XU XIN: Das Leere Herz

das leere herz
Frei sein von Wünschen, Hoffnungen, Anhaftungen – frei von Enge in der Brust

 

Ein Konzept des Daoismus, das mich persönlich stets beeindruckte ist das Leere Herz XU XIN (nicht zu verwechseln mit der Herz-Qi-Schwäche XIN XU). Es ist eines dieser Gedanken, die eher ideeller Natur sind, das heißt wir können dorthin streben, werden aber wohl Zeit unseres Lebens diesen Zustand nicht vollends erreichen. Trotzdem handelt es sich um einen wertvollen Gedanken, die Richtungsweisung einer alltäglichen Geisteshaltung und spirituellen Praxis.


Frei sein von Wünschen, Hoffnungen, Anhaftungen – um die Resonanz des Geistes SHEN des anderen in seinem Herz spüren zu können.


Wie oft trat jemand in unser Leben, wir waren angetan, entzückt, haben uns verliebt und wollten mehr: Mehr Nähe, mehr Geborgenheit – mehr Gewissheit und Sicherheit. Mehr von allem – mehr ist mehr! Bis hin zur Selbstauflösung und Missachtung der eigenen Bedürfnisse, eher um das Wohlergehen des anderen Sorge tragend als um das eigene.

Vom Feuer der Leidenschaft und Sexualität in die Erde einer harmonischen und sicheren geschlossen Beziehung gehen zu wollen ist ein sehr menschliches, natürliches und richtiges Bedürfnis. Erfüllen sich die Wünsche jedoch nicht oder gibt es Dissonanz der unterschiedlichen Vorstellungen und Bedürfnisse, kommt es zum Ungleichgewicht: Zickigkeit, Schnippigkeit, das Einfordern von Verbindlichkeit, Sicherheit, Commitment kommt zum Ausdruck – und resultiert eher in Enge, Vereinnahmung, Erdrückung.

Einschnürung des freien Flusses an Emotionen, Energie – Qi. Blockade und Stagnation machen sich breit und werden spürbar. Das Herz wird schwer und voll – und hat keinen Raum mehr für das Vibrieren der feinen Schwingungen des gemeinsamen Geistes SHEN, der eine schöne Partnerschaft und ihre Beteiligten zum Leuchten bringt.

NSA – no strings attached heißt es in digitalen Kontaktanzeigen und Online-Dating-Profilen so oft. Was steht dem gegenüber? FSA: Full Strings attached – das ganze Programm der Treue, Verbindlichkeit, sich Einlassen auf den anderen, seine Sichtweisen, Bedürfnisse und Marotten. Kurz: Liebe – gemeinsames Weiterentwickeln aus einem Interesse am spirituellen Wachstum des anderen (Morgan Scott Peck: Der wunderbare Weg). Ein sehr schöner, erfüllender Weg.

Doch die Gratwanderung der Gleichzeitigkeit des Bei-sich-seins und Beim-anderen-seins misslingt nur allzu oft: Unrealistische Erwartungen, überhöhte Wahrnehmung des Gegenübers, Selbstaufgabe oder nicht wahrnehmen wollen der eigenen Bedürfnisse und Ansprüche lassen den so hoffnungsvollen Versuch scheitern.

Was bleibt? Das leere Herz als eine spirituelle Übung und Geisteshaltung, eine Metapher für das wahrhafte Bei-Sich-sein, frei von Wünschen, Hoffnungen, Anhaftungen – attachments, die alte Traumen, Verletzungen und Verlustängste in uns wecken. Leer in diesem Sinne bedeutet kein Mangel, sondern das Potential eines Reichtums an wachen Entdeckungen und kreativen Möglichkeiten auf einer anderen als der konditionierten Ebene der Gewohnheiten und bisher gemachten Erfahrungen.

Leer sein heißt frei sein für wirklich Neues.

 

Ein Gedicht für Uwelino: Empty Heart by Kurt Rees

Zur Person | Heilpraktiker Berlin | Karl-Konstantin Arnold

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Heilpraktiker Karl-Konstantin Arnold, Dipl.-Ac. (Agtcm)

 

Es begann mit der eigenen Erfahrung als Patient, dem heilsamen Gesehen- und Gehörtwerden durch eine empathische, ganzheitlich arbeitende TCM-Therapeutin sowie der lösenden Erfahrung regelmäßiger Massagen in Thailand und der eigenen langjährigen Auseinandersetzung mit Nahrung. Der Wunsch erwachte, all diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und so machte er sich auf den Weg – dem wunderbaren Weg zum Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin.

