20 Jahre Berlin: Stets im Werden, nie im Sein

berlin
Gebaute Transformation: Aufbau, Umbau, Abriss, Aufbau, Abriss, Umbau …

 

Auf einem Teppich einer Friedenauer Wohnung sitzend, beschloss ich 1993 nach dem Abitur nach Berlin zu ziehen. Leider musste ich noch 2 lange Jahre warten, bis ich endlichendlichendlich die erdrückende Enge meiner Heimatstadt verlassen konnte und nach bestandenem Abitur gen Berlin zog. Am Tag des Umzuges stopfte ich meinen quietschroten VW-Golf-II bis unters Dach voll – übrig blieb eigentlich nur der Ausblick aus der linken Windschutzscheibenhälfte und die Sicht auf den linken Rückspiegel. Dann endlose 550 Autobahnkilometer durch die Nacht in die verlockende Wahlheimat: Berlin!

2 Dekaden sind seitdem vergangen. Abgesehen von mehreren Fluchtversuchen mit einer jeweils kurzen Auszeit in Köln, New York, London und Sydney bin ich immer wieder nach Berlin zurückgekehrt, weil ich einfach das Gefühl hatte, in diese Stadt zu gehören: Ich bin Berlin und Berlin ist ich. In dieser Stadt habe ich Architektur und Städtebau, Geschichte und Kunstgeschichte, Kommunikationsdesign und Grafik studiert. Oft habe ich den Eindruck, dass ich mehr über diese Stadt mit all ihren historischen Schichten und Ablagerungen weiß als ein Eingeborener – von denen es gefühlt immer weniger gibt.

Von Beruf bin ich jedoch was ganz anderes geworden: Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin. Einen Berufsstand den ich – als Medizinersohn – damals gar nicht kannte. Gelegentlich frage ich mich, ob ich in einer anderen Stadt zu dieser Berufung gekommen wäre. Vielleicht brauchte es den maximalen Hedonismus Berlins in den 90er Jahren, dem Jahrzehnt des anything goes in einer Stadt im Vakuum eines gestürzten Systems. Berlin war damals ganz anders, aber so wie sich die Stadt jedes Jahr ein Stück verändert hat, so habe auch ich mich jedes Jahr ein Stück verändert. Nun sind wir beide nicht mehr wirklich wieder zu erkennen – gewiss, da der Alex, dort der Hackemarkt (gleichsam: hier die Nase, da der Mund), aber im Grunde ist die östliche Innenstadt materiell bis auf ein paar Backsteine komplett ausgetauscht worden. Und mit ihr die Bewohner. Genauso wie in meinem Körper alle 7 Jahre alle Körperzellen ausgetauscht wurden. Und das nun fast dreimal – demzufolge bin ich dreimal jemand anderes geworden. Oder vielleicht habe ich mich auch nur dreimal gehäutet.

Für mein Empfinden ist es eher so: Zweimal eine Drehung um 180 Grad machen, um wieder zu sich selbst zu kommen und dorthin, wo man eigentlich herkommt. Aus einer Medizinerfamilie, in der Bildung einen sehr hohen Stellenwert hat, Arbeit, Fleiß und Beharrlichkeit täglich vorgelebt wurden. Und so führe ich das eigentlich Naheliegende mit meinen nun eigenen Methoden und Verfahren fort: Den Dienst an der Gesundheit anderer Menschen. Aus einer alternativmedizinischen Sicht, aus einem anderen Weltbild, mit viel Bewusstseinsarbeit fürs Wesentliche.

Veröffentlicht von

BRUNNENKUPPE

acupuncturist|german heilpraktiker|naturopathic practitioner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.