SHOU ZHONG – die Mitte bewahren (Berlin, 2014)

TCM wegdermitte
Shou Zhong – den Weg der Mitte gehen

 

Weitere 3 Jahre sind vergangen, eine Fachausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) folgte und nach den vorhergehenden zwei Jahren Vorbereitung auf die staatliche Heilpraktikerprüfung, in denen es lediglich um Pathologie, Krankheit und Infektionsschutzgesetz ging, endlich der Acker, den ich eigentlich bearbeiten wollte: Die Chinesische Medizin als die ganzheitliche Medizin, wegen derer ich diesen Weg gehen wollte. Aus der eigenen langjährigen Erfahrung als Patient, den Möglichkeiten der chinesischen Akupunktur- und Kräutertherapie meiner Heilpraktikerin Almut Glagau erwuchs das Leitbild meiner eigenen Arbeit.


Aufmerksam zuhören und beobachten, die wirklich relevanten Themen erforschen und benennen, unter Einbeziehung von Ernährung und Lebensführung den Patienten den Weg in Linderung und Besserung weisen. Eventuell den Raum für Heilung ermöglichen.


Das wurde für mich persönlich der Weg der Mitte, den ich an der Shou Zhong, Ausbildungszentrum Ost der Arbeitsgemeinschaft für klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (AGTCM) vertiefte. Diese bundesweite Vereinigung von Heilpraktikern und Ärzten, denen das Interesse an Klassischer Akupunktur und den Weiten der Chinesischen Medizin gemeinsam ist steht für eine hohen Standard in Aus- und Fortbildung. So professionalisierte ich das, was 2008 nach der Erfahrung des ersten Massagekurs nur mehr ein grosses JA war. Ein Ja zum wunderbaren Weg, der Weg der Mitte, A Road Less Traveled, der mich nach 5 Jahren zum Heilpraktiker für Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) führte.

Während dieser intensiven Zeit lernte ich die alternative und eigenständige Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als eine ganzheitliche Perspektive auf Krankheitsgeschehen kennen und schätze die umfangreiche Bandbreite an therapeutischen Verfahren, die mir durch ein vielschichtiges Dozententeam mit auf den Weg gegeben wurden. Die TCM bedient sich unter anderem folgender Verfahren: Akupunktur (die bekannte chinesische Nadelung in die Tiefe der Gewebe), Moxibustion (das Abbrennen von Beifusskraut in unterschiedlichen Anwendungsformen), Schröpfen (trocken oder blutig), Gua Sha (eine klassische Schabetechnik an der Hautoberfläche), Qi Gong (meditative Führung von Bewegung und Atmung) sowie japanische Style der Akupunktur (oberflächliche Nadelung in die Haut, z.B. Meridiantherapie, Manaka, etc.).

Das umfangreiche theoretische Wissen wurde während der zweijährigen Lehrpraxis des angeschlossenen Ambulatoriums unmittelbar bei der praktischen Behandlung realer Patienten angewandt und zugleich vertieft.

 

Weitere Informationen zur AGTCM inklusive Therapeutenfinder:

www.agtcm.de

Sala-ya! Traditionelle Thaimassage (Bangkok, 2010)

traditionelle thaimassage
Die Essenz eines intensiven Monats in Thailand: Do it by Heart! Bangkok, 2010

 

traditionelle thaimassage aus erster hand – 4 wochen chetawan health school, 14 leute aus der ganzen welt, 3 lehrer, 1 botschaft:


do it by heart …


wir sind dort – an einer landstrasse zwischen salaya und nakornchaisri, 40 km westlich von bangkok/thailand – zusammengekommen, um die hohe kunst der thaimassage zu erlernen wie sie am renomierten wat phra chetuphon aka wat pho gelehrt wird. vielmehr ist salaya wat pho: die institution fuer traditionell thailaendische massage in thailand.