Eine solide schulmedizinische Grundausbildung, kontinuierliche fachliche Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin – unter anderem bei Amos Ziv, Lonny Jarrett, und Stephen Birch – sowie regelmäßig jährliche Kongressbesuche sichern therapeutisches Wissen auf hohem fachlichen Niveau.

  • Diplom für Akupunktur (Agtcm)
  • Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (Agtcm)
  • Weiterführende Informationen: www.agtcm.de

Karl-Konstantin Arnold, Jahrgang 1977, lebt seit 1996 in Berlin, kocht und gärtnert leidenschaftlich gerne, widmet sich seit 2008 hauptberuflich der Naturheilkunde, spricht fließend Deutsch und Englisch – English native speakers warmly welcome: Consultations in English available as well. Translation of website subject to be completed soon.

 

acupuncturist, nutrition coach, holistic health practitioner – living it …

hello, i’m karl-konstantin arnold, german heilpraktiker and licenced acpuncturist working in the field of traditional chinese and alternative medicine. holism is not just a slogan to me but an approach of body-mind-alignment, an attitude toward the mutual interactions between physical and psycological processes.

 

Stress-Management: Schreien oder weglaufen?

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Stress-Management: Der Punkt an der Weggabelung – weitermachen wie bisher?

 

Wer hat ihn nicht? Stress! Ob eigener Leistungsanspruch, erhöhter Leistungsdruck im Arbeitsleben, Familienverpflichtungen, reale Existenzängste oder die alltägliche Hektik moderner Großstädte durch zunehmenden Verkehr und Termindruck. Er ist allgegenwärtig und ein Teil unserer Lebenskultur geworden.

Die klassische Unterscheidung zwischen positiven Eustress und negativ auswirkendem Disstress ist aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) allerdings hinfällig. Beides verursacht inneren Wind im Körper – Symptome wie Kopfschmerz, Migräne, Schwindel, Vertigo, Nackenverspannungen, Unruhe und Agitiertheit können auftreten. Oder er zeichnet sich schlicht durch hektisches Verhalten, unüberlegtes, eher spontanes und getriebenes Handeln und Abnahme des Konzentrationsvermögen auf eine Sache ab.

Als Komplikation kann es nach Phasen intensiver Überlastung und anhaltendem Stress, der nicht durch sportliche Bewegung, Regeneration und Entspannungsverfahren wie Qigong, Taijijuan, Yoga oder autogenes Training abgebaut wurde zu einem Burnout-Sydrom (Ausgebranntsein) kommen. Es handelt sich dabei um einen Zustand von emotionaler Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit: Nichts geht mehr, selbst alltägliche Aufgaben und Erledigungen werden zur Last und Herausforderung. Der Burnout steht in einer langen Entwicklungslinie von Idealismus, Frustration, Überlastung, Depression einerseits oder Aggressivität und Suchtverhalten

Eine effektive Behandlung des Stresszustandes ist mittels Akupunktur möglich. Die feinen Nadeln wirken auf der Ebene einer vagotonen Umstimmung des überreizten Sympathikus, dem Teilaspekt des zentralen Nervensystems, der für die Vermittlung der Stressreaktion verantwortlich ist. Durch die gezielte Nadelung entlang der feinen Energieleitbahnen des Körpers, sogenannter Meridiane kommt es zur vermehrten Ausschüttung körpereigner Neurotransmitter wie Serotonin und Endorphin. Dies ist auch Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien der Schulmedizin, die versuchen, die Wirkmechanismen dieses alten Heilverfahrens zu erforschen und zu belegen.

Auch ohne ausführliche Anamnese ist diese Behandlung auf Einzelindikation zur akuten Intervention und Stressreduktion möglich. Der Körper gelangt durch die vagotone Umstimmung in einen Zustand tiefer Entspannung, kann sich wieder regenerieren und wird aus dieser inneren Ebene bei der Bewältigung des Stress‘, dem sogenannten Coping unterstützt. Im Sinne einer ganzheitlichen Therapie ist jedoch eine umfängliche Erhebung der stressauslösenden Faktoren nötig, um ein nachhaltiges und aktives Stress-Management in der Beratung anbieten zu können.

