Konfuzianismus: Grundpfeiler der TCM, Teil II

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Konfuzius aka Kongzi: Meister Kong

 

Drei Lehren prägten Philosophie und Religion der alten Hochkultur China: Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus. In drei Beträgen sollen sie im Hinblick auf die Traditionelle Chinesische Medizin|TCM kurz skizziert werden.

Konfuzianismus: Im Wiederstreit mit dem Daoismus

Chinas Geschichte und Kultur ist vom Ringen um die Vorherrschaft von Konfuzianismus und Daoismus geprägt. Auf Perioden konfuzianischer Gelehrsamkeit folgten Phasen der Rückbesinnung auf daoistische Naturbeobachtung.

Begriffsklärung Konfuzianismus

孔子 Kǒng zǐ (551- 479 v. Chr.) wurde als Sohn eines verarmten adeligen Heerführers geboren und genoss eine sehr gute Erziehung. Er war Kind einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruches und Verschiebung der Machtverhältnisse, die vom Streben nach Ruhe, Ordnung und Sicherheit gekennzeichnet war. Kongzi war als Lehrer und Berater tätig, zeitweise bekleidete er auch das Amt eines Ministers seines Heimatstaates Lu. Er ging ins Exil und zog nach seiner Rückkehr mit seinen Schülern umher und traf auch auf Laozi, dem Begründer des Daoismus. Nach seinem Tod erhielt er höchste staatliche Ehren und die Würde eines chinesischen Kaisers sowie die Gleichstellung mit Gottheiten.


Lernen ohne zu denken ist sinnlos; aber denken ohne zu lernen ist gefährlich.


儒家思想 KonfuzianismusIdeen der Anhänger der Schule der Gelehrten. Diese ist geprägt durch die moralische Lehren und mustergültige Lebensweise ihres Begründers Kongzi (Meister Kong – Konfuzius). So sei zur Wahrung der Ordnung im Staate die durch Besonnenheit und Mitgefühl geprägte eigene Lebensweise von Bedeutung, die Achtung vor anderen Menschen und die Ahnenverehrung ist nach den Vorstellungen seiner Lehre von größter Wichtigkeit, ebenso das gelehrsame Studium Vorraussetzung für das Verständnis der Ordnung von Himmel, Erde, Mensch –  die Harmonie des Universums ist einer der Grundbegriffe des Konfuzianismus. Die Harmonie geht dabei den Weg vom Kleinen zum Großen:


Verhalte ich mich korrekt, ist die Familie in Harmonie. Wenn die Familien in Harmonie sind, ist es auch das Dorf. Sind die Dörfer in Harmonie, ist es auch die Provinz. Sind die Provinzen in Harmonie, dann ist es auch das Reich. Sind die Reiche in Harmonie, dann ist es auch der Kosmos.


Wichtige Aspekte des Konfuzianismus sind:

  • 五常 Wǔ cháng – Fünf Konstanten oder Kardinaltugenden: Weisheit, Aufrichtigkeit, Sittlichkeit (Ritueller Anstand), Menschlichkeit, Gerechtigkeit als Grundvorraussetzung für das geordnete Miteinander im Staat
  • Drei soziale Pflichten: Loyalität, Verehrung der Eltern, Wahrung von Anstand und Sitte (Beachtung der gesellschaftlichen Etikette, korrekte Ausführung der Riten, moralische Angemessenheit und sittliches Verhalten des Einzelnen im gesamtgesellschaftlichen Beziehungsnetzwerk)
  • 五伦 Wǔ lún – Fünf Menschliche Elementarbeziehungen in Sinne von hierarchischen Verhältnissen der Überordnung von Vater und Sohn, Herrscher und Untertan, Eheman und Ehefrau, älterer Bruder und jüngerer Bruder sowie Freund und Freund (als einzige Beziehung zwischen Gleichrangigen)

Kongzi’s humanistische Lehren prägten durch zahlreiche geschichtliche Brüche den gesamten ostasiatischen Raum, standen oft am Beginn gesellschaftlicher Neurorientierung und wurden auch im modernen China nach Kritik durch Intellektuelle zu Beginn des 20. Jhr. und Verteufelung durch Mao Zedong während der kommunistischen Kulturrevolution später wieder als Staatsdoktrin instumentalisiert. Ganz im Sinne des typisch chinesischen Synkretismus ist der Konfuzianismus eine Lehre unter anderen, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen.

