radialen Handgelenk

 

Die Palpation der Pulse und Inspektion der Zunge sind zwei der speziellen diagnostischen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. Puls-und Zungendiagnostik werden seit Tausenden von Jahren als Teil der TCM angewandt und bieten eine sehr feine Diagnostik, die sogar Zustände differenziert, bevor sie pathologische Qualität erreichen. Das unterstützt die chinesische Medizin auch in ihrem präventativen Charakter.

Chinesische Pulsdiagnostik TCM

Bei der Tastung des Pulses an der radialen Arterie beider Handgelenke werden 28 verschiedene klassische Pulsqualitäten unterschieden unter Berücksichtigung aller 12 chinesischen Organpositionen in 2 Ebenen und weiterer Faktoren wie allgemeine Mittelpulsqualität, Verwurzelung des Pulses und energetischer Blockaden. Faktoren wie Kraft, Volumen, Frequenz und Rhythmus sowie spezielle Eigenschaften und Auffälligkeiten fließen in die Beurteilung ein. Die chinesische Pulsdiagnostik ist eine sehr feine Diagnoseform, die schwer zu erlernen ist und viel Zeit, Beobachtung und Erfahrung des Therapeuten braucht.

Die chinesische Pulsdiagnostik ermöglicht Aussagen zu den vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut), dem Zustand einzelner Organe und der drei Leibeshöhlen JIAO sowie der konstitutionellen Gesamtverfassung. Sie liefert eine aktuelle Momentaufnahme des energetischen Zustandes des Patienten.

Chinesische Zungendiagnostik TCM

Der Zustand der inneren Organe läßt sich aufgrund ihrer Zuordung zu bestimmten Regionen der Zunge beurteilen. Grundsätzlich sind die Form und Farbe des Zungenkörpers sowie die Beschaffenheit des Zungenbelages von diagnostischem Interesse. Der Zungenkörper macht eine grundsätzliche Aussage zu Konstitution und Qualität des Qi, der Zungenbelag gibt Aufschluß über pathogene (krankmachende) Faktoren, die entweder von außen eingedrungen sind oder aus inneren pathologischen Prozessen stammen.

Kriterien Form, Farbe, Belag der Zunge

Die Form der Zunge läßt Rückschlüsse auf innere pathogene Faktoren wie Feuchtigkeit oder Trockenheit zu, die Farbe der Zunge macht eine Differenzierung der Pathogene in Hitze oder Kälte möglich und gibt Aufschluß, wie tief sie bereits in den Körper eingedrungen sind. Auch gibt sie Informationen zur Beschaffenheit des Qi des Patienten und den verliegenen pathogenen Mustern.

Der Zungenbelag ist vor allem zur Beurteilung des Magen-Qi von Bedeutung und liefert relevante Informationen zur Funktionalität des gesamten Verdauungsapparates sowie eine Einschätzung der Chronizität des pathologischen Prozesses.

Energetische Momentaufnahme

Die Einzelbefunde aus chinesischer Puls- und Zungendiagnostik werden stets im Kontext weiterer Befunde der ausführlichen Anamnese, Anlitzdiagnostik, Bauchpalpation (Haradiagnostik) sowie Meridianpalpation oder Druckdolenz spezifischer Akupunkturpunkte gesehen. Zusammen ergeben sie eine sehr feine Diagnostik, die Therapeuten der Traditionellen Chinesische Medizin |TCM in die Lage versetzt, aktuelle Zustände bereits zu differenzieren, bevor sie sich als Krankheiten im Sinne der westlichen Schulmedizin manifestieren.

Zeitumstellung: Mit Folgen für die Gesundheit?

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Jedes Jahr die gleiche Frage zur Zeitumstellung: Vor oder zurück?

 

Sommerzeit: Die Uhren werden in der Nacht zum Sonntag wieder um eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt, die Nacht ist damit um eine Stunde verkürzt. Das Für und Wider und die Folgen der Zeitumstellung für die Gesundheit werden seit Jahren diskutiert.