20 Jahre Berlin: Stets im Werden, nie im Sein

berlin
Gebaute Transformation: Aufbau, Umbau, Abriss, Aufbau, Abriss, Umbau …

 

Auf einem Teppich einer Friedenauer Wohnung sitzend, beschloss ich 1993 nach dem Abitur nach Berlin zu ziehen. Leider musste ich noch 2 lange Jahre warten, bis ich endlichendlichendlich die erdrückende Enge meiner Heimatstadt verlassen konnte und nach bestandenem Abitur gen Berlin zog. Am Tag des Umzuges stopfte ich meinen quietschroten VW-Golf-II bis unters Dach voll – übrig blieb eigentlich nur der Ausblick aus der linken Windschutzscheibenhälfte und die Sicht auf den linken Rückspiegel. Dann endlose 550 Autobahnkilometer durch die Nacht in die verlockende Wahlheimat: Berlin!

2 Dekaden sind seitdem vergangen. Abgesehen von mehreren Fluchtversuchen mit einer jeweils kurzen Auszeit in Köln, New York, London und Sydney bin ich immer wieder nach Berlin zurückgekehrt, weil ich einfach das Gefühl hatte, in diese Stadt zu gehören: Ich bin Berlin und Berlin ist ich. In dieser Stadt habe ich Architektur und Städtebau, Geschichte und Kunstgeschichte, Kommunikationsdesign und Grafik studiert. Oft habe ich den Eindruck, dass ich mehr über diese Stadt mit all ihren historischen Schichten und Ablagerungen weiß als ein Eingeborener – von denen es gefühlt immer weniger gibt.

Von Beruf bin ich jedoch was ganz anderes geworden: Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin. Einen Berufsstand den ich – als Medizinersohn – damals gar nicht kannte. Gelegentlich frage ich mich, ob ich in einer anderen Stadt zu dieser Berufung gekommen wäre. Vielleicht brauchte es den maximalen Hedonismus Berlins in den 90er Jahren, dem Jahrzehnt des anything goes in einer Stadt im Vakuum eines gestürzten Systems. Berlin war damals ganz anders, aber so wie sich die Stadt jedes Jahr ein Stück verändert hat, so habe auch ich mich jedes Jahr ein Stück verändert. Nun sind wir beide nicht mehr wirklich wieder zu erkennen – gewiss, da der Alex, dort der Hackemarkt (gleichsam: hier die Nase, da der Mund), aber im Grunde ist die östliche Innenstadt materiell bis auf ein paar Backsteine komplett ausgetauscht worden. Und mit ihr die Bewohner. Genauso wie in meinem Körper alle 7 Jahre alle Körperzellen ausgetauscht wurden. Und das nun fast dreimal – demzufolge bin ich dreimal jemand anderes geworden. Oder vielleicht habe ich mich auch nur dreimal gehäutet.

Für mein Empfinden ist es eher so: Zweimal eine Drehung um 180 Grad machen, um wieder zu sich selbst zu kommen und dorthin, wo man eigentlich herkommt. Aus einer Medizinerfamilie, in der Bildung einen sehr hohen Stellenwert hat, Arbeit, Fleiß und Beharrlichkeit täglich vorgelebt wurden. Und so führe ich das eigentlich Naheliegende mit meinen nun eigenen Methoden und Verfahren fort: Den Dienst an der Gesundheit anderer Menschen. Aus einer alternativmedizinischen Sicht, aus einem anderen Weltbild, mit viel Bewusstseinsarbeit fürs Wesentliche.

PANTA RHEI: Alles ist im Fluss – außer der Abfluss (das Unbewusste)

unbewusste
Erde-Wasser-Achse: Das Unbewusste als Ressource des Denkens, Handelns, Fühlen

 

Über das Unbewusste: Ein kleines Missgeschick führt mir einen Traum in Erinnerung, den ich in der Nacht vor Beginn meiner Heilpraktikerausbildung hatte: Mein Küchenfußboden bricht direkt vor der Wohnungstür ein und gibt Einlass in die Räume darunter. Es sind jedoch nicht die Räume der Nachbarwohnung, sondern die der Heilpraktikerschule, die verdunkelt oder blind sind. Es ist ein völlig autarker Raum, ohne Bezug zur Außenwelt, hermetisch in sich geschlossen. Durch den offenen Fußboden erhalte ich einen Einblick.