Konfuzianistische Aspekte in der TCM

12 Beamte: Der menschliche Körper als perfekt organisiertes Staatswesen, die einzelnen Körperfunktionen entsprechen dabei Aufgaben im gesamten Gemeinwesen: Der Kaiser (Herz), seine Minister und Palastwachen (Dünndarm, Perikard, Dreifacherwärmer), der General (Leber) der Streitmächte, die Verwaltungsbeamte der Kornkammern (Milz und Magen) und so weiter.

Fünf Tugenden und ihre Bedeutung für das Staatswesen Mensch durch Wahrung der Sittlichkeit und angemessene Lebensführung – ein älteres Konzept des Daoismus, das durch Mengzi im 4. Jhd. v. Chr. übernommen und verfeinert wurde und sich auch in der Haltung der chinesischen Medizin widerspiegelt.

Fünf Wandlungen: Die Zuordnung der Himmelsrichtungen (Ost, Süd, Mitte, West, Nord) und der Familienbeziehungen (jüngerer Bruder, jüngere Schwester, Mutter, Vater, älterer Bruder) zu den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – einem daoistischen Konzept – stammt aus der konfuzianischen Perspektive.

Ba Guan | Schröpfen: Therapeutische Methoden TCM, Teil 2

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Schröpfen: Eine alte Heilmethode, die sich bereits seit Jahrtausenden bewährt hat

 

Ba Guan ist auch in der westlichen Naturheilkunde als Schröpfen seit langem bekannt, es ist ebenso eines der begleitenden Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM und ergänzt sehr effektiv das Verfahren der Akupunktur in ihren Anwendungsbereichen.

Wie wirkt ist Ba Guan | Schröpfen?

Verwendet werden Schröpfköpfe aus Bambus, Glas oder Kunststoff, die mittels unterschiedlicher Methoden (Feuer, Wasser, Luftpumpe) durch Unterdruck auf die Haut gesetzt werden und mehrere Minuten dort verbleiben. Der Unterdruck erzeugt eine Hautreizung, lässt kapillare Hautgefäße anschwellen und führt zu einem künstlichen Hämatom. Die Wirkung enspricht dem Prinzip der Eigenbluttherapie: Durch die gesteigerte Mikroperfusion wird die Zirkulation lokal erhöht und das Immunsystem durch Rückresorption des kapillaren Bluts stimuliert (Makrophagenaktivität) sowie Stoffwechsel und Lymphfluss angeregt (Reiztherapie). Es kommt zu einer nachweisbaren lokalen Erhöhung der Monozyten um den Faktor 2,5 – sie sind Teil der unspezifischen Immunabwehr und gehören zu den Leukozyten, den weißen Blutkörperchen .

Traditionelle Anwendungsbereiche von Ba Guan | Schröpfen

Im Westen: Verspannungen und Schmerzen wie Kniegelenksarthrose, Karpaltunnelsyndrom, Regulation der Körperflüssigkeiten im Sinne der naturheilkundlichen Säftelehre, Menstruationsprobleme

Im Osten: Allgemein regt Ba Guan die Zirkulation an und beseitigt Stagnation und Stase der vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut) im Sinne der TCM. Daraus ergeben sich zahlreiche Indikationen, die sich unter die beiden folgenden Kategorien subsumieren lassen:

Indikationen für Ba Guan | Schröpfen nach TCM

  • in der Tiefe festsitzende Pathogene wie Wind oder Hitze, Kälte, Nässe
  • Fülle-Muster wie Qi-Stagnation, Blutstase; zahlreiche chronische Schmerzsyndrome, Kopfschmerzen, Dysmenorrhoe; Erkältungen, Asthma (aufgrund von Fülle-Mustern)

Kontraindikationen für Ba Guan | Schröpfen

  • Störung der Blutgerinnung: hämorrhagische Diathese, Hämophilie (Bluterkrankheit)
  • Herzerkrankungen: schwere Kardiopathie
  • generalisierte Ödeme: Lymphinsuffizienz, Lymphödem, Elephantiasis
  • generalisierte Dermatopathien: Hautrisse, Fissuren, Verlust der Hautelastizität
  • Schwangerschaft nach dem 4. Monat
  • hohes Fieber mit Krämpfen

 

Schröpfen nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM ist eine effektive, sichere und altbewährte Methode, um langanhaltende Stagnation zu mobilisieren und die Immunabwehr und Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.