die ausbildung wurde aufgrund geeigneter raeumlichkeiten ins umland ausgelagert, bangkok ganz in der naehe und doch so weit, wenn man 3 stunden im alltaeglichen verkehrschaos steckt, das sich ueber aufgestaenderte autobahnen, bruecken, orgien aus beton waelzt. bangkok, diese wahnsinnige 17 millionen stadt, ein schwueler moloch mit einer skyline, die es mittlerweile midtown manhattan gleich tut. ueberall menschen, essen aus kleinen handkarren, taxis, tuk-tuks und noch mehr verkehr – meist im stau. ueber allem der skytrain auf noch mehr beton.

doch dort draussen kuehlende ruhe, das quaken der froesche in den umliegenenden reisfeldern, keine ablenkung von der eigentlichen mission. und so wird unter geduldiger anleitung von teacher yimlak, malinee und kittephat gethumbpressed, gepalmpressed, mit ellenbogen und Füssen bearbeitet: line 1, line 2, line 3, more than 2 times – bis uns alles schmerzt und wund ist von den vielen versuchen, den richten druck am korrekten punkt aufzubauen. und der daumen sich schier nicht mehr stabilisieren laesst.

wer haette gedacht, das ein massagekurs in thailand derartig fordernd sein koennte: 4 wochen, in denen wir einen klassenraum von morgens bis zum spaeten nachmittag teilen, die zimmer, das essen und die abende, an denen wir gemeinsam ueben, um das gelernte zu verinnerlichen und die systematik der thaimassage zu begreifen. trotz hitze, endlosen morgendlichen repetitionen des om namo shivago, moskitostichen und anfluegen von frustration gehen wir gemeinsam durch diesen dezember, ein ziel vor augen: das wat pho zertifikat professional thai masssage for health. abgerundet durch ausfluege zur reichlich bizarren anatomischen sammlung des sinraji-hospitalsin bangkok, einfuehrungen in die traditionell thailaendische medizin und unterricht in anatomie sowie physiologie wird aus diesem monat viel mehr als erwartet.

und so sind wir zum jahresende mehr als gluecklich und erleichtert, diesen kurs bestanden zu haben und teilen eine einmalige gemeinsame erfahrung in thailand im dezember 2010. ein kleines lila strick-herz erinnert mich an die zentrale lernerfahrung: nicht die technik alleine ist entscheidend, sondern die verbindung zum herzen macht eine gute thaimassage zu einer menschlichen beruehrung.

 

Rohkost versus Mischkost (Ganzheitliche Ernaehrungsberatung, 2009)

gedanken zur ernaehrungsberatung: wer einmal ein buch von dr. med. max-otto bruker gelesen hat, wird nicht umhin kommen, es mal mit vollwertkost und rohkost zu probieren. der autor macht eine falsche ernaehrungsweise verantwortlich fuer viele zivilisationsbedingte erkrankungen wie arteriosklerose, herzinfarkt, osteoporose, bandscheibenleiden, arthritis, gicht, allergien bis hin zu krebs.

vollwertkost liefere, so bruker – neben zahlreichen vitalstoffe wie enzymen, vitaminen und spurenelementen – ernaehrungspysiologisch wertvolle langkettige kohlenhydrate, hochwertiges natives eiweiss und essentielle fettsaeuren, die die zellintegritaet sicherstellen und damit ein optimum an stoffwechselleistung ermoeglichen.

und damit koerperliche gesundheit, geistige stabiliaet, fitness und wohlbefinden.

mit dieser sichtweise steht er unter ganzheitlich orientierten medizinern und ernaehrungswissenschaftlern schon lange nicht mehr alleine da.

sein verdienst ist jedoch die fruehe hervorhebung der relevanz von rohkost in der praevention und therapie solcher ernaehrungsbedingten zivilisationskrankheiten. er greift konzepte von maximillian bircher-benner und werner kollath auf und vermag es, auf eindringliche weise zusammenhaenge aufzuzeigen.

doch muss er klar von radikaleren vertretern der rohkost-philosophie wie johann georg schnitzer unterschieden werden. auch eine strikt vegane kostform lehnt er ab.

bruker vertritt in seinem buch ‘unsere nahrung – unser schicksal’ ein verhaeltnis von 1/3 rohkost zu 2/3 kochkost. bei therapeutischer indikation auch eine steigerung bis hin zu ausschliesslicher rohkost.