Dieser Traum berührte und beunruhigte mich – retrospektiv interpretiere ich ihn als Metapher für den Zugang zu unbewußten Ressourcen und Erfahrungen, die das Denken, Handeln, Fühlen beeinflussen, womit man seine Entscheidungen untermauert, auf das man sich bezieht, wenn man Sachverhalte prüft und abwägt. Es ist ein geistiger Reichtum, Dinge von unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und neben pragmatischen oder funktionalen Aspekten auch emotionale und intuitive Zugänge zulassen zu können.

Der Anlass, der mir diesen Traum wieder in Bewusstsein ruft, ist reichlich banal: Ich vergesse, den Wasserhahn abzudrehen, der Abfluss ist seit geraumer Zeit verstopft, das Wasser rinnt während ich konzentriert einen Text verfasse. Ich komme in den Fluss des Schreibens, überwinde diesen einen Moment des Anfangens zu Beginn eines größeren Projektes – bis ich das Plätschern des überlaufenden Spülbeckens höre und der Küchenfußboden unter Wasser steht. Der erste Moment des Schreckens, der den Geist in Aufruhr versetzt wird abgelöst von der Erinnerung an den letzten derartigen Zwischenfall als des nachts ein minderwertiger Panzerschlauch platzte und mich lautes Wasserplätschern aus dem Schlaf riss. Die Sache lief abgesehen von der nächtlichen Wischerei ohne größeren Schaden ab.


Pánta chorei kaì oudèn ménei – Alles fließt und nichts bleibt;

es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.


Der Moment der Angst wird durch Denken überwunden, Erde kontrolliert Wasser – ein Beispiel für das Zusammenspiel zweier Wandlungsphasen: Auf der einen Seite das Wasser mit seiner zugeordneten Emotion der Angst, auf der anderen die Erde, deren geistige Qualität das Denken YI beinhaltet. YI ist ein Seelenaspekt des Geistes SHEN, einer von Fünfen, der verschiedenen Aspekte unseres Geistes repräsentiert. Denken hier, Angst dort, die Achse von Erde und Wasser, ein Konzept der Wandlungsphasen-Akupunktur nach Worsley, einer modernen Tradition der chinesischen Medizin.

WASSER steht neben den klassischen Zuordnungen von Unten, abwärts, sammelnd, Winter, Kälte, Dunkelheit, den Organen Niere und Blase, der besagten Angst aber auch für den Willen ZHI, dem Seelenaspekt des Geistes SHEN im Wasser. Im Wasser werden die Essenzen JING verortet: Feinststoff, den wir teils von unseren Eltern ererbt haben, teils nach der Geburt durch Nahrung und Atmung aufbauen. Es ist unser Potential, das wir auf den Weg mitbekommen haben.

Wasser als physikalisches Medium hat die Eigenschaft, sich den Weg des geringsten Widerstandes zu suchen, dringt in Ritzen und Spalten ein und sammelt sich in Vertiefungen. Übermäßige Kälte lässt es starr werden, übermäßige Hitze lässt es verflüchtigen. Nur in einem genau definierten Temperaturbereich liegt es als flüssiger Stoff vor, der den Boden befeuchtet und den Pflanzen zur Verfügung steht.

ERDE als Wandlungsphase hingegen steht neben den klassischen Zuordnungen von Mitte, zentrierend, ausgleichend, Spätsommer, Sommerhitze, den Organen Milz und Magen, dem Denken bzw. Intellekt YI und dem übermäßigen Denken, Grübeln, Sorgen auch für die Fähigkeit, sich und andere (er)nähren zu können. Sie repräsentiert Beständigkeit und Beharrlichkeit, Kontinuität und Konzentration. Eine kraftvolle Erde ermöglicht, dem Leben und seinen Herausforderungen angemessen und in Ruhe zu begegnen; aus einer kraftvollen Mitte heraus lassen sich Entscheidungen treffen, die Substanz und Nachhaltigkeit haben. Bedrohungen von außen werden abgehalten und dringen nicht bis ins Innere der eigenen privaten Existenz.

Erde im Sinne von Materie ist ein Medium, in dem Pflanzen wurzeln, gedeihen, Früchte tragen. In den Kapillaren der Erde kann das Wasser aufsteigen, versorgt die Wurzeln der Pflanzen und nährt mit den gelösten Mineralien des Bodens ihren Stoffwechsel. Ihre Blätter werden von von Bakterien und Pilzen zersetzt und als Humus den nachfolgenden Pflanzengenerationen wieder zur Verfügung gestellt. Ein Kreislauf von Werden und Wandeln, Transformation von einem Zustand in einen anderen.