Diagnostische Methoden TCM: Puls- und Zungendiagnostik

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MAI JING: Klassische chinesische Pulstastung am radialen Handgelenk

 

Die Palpation der Pulse und Inspektion der Zunge sind zwei der speziellen diagnostischen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. Puls-und Zungendiagnostik werden seit Tausenden von Jahren als Teil der TCM angewandt und bieten eine sehr feine Diagnostik, die sogar Zustände differenziert, bevor sie pathologische Qualität erreichen. Das unterstützt die chinesische Medizin auch in ihrem präventativen Charakter.

Chinesische Pulsdiagnostik TCM

Bei der Tastung des Pulses an der radialen Arterie beider Handgelenke werden 28 verschiedene klassische Pulsqualitäten unterschieden unter Berücksichtigung aller 12 chinesischen Organpositionen in 2 Ebenen und weiterer Faktoren wie allgemeine Mittelpulsqualität, Verwurzelung des Pulses und energetischer Blockaden. Faktoren wie Kraft, Volumen, Frequenz und Rhythmus sowie spezielle Eigenschaften und Auffälligkeiten fließen in die Beurteilung ein. Die chinesische Pulsdiagnostik ist eine sehr feine Diagnoseform, die schwer zu erlernen ist und viel Zeit, Beobachtung und Erfahrung des Therapeuten braucht.

Die chinesische Pulsdiagnostik ermöglicht Aussagen zu den vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut), dem Zustand einzelner Organe und der drei Leibeshöhlen JIAO sowie der konstitutionellen Gesamtverfassung. Sie liefert eine aktuelle Momentaufnahme des energetischen Zustandes des Patienten.

Chinesische Zungendiagnostik TCM

Der Zustand der inneren Organe läßt sich aufgrund ihrer Zuordung zu bestimmten Regionen der Zunge beurteilen. Grundsätzlich sind die Form und Farbe des Zungenkörpers sowie die Beschaffenheit des Zungenbelages von diagnostischem Interesse. Der Zungenkörper macht eine grundsätzliche Aussage zu Konstitution und Qualität des Qi, der Zungenbelag gibt Aufschluß über pathogene (krankmachende) Faktoren, die entweder von außen eingedrungen sind oder aus inneren pathologischen Prozessen stammen.

Kriterien Form, Farbe, Belag der Zunge

Die Form der Zunge läßt Rückschlüsse auf innere pathogene Faktoren wie Feuchtigkeit oder Trockenheit zu, die Farbe der Zunge macht eine Differenzierung der Pathogene in Hitze oder Kälte möglich und gibt Aufschluß, wie tief sie bereits in den Körper eingedrungen sind. Auch gibt sie Informationen zur Beschaffenheit des Qi des Patienten und den verliegenen pathogenen Mustern.

Der Zungenbelag ist vor allem zur Beurteilung des Magen-Qi von Bedeutung und liefert relevante Informationen zur Funktionalität des gesamten Verdauungsapparates sowie eine Einschätzung der Chronizität des pathologischen Prozesses.

Energetische Momentaufnahme

Die Einzelbefunde aus chinesischer Puls- und Zungendiagnostik werden stets im Kontext weiterer Befunde der ausführlichen Anamnese, Anlitzdiagnostik, Bauchpalpation (Haradiagnostik) sowie Meridianpalpation oder Druckdolenz spezifischer Akupunkturpunkte gesehen. Zusammen ergeben sie eine sehr feine Diagnostik, die Therapeuten der Traditionellen Chinesische Medizin |TCM in die Lage versetzt, aktuelle Zustände bereits zu differenzieren, bevor sie sich als Krankheiten im Sinne der westlichen Schulmedizin manifestieren.

Daoismus: Grundpfeiler der TCM, Teil I

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Das Ensō – Symbol der Leerheit und Vollendung

 

Drei Lehren prägten Philosophie und Religion der alten Hochkultur China: Daoismus, Buddhismus, Konfuzianismus. In drei Beträgen sollen sie im Hinblick auf die Traditionelle Chinesische Medizin|TCM kurz skizziert werden.

Daoismus: Religion oder Philosophie? 

Der Daoismus ist eine der großen Drei Lehren Chinas, die sein Weltbild und seine Kultur über Jahrhunderte bis heute hinein prägten. Die fünf antiken daoistischen Wissenschaften basieren auf ihm: Kampfkünste, Feng Shui, Qi Gong, Astrologie und Medizin. Auch wirkte er in weite Teile der Gesellschaft und fast in alle Bereiche der Politik, Wirtschaft, Künste, Philosophie und Geographie.