Zeitumstellung: Folgen für die Gesundheit

Bei vielen Menschen leidet der Biorhythmus ohnehin aufgrund der saisonalen Umstellung und der damit einhergehende Blutdruckabsenkung, man fühlt sich schlapp, müde und gereizt auf Arbeit, nicht wenige leiden unter Einschlafproblemen und Schlafstörungen. Kinder werden quengelig, unausgeglichen und haben Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren.

Zeitumstellung: Folgen für Verkehr und Wirtschaft

Aufgrund des herabgesetzten Konzentrationsvermögens steigen die Unfallzahlen in der folgenden Woche um 30%, besagt eine Studie des ACE Autoclub Europa aus dem Jahr 2013: ACE – Zeitumstellung macht mehr Menschen müde.

Auch führt die Zeitumstellung zu erhöhten Kosten für die Wirtschaft, so müsse zum Beispiel die Bahn etliche Uhren umstellen und sicherstellen, dass die Nachtzüge sich wieder in den verschobenen Fahrplan einordnen.

Zeitumstellung erhöht das Risiko für Herzinfarkt

Durch die Stunde weniger Schlaf gerät der Hormonhaushalt durcheinander, Folgen können neben Schlafproblemen eine geringere Spermienproduktion des Mannes sein oder ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2014 steigt das Risiko eines Herzinfarkts am Folgetag um 25%. Das Ergebnis dieser Studie weist darauf hin, dass Menschen mit erhöhter Anfälligkeit für Herzerkrankungen unmittelbar nach der Zeitumstellung einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, so Amneet Sandhu von der University of Colorado.

Gestützt wird diese Aussage von einer DAK-Analyse aus dem selben Jahr. Demnach wird seit 2006 eine Zunahme der Krankenhausaufnahmen wegen Herzbeschwerden um 25% in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung beobachtet: DAK-Analyse – Mehr Herzinfarkte durch Zeitumstellung.

Tipps für die Zeitumstellung

Aber die Stunde mehr Tageslicht am Abend soll helfen, Strom zu sparen und lässt sich für die Freizeitgestaltung nutzen: Eine Stunde länger draußen sein können bei Abendlicht ist für viele ein Gewinn an Lebensqualität. Vermehrter Aufenthalt an frischer Luft fördert zudem die Produktion des Aktivitätshormons Serotonin und hält die negativen Auswirkungen der Zeitumstellung im Rahmen.

Gehen Sie bereits die Tage zuvor früher zu Bett, altbewährte Kräutertees mit Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume helfen beim Einschlafen. Auch unterstützen Autogenes Training, Yoga oder Qi Gong beim Eingewöhnen in den neuen Schlafrhythmus und mindern die unerwünschten Folgen für die Gesundheit. Beim zeitigen Aufstehen helfen Tageslichtlampen oder zumindest viel helles Licht in der Wohnung beim Wachwerden.

Daoismus: Grundpfeiler der TCM, Teil I

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Das Ensō – Symbol der Leerheit und Vollendung

 

Drei Lehren prägten Philosophie und Religion der alten Hochkultur China: Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus. In drei Beträgen sollen sie im Hinblick auf die Traditionelle Chinesische Medizin|TCM kurz skizziert werden.

Daoismus: Religion oder Philosophie? 

Der Daoismus ist eine der großen Drei Lehren Chinas, die sein Weltbild und seine Kultur über Jahrhunderte bis heute hinein prägten. Die fünf antiken daoistischen Wissenschaften basieren auf ihm: Kampfkünste, Feng Shui, Qi Gong, Astrologie und Medizin. Auch wirkte er in weite Teile der Gesellschaft und fast in alle Bereiche der Politik, Wirtschaft, Künste, Philosophie und Geographie.