Pánta chorei kaì oudèn ménei ist die knappste Formulierung der Flusslehre Heraklits, der Lehre vom Fluss aller Dinge, die besagt: Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.

Heraklit vergleicht das Sein mit einem Fluss, indem er sagt, niemand könne zweimal in denselben Fluss steigen. Die Flusslehre ist im Zusammenhang mit Heraklits Lehre von der Einheit aller Dinge zu verstehen:

Verbindungen: Ganzes und Nichtganzes, Zusammengehendes und Auseinanderstrebendes, Einklang und Missklang und aus Allem Eins und aus Einem Alles. 

Die Philosophie der sogenannten Vorsokratiker erinnert an Konzepte des chinesischen Daoismus, das DAO – dem großen Einen, das universell Schöpferische (The All) ; die Lehre von YIN und YANG – das große Eine, das die Zehntausend Dinge hervorbringt, die Überwindung des Dualismus in der Einheit von polaren Kräften, die sich ständig zyklisch wandeln und sich einander hervorbringen.

In der Wandundlungsphase WASSER (YIN) gründet sich das Wachstum, entspringt die unermessliche Dynamik der Wandlungsphase HOLZ (frühes YANG) und führt über das FEUER (spätes YANG) in die Reife der ERDE-Wandlungsphase. In der Wandlungsphasenlogik ist es der Moment des Innehaltens, bevor – und zugleich ist er bereits eingetreten – der Prozess der Wandlung merklich ins YIN eintritt. Das YIN entspringt zwar im höchsten YANG, aber tritt erst im frühen YIN der Wandlungsphase METALL in Erscheinung.

Und so sind es auch die verborgenen Ressourcen, auf denen wir uns gründen und aus denen wir auch unsere materielle Existenz entfalten: Das Unbewusste, ein Reservoir an Erlebtem, Eindrücken, Erinnerungen und Erfahrungen, auf das wir nur sporadisch Zugriff in unserem Träumen haben. Die eigene Herkunft, unsere Vorfahren, der Ahnen-Strom des ZHONG QI. Ohne diese Ressourcen wären wir nicht denkbar und komplett.

Veränderung bringt Unsicherheit und Ängste mit sich, deren Überwindung ermöglicht den Wandel und die Reifung.

Sich vertrauensvoll dem Fluss des Lebens hingeben können bedingt gesundes Urvertrauen in sich und seine Fähigkeiten, Kenntnis seiner eigenen Ressourcen, aber auch Annahme seiner Begrenztheit. Dann ist ein nachhaltiges Wirtschaften möglich, das die eigenen Grenzen respektiert und wahrt. Die Kommunikation auf der Achse Erde – Wasser ist dann gewährleistet.

CHINESE NEW YEAR 2015: Harmony is the Most Precious Awareness

harmony calligraphy
Cycle of 60: Harmonie ist das wertvollste Bewusstsein (Obata Harukazu, 1955)

 

In China wird das traditionelle Frühlingsfest zum Jahreswechsel nach dem Mondkalender gefeiert. Das ganze Land ist unterwegs, um Familie und Freunde zu besuchen. Eine wahre Völkerwanderung der Wanderarbeiter und Studenten setzt ein. Man reinigt und schmückt das Haus mit roten Lampions und Papierbändern, beschriftet mit Neujahrssprüchen. Man sendet seine Grüße zum neuen Jahr und den unverheirateten Kindern werden rote Umschläge mit Geld überreicht. Aber auch das Gedenken und die Respekterweisung gegenüber den Ahnen ist wichtig. Die Feierlichkeiten rund um den Jahreswechsel – dem wichtigsten chinesischen Feiertag – werden mit Feuerwerk, Drachen- und Löwentänzen begangen und finden ihren Abschluss mit dem Laternenfest.

Die Sterne stehen gut: Es verspricht weiterhin ein sehr produktives und kreatives Jahr zu werden, aber im Zeichen der Holz-Ziege bzw. des Schafes (山羊 Shānyáng bzw. 羊 Yáng) steht es stärker für Harmonie, Sanftmut und Kooperation. Eine gute Voraussetzung für Versöhnung, Verständnis für andere Standpunkte und Mitgefühl. Die richtige Zeit um private Konflikte beizulegen und emotionalen Ballast loszuwerden. Auch macht es Hoffnung auf eine politische Entschleunigung zahlloser Konflikte, die im letzten Jahr aufflammten.