Begriffsklärung Daoismus

道教 Dàojiào – Lehre des Weges: Daoismus leitet sich vom Begriff DAO ab, der schon vor Laozis Werk Daodejing (4. Jhd. v.Chr.) in der chinesischen Philosophie existierte. Er nimmt Stömungen der chinesischen Antike in sich auf, meist Konzepte der Zhou-Zeit (1045-256 v.Chr) wie etwa die Lehren vom Qi, Yin und Yang sowie die Kosmologie von Himmel-Erde-Mensch. Ein zentrales Thema des Daoismus ist die Suche nach Unsterblichkeit. Mittels verschiedener Techniken wie Qigong, (Atem)Meditation, Alchemie und Magie sollte sie erreicht werden, dabei ist sie nicht materiell, sondern als Unsterblichkeit des Geistes zu verstehen. Einer der 僊 Xiān – Unsterblichen war 黃帝 Huángdì – der mythische gelbe Kaiser, dessen Kompendium chinesischer Medizintexte noch bis heute als klassisches Standardwerk der Chinesischen Medizin Gültigkeit behält.


Dào ist allumfassend und meint sowohl die dualistischen Bereiche der materiellen Welt, als auch die transzendenten jenseits der Dualität. Das Dào ist also sowohl ein Prinzip der Immanenz als auch der Transzendenz. […] In seiner transzendenten Funktion, als undifferenzierte Leere ist es die Mutter des Kosmos, als immanentes Prinzip das, was alles durchdringt.


DàoMethode, Prinzip, der rechte Weg, aber mehr im ursprünglichen Sinne das große – schöpferische – Eine, Transzendente, höchste Wirklichkeit und Wahrheit. Es ist unbenennbar, jenseits der Begrenzung aller Begrifflichkeit und tritt nur durch sein Wirken in der Polarität von YIN und YANG in Erscheinung: Dem Gegensatz von Sein und Nicht-Sein, dem Ursprung von Energie und Materie, der durch Wandlung und Bewegung die zehntausend Dinge des Kosmos hervorbringt; ebenso ihre Ordnung und auch die Vereinigung eben dieser Gegensätze. Abstrakt und schwer faßbar, jenseits unserer alltäglichen Vorstellungskraft bleibt es das DAO.

無爲 Wǔwēi wird häuftig als Nicht-Eingreifen oder nicht Nicht-Handeln übersetzt, dies verkürzt seine Bedeutung jedoch recht stark. WUWEI entspricht dem Prinzip der spontanen Handlung ohne großen Kraftaufwand – seine Energie nicht aufbrauchend durch ein Handeln, das gegen den natürlichen Lauf der Dinge und dem Wirken des DAO gerichtet ist. Diese ordnen sich von selbst und gehorchen einer höheren Ordnung, dem DAO. Durch den angestreben reinen und nicht selbstbezogenen Geist soll leeren Herzens ein absichtsloses Handeln möglich sein, das frei von Wünschen, Begierden und Anhaftungen ist.

Daoistische Aspekte in der TCM

Zahlreiche Elemente der Chinesischen Medizin sind daoistischer Herkunft oder Prägung: Die Lehre vom Qi, YIN und YANG, das YI JING, die Kosmologie von Himmel-Erde-Mensch, Techniken des YANGSHENG wie Qi Gong und alchemische Vorstellungen als Techniken der körperlichen und geistigen Selbstkultiverung.

Teils philosophische Naturanschauung, teils Religion ist der Daoismus in seinen antiken Wurzeln authentisch chinesisch und ein gedanklicher Grundpfeiler der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM, auch hier im modernen Westen.

Gua Sha: Therapeutische Methoden TCM, Teil 1

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Gua Sha: Vorübergehende therapeutische Petechien (Kapillareinblutungen)

 

Gua Sha ist ein altes Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin |TCM, das neuerdings verstärkt in das breite Interesse wissenschaftlicher Forschung in China und im Westen rückt.

Was ist Gua Sha?

Es handelt sich hierbei um eine therapeutische Schabetechnik, die mittels eines geeigneten Schabers aus Jade, Keramik, Kunststoff oder Horn zumeist auf dem Rücken oder Nacken ausgeführt wird. Es kommt zu kleinen kapillaren Einblutungen in den unteren Schichten der Haut, sogenannte Petechien, die ausdrücklich erwünscht sind und nach wenigen Tagen vollständig vom Körper resorbiert werden. Gua Sha besitzt einen entzündungshemmenden und immunmodulierenden Effekt.