Begriffsklärung Daoismus

道教 Dàojiào – Lehre des Weges: Daoismus leitet sich vom Begriff DAO ab, der schon vor Laozis Werk Daodejing (4. Jhd. v.Chr.) in der chinesischen Philosophie existierte. Er nimmt Stömungen der chinesischen Antike in sich auf, meist Konzepte der Zhou-Zeit (1045-256 v.Chr) wie etwa die Lehren vom Qi, Yin und Yang sowie die Kosmologie von Himmel-Erde-Mensch. Ein zentrales Thema des Daoismus ist die Suche nach Unsterblichkeit. Mittels verschiedener Techniken wie Qigong, (Atem)Meditation, Alchemie und Magie sollte sie erreicht werden, dabei ist sie nicht materiell, sondern als Unsterblichkeit des Geistes zu verstehen. Einer der 僊 Xiān – Unsterblichen war 黃帝 Huángdì – der mythische gelbe Kaiser, dessen Kompendium chinesischer Medizintexte noch bis heute als klassisches Standardwerk der Chinesischen Medizin Gültigkeit behält.


Dào ist allumfassend und meint sowohl die dualistischen Bereiche der materiellen Welt, als auch die transzendenten jenseits der Dualität. Das Dào ist also sowohl ein Prinzip der Immanenz als auch der Transzendenz. […] In seiner transzendenten Funktion, als undifferenzierte Leere ist es die Mutter des Kosmos, als immanentes Prinzip das, was alles durchdringt.


DàoMethode, Prinzip, der rechte Weg, aber mehr im ursprünglichen Sinne das große – schöpferische – Eine, Transzendente, höchste Wirklichkeit und Wahrheit. Es ist unbenennbar, jenseits der Begrenzung aller Begrifflichkeit und tritt nur durch sein Wirken in der Polarität von YIN und YANG in Erscheinung: Dem Gegensatz von Sein und Nicht-Sein, dem Ursprung von Energie und Materie, der durch Wandlung und Bewegung die zehntausend Dinge des Kosmos hervorbringt; ebenso ihre Ordnung und auch die Vereinigung eben dieser Gegensätze. Abstrakt und schwer faßbar, jenseits unserer alltäglichen Vorstellungskraft bleibt es das DAO.

無爲 Wǔwēi wird häuftig als Nicht-Eingreifen oder nicht Nicht-Handeln übersetzt, dies verkürzt seine Bedeutung jedoch recht stark. WUWEI entspricht dem Prinzip der spontanen Handlung ohne großen Kraftaufwand – seine Energie nicht aufbrauchend durch ein Handeln, das gegen den natürlichen Lauf der Dinge und dem Wirken des DAO gerichtet ist. Diese ordnen sich von selbst und gehorchen einer höheren Ordnung, dem DAO. Durch den angestreben reinen und nicht selbstbezogenen Geist soll leeren Herzens ein absichtsloses Handeln möglich sein, das frei von Wünschen, Begierden und Anhaftungen ist.

Daoistische Aspekte in der TCM

Zahlreiche Elemente der Chinesischen Medizin sind daoistischer Herkunft oder Prägung: Die Lehre vom Qi, YIN und YANG, das YI JING, die Kosmologie von Himmel-Erde-Mensch, Techniken des YANGSHENG wie Qi Gong und alchemische Vorstellungen als Techniken der körperlichen und geistigen Selbstkultiverung.

Teils philosophische Naturanschauung, teils Religion ist der Daoismus in seinen antiken Wurzeln authentisch chinesisch und ein gedanklicher Grundpfeiler der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM, auch hier im modernen Westen.

WU XING: Wandlungsphase Holz – der Frühling

wandlungsphase holz
Frühling: Die Wandlungsphase Holz manifestiert sich

 

Ohne Verständnis der Wandlungsphasen kein tieferes Verständnis für die Traditionelle Chinesische Medizin|TCM – im Verlauf des Jahres kurze Einführungen zu den Wandlungsphasen jeweils zu ihren größten Ausdehnungen um die Tagundnachgleichen und Sonnenwenden.