恭賀新禧 Gōnghèxīnxǐ – Glückwunsch und neue Freude


In diesem Sinne wünsche ich all meinen Patienten Glück, Gesundheit und Gelassenheit und ein harmonisches Jahr der Ziege/Schaf – denn Harmonie ist das wertvollste Bewusstsein.

Diese Botschaft des ehemaligen Gouverneurs der japanischen Präfektur Fukui erreichte mich in Form eines kalligrafierten Rollbildes, das mir in einem Berliner Laden für Ostasiatika begegnete. Ich traf mich mit einem alten Frankfurter Freund, in diesem Gespräch ging es unter anderem über verändertes Bewusstsein. Nach der Verabschiedung drehte ich mich um und sah dieses Rollbild. Seine Mitteilung ist das Exzerpt des ersten Artikels der japanischen 17-Artikel-Verfassung von Prinz Shotuku aus dem Jahre 604 n. Chr. – Obata Harukazu inspirierte dies zu seiner gekonnten Kalligrafie, die er seinem Amtsnachfolger 1955 übergab.

Dieses unscheinbare Ereignis jährt sich zum sechzigsten Mal, ein Zyklus chinesischer Zeitzählung ist damit komplett. Das Jahr der Holz-Ziege kehrt wieder und so ist die Botschaft dieser Kalligrafie gerade heute wieder aktuell.

ACHTSAMKEIT: Happiness …

achtsamkeit
… is having what you want and wanting what you have

 

Zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber: Im letzten Jahr durfte ich die persönliche Erfahrung der eigenen Mitte machen – nach jahrelangen metabolischen Beschwerden des Verdauungsapparates und der Leber, ausgelöst durch eine Laktoseintoleranz, die vor etwa 18 Jahren mit Anfang 20 erstmalig auftrat und mich in einem Zustand hielt, den ich heute als off-centered bezeichnen würde. Nun hatte ich meine Ausbildung zu Ende gebracht, das Thema Chinesische Medizin in die Reife geführt und mir als private Erbauung einen kleinen Garten auf dem Lande gegönnt, denn das Gärtnern ist seit Kindheitstagen eines meiner Herzensangelegenheiten. Und um die Kultivierung der Freude sollte es da gehen.

Nach knapp 20 Jahren Großstadt war ich ihr etwas überdrüssig und so zog ich mich die halbe Woche dort zurück und dampfte mein Berliner Alltagsleben auf den Rest der Woche ein. Da ich den Garten noch im Winter erwarb, konnte ich nach Abschluss der Formalitäten bereits zum frühen Holz dieses sehr dynamischen Jahres in die Aktion gehen: Ich wühlte mich die nächsten Monate wie besessen durch das Gründstück, befreite es von Rasenkantensteinen, überdimensionierten Hundehütten, Anbauten und Flüssiggastanks, die den Gemüsegarten verunzierten. Eine ganze Reihe von Sträuchern und Blühpflanzen gelangten über die Wochen dorthin und jedes Samenregal in Bau- und Supermärkten wurde von mir geplündert. Zur Sommersonnenwende war dann das Gestaltungskonzept umgesetzt und der Garten nicht mehr wieder zu erkennen. Zwischendurch erkundete ich die Umgebung mit dem Rad oder drehte größere Runden mit dem Rennrad als der Sommer kam. Ich war ganz bei mir – und in meiner eigenen Mitte. Etwas was ich zuvor nicht kannte und das sich einfach richtig anfühlt: Der Zustand, wie wir gemeint sind.


happiness is having what you want and wanting what you have

Nun weiß ich also, wie es sich anfühlen sollte und was es – für mich persönlich – dafür braucht, um dorthin zu gelangen: Eine Mischung von Erdung durch Gartenarbeit und sportlicher Bewegung, die die Stagnationen auflöst, die das Großstadtleben in seiner Dichte zwangsläufig mit sich bringt. Draußen im Garten, auf Feld und Flur, im Wald und am Wasser kann man in der Natur beobachten, was Wind macht, wie das Yang der Sonne das Eis und den Raureif tauen lässt, der Schatten die Kälte speichert, die Hitze des Sommers die Vegetation verändert, Trockenheit das Yin des Bodens ausdorrt und im Herbst die Dynamik der Bewegung eine entgegengesetzte zum Austreiben des Frühlings ist. Alles was man seit Kindheitstagen kennt und von dem man doch durch das moderne Zivilisationsleben entfremdet ist. Dort draußen kann man in der Stille beobachten, woher die alten Chinesen ihr daoistisches Wissen bezogen – aus der Beobachtung der Natur, dem universellen Lauf der Dinge, dem immer wiederkehrenden Rhythmus von Werden, Erblühen, Reifen und Vergehen.