Neuere Erkenntnisse zur Wirkung von Gua Sha

Die biomechanischen Wirkungen von Gua Sha wurden in den letzten Jahren zunehmend erforscht. Durch Anwendung von Gua Sha kommt es zu einem signifikanten Anstieg der lokalen oberflächlichen Mikroperfusion, der Mikrozirkulation von Blut in den obersten Hautschichten. Es regt die Genexpression des Enzyms Hämoxygenase-1 (HO-1) an, dem eine antiinflammatorische (entzündungshemmende), antioxidative (Abbau von oxidativen Stress) und cytoprotektive (zellschützende) Wirkung zugeschrieben wird. Dieses Enzym wird nicht nur lokal sondern auch systemisch in mehreren Organen ausgeschüttet. Zudem zeigt es eine immunmodulierenden und virustatischen Effekt.*

Traditionelle Indikationen für Gua Sha

Eine Reihe von klassischen Indikationen beruht auf dem Erfahrungswissen der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM, langjährige empirische Beobachtung vom Nutzen der Anwendung von Gua Sha über mehr als 2000 Jahre bei folgenden Erkrankungen: Chinesische Blutstase-Krankheiten, Muskelhartspann, Myalgien, Schmerzsyndrome, Kopfschmerzen, Fiebersenkung, chronische Entzündungszeichen (wie bei Allergien, Autoimmunerkrankungen, etc.).

Neue Anwendungsgebiete von Gua Sha

Durch die neuerliche Forschung ergeben sich potenziell neue Therapieoptionen für folgende Krankheitsbilder: Migräne, Asthma, Post-Zoster-Neuralgie, Brustschmerzen/-Distension, geringgradige Darmentzündungen, chronische Leberentzündungen (HBV/HCV).

QUELLE: http://www.pacificcollege.edu/acupuncture-massage-news/press-releases/1198-the-science-of-gua-sha.html

 

*Die Rolle von Hämoxygenase-1 bei der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Adipositas wird derzeit in der westlichen Forschung diskutiert.

GAN QI FAN WEI Leber-Qi dringt in den Magen ein

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GAN, das chinesische Schriftzeichen für Leber

 

Aspekte der Mitte: Exemplarisch sollen ausgewählte Muster der Syndromlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin das Konzept der Mitte umschreiben. Es steht für Milz und Magen, die zentralen Organe des Transports, Transformation und Integration der Nahrung und der daraus gewonnenen Nahrungsessenzen. Im Folgenden ein Muster, das die Bezugsachse der Wandlungsphasen Holz und Erde bezeichnet.

Pathologie Leber-Qi attackiert Magen

Blockiertes Leber-Qi – maßgeblich aufgrund emotionaler Faktoren – unterbricht den Qi-Mechanismus, das stagnierte Qi greift auf den Magen über und stört dessen natürliches Absteigen des Magen-Qi. Es kommt zu rebellierendem Magen-Qi und einer Beeinträchtigung der Milz, Flüssigkeiten umzuwandeln und im Folgenden zu Ansammlungen von Schleim. Dieser verstärkt wiederum die Blockade im Mittleren Erwärmer, ein Teufelskreislauf entsteht.

Ursachen von Leber-Qi attackiert Magen

Langanhaltende emotionale Faktoren, Stress, unregelmäßiger Lebenswandel, mangelnder Ausgleich von Arbeit und Anspannung durch Freizeit und Bewegung, erhitzende Ernährung (Alkohol, Kaffee, Schokolade, etc.) im Übermaß, zu unregelmäßig, zu schwer, zu fettig lassen das Leber- und/oder Milz- und Magen-Qi blockieren sowie unterbrechen die Leber-Magen-Achse.

Symptome bei Leber-Qi attackiert Magen

Rezidivierender saurer Reflux, Sodbrennen, Aufstoßen, Appetitverlust, morgendliche Übelkeit, Blähungen, Obstipation und weiche Stühle im Wechsel.  Völlegefühl, Beklemmungsgefühl in der Brust, Ängstlichkeit, ständiges Sorgen machen. Zusätzlich zu den Symptomen des zugrundeliegenden Leber-Qi-Staus: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Depression, Schwindel, Spannungskopfschmerz, unregelmäßige Menstruation, prämenstruelle Brustspannung, Verspannungen von Nacken und Schulter, kalte Finger und Zehen.