WUXING als Ausdruck von YIN und YANG

Die Entsprechungslehre 五行 Wŭxíng – Fünf Wandlungen oder Fünf Manifestationen ist eines der grundlegenden Konzepte der chinesischen Philosophie und somit der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM. Sie steht in engem Bezug zur daoistischen YIN-YANG-Lehre, sind die Wandlungsphasen doch Ausdruck unterschiedlicher Zustände im dynamischen Zyklus steter Wandlung von YANG zu YIN und YIN zu YANG. Die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser sind Metaphern für diese qualitativen Aspekte der prozesshaften Wandlung von Himmel, Erde und Mensch: YANG steigt auf, wächst, erreicht seine maximale Ausprägung – im höchsten YANG entspringt das YIN, YIN steigt ab, nimmt zu, erreicht seine maximale Ausprägung und bringt im tiefsten YIN das YANG hervor.

木 Mù – Holz: Das kleine YANG


The three months of spring are called spring forth and display. Heaven and earth together produce life and the 10.000 beings are invigorated.


Der Frühling beginnt, die Wandlungsphase Holz hat jedoch bereits ihren Höhepunkt zur Tagundnachtgleiche erreicht. Dabei geht es wie gesagt nicht ausschließlich um Holz als materielle Substanz, sondern um die Qualität einer Dynamik: Das geringere oder kleine YANG, das eben gerade dem großen YIN, der Wandlungsphase Wasser entspringt. Die Knospen gehen auf, das erste zarte Grün zeigt sich nach einer langen Phase des Ruhens und Innehaltens. Junge Pflanzentriebe durchbohren die Erdkruste auf ihrem Weg ans Licht. Diese Kraft ist es, die sogar Asphalt durchbricht, die mit Holz bezeichnet wird.

Entsprechungen der Wandlungsphase Holz

Die Wandlungsphasen können auf alle dynamischen Prozesse des Universums angewendet werden und es gibt sehr viele Analogien, hier die Wichtigsten im Sinne der TCM:

Entsprechungen im Außen: Farbe Grün, Jahreszeit Frühling, Richtung Osten, Bewegungstendenz nach oben/außen, Geschmacksrichtungen sauer, bioklimatischer Faktor Wind, initialer Impuls (der Zeugung, des Beginns, etc.)

Entsprechungen im Innen: Organe Leber|Gallenblase, Sinnesorgane Augen, Körpergewebe Bänder und Sehnen, Emotionen Zorn/Wut/Ärger, pathogener Faktor Wind

Ganzheitliche Aspekte der Wandlungsphase Holz

In der weniger bekannten Anordnung des YI LUN – Kosmologische Sequenz steht Holz in Bezug mit Metall auf der Achse von Werden und Vergehen – Aufsteigen und Absteigen im ewigen Wechsel der Polaritäten von YANG und YIN. Der ausbreitenden Dynamik des Frühlings folgt die sammelnde Dynamik des Herbstes. Als junge Menschen wollen wir die Welt erobern, als reife Menschen wollen wir gelegentlich nur noch in Ruhe gelassen werden. Holz steht hier für Expansion und im Weiteren Einbindung in vielfältige soziale Beziehungen (Feuer), Metall für Kontraktion und später Konzentration aufs Wesentliche (Wasser).


At night one goes to bed and at dawn one gets up.


Wenn wir in Resonanz mit dieser aktuellen Energie im Außen sind, gehen wir nun früh in die Beschleunigung, sind tagsüber produktiv und voller Energie und Tatendrang – die alltäglichen Aufgaben gehen leicht von der Hand und alles läuft in die richtige Richtung. Wir haben Lust auf neue Entdeckungen und sind eher bereit, die Trampelpfade der Gewohnheiten spontan zu verlassen. Die ureigene Qualität der erkundungsfreudigen Wanderseele HUN – einer der fünf Aspekte des Geistes SHEN – kommt jetzt voll zum Tragen. Vorausgesetzt wir haben uns im vorangegangenen Winter Zeit und Ruhe zur Sammlung und Erholung gegeben und uns nicht durch übermäßigen Aktionismus zur falschen Zeit verausgabt.

Auch gibt es keine nachhaltige Kreation ohne ausreichende Rekreation – gerade zu dieser Jahreszeit ist ein Bewusstsein für die eigene Work-Life-Balance für den weiteren harmonischen Jahresverlauf wichtig.

 

QUELLE: Larre/Rochat de la Vallée: Chinese Medicine from the Classics – The Liver, Monkey Press, 1994.