Und gleichsam dem Beackern einer Scholle entsteht aus dem beständigen Pflügen des inneren Ackers, einer Vorstellung der inneren Alchemie WAIDAN dieser Zustand des in seiner eigenen Mitte Seins, der kein statischer ist, sich jederzeit auch wieder wandeln kann, aber eine Zielsetzung für das Leben bleibt: Der innere Ort an dem man sein möchte, zu dem man hin strebt, um komplett zu sein.

Colon-Hydro-Therapie zur rechten Jahreszeit

colon-hydro-therapie
Im Rhythmus der Wandlungsphasen : Im Wasser die Dinge ruhen lassen

 

Colon-Hydro-Therapie als adjuvante Therapiemöglichkeit: Äußere bioklimatische Faktoren wie Wind, Hitze, Kälte, Feuchtigkeit bedingen neue und verstärken bestehende pathogene Faktoren im Inneren des Körpers oder bessern sie. Der Mensch ist Teil des großen Ganzen der Natur und warum sollte so etwas Profanes wie das Wetter nicht auf ihn und seine Krankheiten wirken? Das im Hinterkopf bewahrend, lässt Anfragen für Colon-Hydro-Therapie im diesjährigen Matschwinter – einer Zusammenkunft von Kälte, Nässe und Wind – doch in einem anderen Licht erscheinen. Gerade zu dieser Zeit ist es wichtig, im Kontakt zu sein mit dem eigenen Körper, der eigenen Umwelt, dem Wetter und dem immerzu wiederkehrenden jahreszeitlich-zyklischen Rhythmus von Aufbau, Abbau und Bewahrung der eigenen Ressourcen: In Resonanz mit dem Außen.

Traditionell werden solche ausleitenden Verfahren wie unter anderem die Colon-Hydro-Therapie im zeitigen Frühjahr nach der Winterruhe oder im Frühherbst nach der Fülle und Hitze des Sommers angewendet, um den Körper und sein Immunsystem bei seiner Arbeit zu unterstützen, die in den saisonalen Übergangszeiten verstärkt auf ihn zukommt. Nicht ohne Grund orientiert sich also die uns bekannte Fastenzeit am ersten Frühlingsvollmond und beginnt 40 Tage vor Ostern nach Aschermittwoch – nach einer Zeit des Ruhens und Bewahrens zum Beginn der Wandlungsphase Holz im Februar.

Die Colon-Hydro-Therapie – eingebettet in ein Behandlungskonzept ganzheitlicher Darmgesundheit – stellt eine sinnvolle Erweiterung der TCM-Therapie dar, wenn eine entsprechende Indikation wie chronische Darmprobleme (keine akuten Entzündungsprozesse), Meteorismus (Blähbauch), chronische Leberüberlastung oder Hautprobleme vorliegt. Nach einer Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin kann der unterstützende Einsatz dieses zusätzlichen Verfahrens erwogen werden, wenn keine Feuchtigkeitspathologie vorliegt oder diagnostizierte chinesische Syndrom-Muster dagegen sprechen.

5 ELEMENTE ERNÄHRUNG: Kochen im Zyklus der Fünf Wandlungsphasen

5 Elemente Ernährung
Die unterschiedlichen Zyklen der 5-Elemente-Theorie WU XING

 

5 Elemente Ernährung: Das DOJO, die Zeit zwischen zwei Wandlungen ist eine guter Moment, seine Mitte (dh. chinesische Funktionskreise Milz PI und Magen WEI) durch gekochte Nahrung zu stärken. Eine Methode, harmonische und QI-reichhaltige Speisen zuzubereiten ist das Kochen nach den Fünf Elementen (nach Barbara Temelie). Weniger das Rezept als das beobachtende Bewusstsein steht im Vordergrund, was man von seiner Nahrung eigentlich möchte: Die Mitte harmonisieren, Stagnation auflösen, die Nieren stärken …

Welche Wirkrichtung hat ein Lebensmittel, wohin soll die zubereitete Speise wirken, was soll gestärkt werden? Eine kleine Infografik zu den unterschiedlichen Zyklen von Nähren (SHENG) und Kontrollieren (KE) sowie Überwältigen (CHENG) und Verachten (WU) soll inspirieren.