Weiterer Verlauf von Leber-Qi attackiert Magen

  • Magen und Leber-Hitze, oft bedingt durch Ernährungsfaktoren
  • Verkomplizierung durch Feuchte Hitze und Schleim
  • Yin-Mangel aufgrund von anhaltender stagnierender Hitze; gastrointestinale Blutungen aufgrund von Fülle-Hitze

GAN QI YU JIE Leber-Qi-Stagnation

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GAN, das chinesische Schriftzeichen für Leber

 

Aspekte der Mitte: Exemplarisch sollen ausgewählte Muster der Syndromlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin das Konzept der Mitte umschreiben. Es steht für Milz und Magen, die zentralen Organe des Transports, Transformation und Integration der Nahrung und der daraus gewonnenen Nahrungsessenzen. Im Folgenden ein erweiternder Ausblick auf ein Syndrommuster, das oft einen ursächlichen Bezug zur Pathologie der Mitte hat.

Pathologie der Leber-Qi-Stagnation

Die Stagnation des Leber-Qi verursacht eine Blockade des Qi, meist im Mittleren Erwärmer – dem oberen Abdomen. Die Leber versagt bei der Regulierung des Qi und das fehlende Bewegungsmoment führt zu einer Unterbrechung des Qi-Mechanismus. Da die Qi-Bewegung auch durch den Gastrointestinaltrakt verlangsamt ist, werden die Muster der Qi-Stagnation oft von Verstopfung begleitet sowie von Flüssigkeitsansammlungen aufgrund der beeinträchtigten Milzfunktion.

Ursachen einer Leber-Qi-Stagnation

Der Leber-Qi-Stau hat eine starke emotionale Komponente: Langanhaltende Emotionen, Wut, Ärger, Groll blockieren den freien Fluß des Leber-Qi. Auch akute Stresssituationen können Auslöser sein. Mangelnde Durchlässigkeit des Zwerchfells aufgrund von muskulären Verspannungen sowie unregelmäßige, verflachte Atmung lassen das Qi nicht aufsteigen und führen zu einer Ansammlung unterhalb des Diaphragmas. Der emotionale Aspekt ist eines der Leitsymptome aller Variationen von Leber-Qi-Stagnation.

Symptome einer Leber-Qi-Stagnation

Chronische epigatrische und abdominale Distension, Völle und Unwohlsein, Spannungen im Hypochondrium, Schmerzen oder Engegefühl, meist auf der rechten Seite stärker, gelegentlich wandernd. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depression. Appetitverlust, Verdauungsstörungen, Darmgeräusche, Blähungen, Wechsel von Obstipation und Diarrhö. Eventuell einhergehend mit Nackenverspannung, Spannungskopfschmerz, kalten Finger und Zehen. Alle Symptome haben einen klaren Bezug zu Emotionen und Stress, dem der Patient ausgesetzt ist.

Weiterer Verlauf einer Leber-Qi-Stagnation

  • Beeinträchtigung der Milz und Magenfunktionalität können zu Blut-Mangel oder -Stase, Milz-Qi-Schwäche, Feuchtigkeitsansammlungen oder Hitze führen
  • oft einhergehend mit Leber-Blut-Mangel oder Leber-Yin-Mangel
  • Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane, Kälte in der Leber-Leitbahn, Libidoverlust, erektile Dysfunktion

Die Verdauung aus Sicht der TCM, Teil II

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Die eigene Verdauung: Verstehen Sie nur Chinesisch?

 

Der Vorgang der Verdauung wird aus der Sicht der TCM von den Funktionen Transport, Transformation und Integration geprägt. An diesem Prozess sind  neben verschiedenen Organen auch emotionale Faktoren beteiligt. Auf einer ganzheitlichen Metaebene betrachtet geht es um folgende Fragen: Woraus stelle ich mich selbst her? Was nährt mich stofflich, emotional, spirituell? Kann ich mich selbst – und andere – nähren?

Fundamentale Bezugsachsen

Das harmonische Funktionieren der Verdauung ist im besonderen Maße von zwei dynamischen Beziehungen abhängig, dem Qi-Mechanismus und der Beziehung der Wandlungsphasen Holz (Leber|Gallenblase) und Erde (Milz|Magen).

Qi-Mechanismus

Es handelt sich hierbei um die Dynamik, die durch die natürliche Tendenz des Milz-Qi aufzusteigen (Anheben des Reinen) und die des Magen-Qi abzusteigen (Absenken des Trüben) erzeugt wird. Dieses korrekte Auf-und Absteigen des Milz- und Magen-Qi fungiert als eine Art Dynamo der Qi-Bewegung und fördert so die Verteilung des Qi innerhalb des Körpers. Der Qi-Mechanismus ist eine der fundamentalen physiologischen Körperfunktionen. Qi-Blockaden begünstigen die Ansammlung von pathogener Feuchtigkeit, Schleim und Nahrung; sie können durch Fülle oder Mangel geprägt sein.

Holz-Erde-Achse (Leber-Milz|Magen)

Diese Beziehung ist von großer Bedeutung für die Gewährleistung einer gesunden Verdauung. Leber kontrolliert mittels des Kontrollzyklus den Magen und regiert den harmonischen Qi-Fluß während der Verdauung zu selbigem. Eine Milz-Qi-Schwäche steht oft in enger Beziehung zu einem Leber-Qi-Stau, da die tyrannische Leber bei energetischen Blockaden schnell die Milz überkontrolliert und sie auf diesem Wege schwächt. Die Folge ist eine Attacke auf Milz und Magen und eine Unterbrechung des natürlichen Qi-Mechanismus.

Emotionale Faktoren

Funktionelle Prozesse wie die Verdauung sind besonders anfällig für psychoemotionale Faktoren. Eine westliche Erklärung ist die Steuerung und Regulation der Verdauungsorgane über den Nervus Vagus, dem parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems. Unter Stresseinwirkung verbleibt der Körper im handlungsbereiten sympathikotonen Zustand – die vegetativen Funktionen der gemächlichen Verdauung werden zugunsten der Jagd- und Konfrontationsbereitschaft unterdrückt. Was von der Evolution als Vorteil angesehen wurde, erweist sich in unseren modernen Leistungsgesellschaften als großer Nachteil für das Wohlbefinden der Mitte.

Denn aus Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM sind Stress|Kummer|Grübeln|Gedankenkreisen langanhaltende Emotionen, die das Qi verknoten und stagnieren lassen und innere Pathogene begünstigen oder verursachen: Wind, Feuchtigkeit, Feuchte-Hitze, Hitze. Sie tragen als innere Faktoren zur Entstehung zahlreicher chinesischer Syndrommuster bei bzw. sind oft Ausgangspunkt für spätere organische Störungen.

Das metaphorische Thema der Wandlungsphase ERDE ist das beständige Pflügen des Ackers, die alltäglichen Verrichtungen und Erledigungen des Alltages. Milz und Magen als ihre beiden Organe sind die Erntearbeiter des Qi, das auf Tagesbasis für die Alltagsprozesse von Wachstum, Wiederherstellung, Abwehr, Fortbewegung, Temperaturregulation, Atmung und Fortpflanzung verwendet wird.

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Die Verdauung aus Sicht der TCM, Teil I

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Verdauung: Trennung des Reinen vom Trüben

 

Der komplexe Vorgang der Verdauung wird aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM im Wesentlichen von den Funktionen Transport, Transformation und Integration geprägt. An diesem Prozess sind verschiedene physische Organe beteiligt, emotionale Faktoren spielen jedoch eine entscheidende Rolle. Auf einer ganzheitlichen Metaebene betrachtet kann es um unterschiedlich Fragen des Nährens gehen.

Chinesische Physiologie der Verdauung

Der sogenannte Mittlere Erwärmer JIAO, bestehend aus Milz und Magen vereinigt alle Funktionsaspekte des gastrointestinalen Systems. Zu ihm gehören ebenso die unterschiedlichen funktionellen Aspekte des westlichen Magens, des Pankreas, der Leber, der Gallenblase, des Dick- und Dünndarms. Milz und Magen meint hier neben den anatomischen Organen sogenannte Funktionskreise, zu denen auch ihre Leitbahnen gehören – diese beiden Funktionskreise sind aus der Sicht der TCM von zentraler Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Jeder andere Funktionskreis hängt von dem gleichmäßigen Strom des Qi aus der Verdauung ab und somit beeinträchtigt jede Störung von Milz und Magen alle anderen Organsysteme und damit den gesamten Körper.

Milz (脾 )|Magen (胃 Wèi)

Sie sind die Schlüsselorgane des Verdauungsprozesses. Im Magen erfolgt die Trennung des physiologische Qi (die reinen Anteile) und der Abfallstoffe (die trüben Anteile). Das so gewonnene Nahrungs-GU-Qi wird in der Lunge mit dem Atmungs-DA-Qi zusammengeführt. Es wird weiter zu den drei Subtypen des Qi verfeinert (Brust-ZONG-Qi sowie Abwehr-WEI-Qi und Nähr-YING-Qi), um dann von der Milz (beherrscht Transport) und der Leber (verteilt Qi) an die relevanten Organe und Körperteile verteilt zu werden. Dieser Prozess wird mit 运化 Yùn Huà Transformation und Transport beschrieben.