Der Vorteil von 5 Elemente Ernährung: Die Speisen werden harmonisch, schmackhaft und nähren besser und nachhaltiger – Kochen an sich ist ein Ausdruck an Wertschätzung sich selbst und anderer gegenüber. Kochen im Zyklus der 5 Wandlungsphasen verschafft jedem, der nicht weiß, was er für sich  kochen soll oder der meint, er könnte es einfach nicht, einen intuitiven und sinnlichen Zugang zu gekochten Zubereitung von Nahrung.

 

Übrigens: Das DOJO wiederholt sich 4x im Jahr, immer 36 Tage nach den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen – viermal jährlich eine gute Gelegenheit, liebevoll zu sich selbst und der eigenen Mitte zu sein.

FEUER, DAS DIE ERDE NICHT NÄHRT … (Diplom Agtcm, 2014)

diplomarbeit
… FÜLLE IM PERIKARD, LEERE IM LEBEN: Ein Versuch zu Sexuellem Suchtverhalten

 

Die Diplom-Arbeit als Akupunkteur an der Shou Zhong, Berlin nun als eBook erhältlich: Sexuelle Suchtstörung unter der Betrachtungsfolie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). 

Seit Beginn der Ausbildung beschäftigt mich eine Beobachtung: Menschen, die diese sehr yangige Fähigkeit besitzen, schnell und viele soziale Kontakte zu knüpfen, in Gruppen die Funktion von sozialem Bindemittel übernehmen und Netzwerke aufbauen, im Leben jedoch unstet und flüchtig wirken, Projekte nicht in die Reife führen und genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Feuer, das die Erde nicht nährt – lässt sich dieses Phänomen in der TCM-Theorie verorten oder sogar im Pulsbild ertasten? Ist dies eine Pathologie des Feuerelements? Wenn dem so ist, wodurch wird sie bedingt und welche Strategien ließen sich therapeutisch in Erwägung ziehen? Was sind die psycho-emotionalen Aspekte dieses Themas? Was sind die psychosomatischen Implikationen einer schwachen Mitte im Hinblick auf das Feuerelement? In einer konzeptionellen Materialsammlung sollen diese Fragestellungen in Perspektive auf immaterielles Suchtverhalten untersucht werden.


Leseprobe: Sexualität

Die sexuelle Energie wird als Wind des Geistes SHEN FENG beschrieben und ist ein Weg, um YIN und YANG zu verbinden, es kann die Energie für Erneuerung und Wiedergeburt sein, aber auch erschöpfend und leer. Es ist eine medizinische Methode, um das QI und XUE zu tonisieren, die QI-Zirkulation anzuregen und das JING zu stärken. Sex ist Ort des Kontrollverlusts, in dem der Wandlungsphasenlogik nach das Potential des Wassers Kraft des Holzes ins Feuer fließen gelassen werden kann. Sehr oft jedoch verselbständigt sich die Holzdynamik des ministeriellen Feuers und gelangt nicht ins Herrscherfeuer, das Herz wird nicht gewärmt, sondern die Dynamik verraucht in blanker Triebbefriedigung und Dampfablassen. Dabei ist für manche der Orgasmus ein elektrisierender Moment nahe der Erleuchtung bzw. dem kosmischen SHEN und der höheren Ordnung.

Sexualität ist in ihrem Wesen ambivalent. Sie kann sich einerseits in Liebe entfalten, die das Interesse am spirituellen Wachstum des Anderen bedeutet, sie kann das leidenschaftliche Feuer der Hingabe darstellen, das die Erde nährt und liebevolle zwischenmenschliche Beziehungen wachsen und reifen lässt sowie Kinder oder Projekte in die Reife führt. Andererseits kann sie die destruktiven Abgründe menschlicher Triebe und Instinkte auftun, Selbstzerstörung und –verachtung aus einem Gefühl geringer Selbstwertschätzung und mangelnder Integration eigener Schattenanteile bedeuten. Sie kann Mittel zum Zweck sein, sich in eine Opferrolle zu begeben.

Laut Hammer wird eine erwachsene Sexualität durch die Perikard-Funktion derVereinigung geistiger (Herz) und genitaler Liebe (Leber/Niere) über die freie, offene Passage des Mittleren JIAO (Milz) möglich: Der Bote, der Freude bringt.


 

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