Leber (肝 Gān)|Gallenblase (胆 Dǎn)

Der Leber kommt im Verdauungsprozess eine besondere Bedeutung zu, ihre Beziehung zur Milz ist eine der fundamentalen funktionellen Organbeziehungen im menschlichen Körper. Sie reguliert die Bewegung und Verteilung des Qi. Eine Behinderung der Bewegung des Leber-Qi führt rasch zu einer Beeinträchtigung von Milz und Magen. Dafür werden die unterschiedlichen Zyklen des Nährens und der Kontrolle aus der Fünf-Elemente-Theorie zur Erklärung herangezogen. So ist der sogenannte Leber-Qi-Stau einer der häufigsten Ursachen für Verdauungsbeschwerden aus der Sicht der chinesischen Medizin.

Die Rolle der Gallenblase in der Verdauung ist sekundär und in ihrer Speicherfunktion der reinen Flüssigkeit Galle ist sie der Leber untergeordnet.

Dünndarm (小肠 Xiǎocháng)|Dickdarm (大肠 Dàcháng)

Im Hinblick auf ihre gastrointestinale Funktion sind Dünn- und Dickdarm eng mit dem Magen und der physiologischen Abwärtsbewegung des Magen-Qi verbunden. Als Hohl-FU-Organe bestehen ihre Hauptfunktionen im Ausleiten und Beseitigen von trüben Anteilen der Verdauung. Auch spielen sie eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Milz in ihrer Funktion der Regulation des Flüssigkeitshaushaltes und der Flüssigkeitsverteilung. Dicke, geschwollene Beine sind eines der Symptome, die auf eine Milzpathologie schließen lassen.

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WEI HUO Magen-Hitze | Feuer

WEI HUO Magen-Hitze
WEI, das chinesische Schriftzeichen für Magen

 

Aspekte der Mitte: Exemplarisch sollen ausgewählte Muster der Syndromlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin das Konzept der Mitte umschreiben. Es steht für Milz und Magen, die zentralen Organe des Transports, Transformation und Integration der Nahrung und der daraus gewonnenen Nahrungsessenzen.

Pathologie der Magen-Hitze

Magen-Hitze kann sich aus dem Muster Leber-Qi dringt in den Magen ein heraus entwickeln oder mit dem übermäßigen Konsum erhitzender Nahrung verknüpft sein. Es kommt zu Bildung von Hitze im Magen. Die Hitze trocknet die Flüssigkeiten ein und lässt das Magen-Qi aufsteigen. Dies ist ein sehr häufiges Muster und spricht gemeinsam mit einer Nahrungsumstellung gut auf eine Behandlung mit Akupunktur und Kräutern an.

Ursachen einer Magen-Hitze

Überessen mit schwerer, erhitzender Nahrung führt zu Ansammlung und Stagnation – besonders durch Schokolade, Kaffee, Alkohol. Emotionale Faktoren sind bei der Entstehung dieses Musters dem Einfluss der Nahrung untergeordnet, jedoch löst Stress die Symptomatik des Sodbrennens aus oder verstärkt sie.

Symptome einer Magen-Hitze

Sodbrennen, saurer Reflux, Aufstoßen, brennende Schmerzen im Epigastrium, Durst nach kalten Flüssigkeiten, trockener Mund, Mundgeruch, Zahnfleischentzündung, Mundulzera,Verstopfung, übelriechende Stühle, Reizbarkeit, hitziges Temperament.

Weiterer Verlauf einer Magen-Hitze

Bei einem chronischen Zustand werden die Symptome einer Magen-Hitze oft durch einen allgemeinen YIN-Mangel verstärkt, der mit Symptomen wie Hitzewallungen, Wangenröte, Nachtschweiss, nervöser Unruhe, Agitiertheit und Schlafproblemen einhergeht.

Zusätzlich können folgende verkomplizierenden Faktoren vorkommen:

  • Hitze kann in Kombination mit Feuchtigkeit und auch mit Kälte aufgrund eines Mangels im Mittleren Erwärmer (Milz und Magen) auftreten
  • Akkumulation als Schleim-Feuchtigkeit blockiert das Absteigen des Magen-Qi, das daraufhin rebellisch aufwärts steigt