betrachtet man nun den ansatz der traditionell chinesischen medizin, so kommen viele ernaehrungsbewusste menschen in ein scheinbares dilemma: kochkost oder rohkost?

krankheit ist dort ausdruck einer disbalance zwischen den beiden elementaren prinzipien yin und yang, der saefte/des bluts und der universellen energie qi.

dieses qi gilt es mit der nahrung zu staerken und die saefte aufzubauen. der thermischen qualtiaet der 5 elemente und geschmacksrichtungen sauer, bitter, suess, scharf, salzig kommt eine besondere bedeutung zu.

yangisierende oder yinisierende kochmethoden, kurzgebratene gerichte, langgekochte speisen, aber vor allem suppen und kraftbruehen kommen zum einsatz. dabei werden tierknochen und vielerei gemuese bis zu 6  stunden ausgekocht, um eine essenz zu gewinnen.

fuer den vitaminbewussten europaer ein graus. ‘was soll da noch drin sein?’, fragt sich manch einer.

– die essenz der zutaten und vor allem: qi. dieser universelle stoff, den wir nur schwer fassen koennen, aber alle belebte und tote materie durchstroemt. neben der luft zum atmen nehmen wir ihn durch unsere nahrung auf.

nun sollte noch auf die konstitution der menschen hingewiesen werden: manche duenn, andere beleibt, manche besitzten eine fuelle des prinzip yang, die anderen des yin. die einen frieren leicht, die andere schwitzen schnell.

so laesst sich die frage der rohkost nach der konstitution des menschen und auch den klimatischen faktoren beantworten: ein schlanker mann in kuehlen klimaten benoetigt zum erhalt seiner lebensenergie  und zur vermeidung von disbalance und krankheit eine andere kost als eine fuellige frau in waermeren regionen: dem einen geht es um behebung eines yang-mangels, der anderen um ausgleich einer yin-fuelle.

der frau liesse sich vorbehaltslos zu rohkost raten, dem mann hingegen nicht.

da jedoch auch die jahreszeiten einen einfluss haben, aendert sich die lage im sommer: jetzt kann der rohkostanteil auf das oben erwaehnte drittel der gesamtkost gesteigert werden und eine vitalisierende, entgiftende und gewichtsreduzierende wirkung festgestellt werden.

ganzheitliche ernaehrungsberatung: es kommt eben auf den richtigen zeitpunkt an.

 

Hauptfaktor Entspannung (Med. Massage, 2008)

medizinische massage – bei aller medizinischer wirksamkeit: was macht eigentlich den entspannenden effekt einer professionellen massage aus?

die unterschiedlichen grifftechniken stellen neben der verschiebung von oberflaechennahen gewebefluessigkeiten, detonisierung/tonisierung von muskelgewebe, durchblutungs-/stoffwechselfoerderung sowie fettstoffwechselaktivierung einen eingriff ins vegetative nervensystem dar:

unterstuetzt durch eine tiefe, gleichmaessige atmung, kommt es zu einer umschaltung des leistungserhoehende reize verarbeitenden sympathikus auf den erholungsfoerdernde impulse weiterleitenden parasympathikus. beide zusammen bilden das vegetative nervensystem, das saemtliche vitalfunktionen und organischen prozesse unseres koerpers steuert – und somit auch blutdruck, pulsrate und muskeltonus kontrolliert. der sympathikus stellt sozusagen das neuronale jagdprogramm dar, der parallel laufende parasympathikus dasverdauungsprogramm. ein durchaus tranceaehnlicher zustand kann eintreten.

grossstaedtische lebensweise, uebermaessige reizueberflutung, staendige angespanntheit, das gefuehl, permanent auf abruf bereit sein zu muessen, fuehren zu einer ueberbetonung des sympathikus, waehrend das sich fallenlassen, das entspannen und in sich ruhen immer schwerer fallen. stresssymptome, gereiztheit, schlafstoerungen, erschoepfung koennen die folge sein.

vermoegen regelmaessige massageanwendungen die umschaltung auf den parasympathikus wieder bewusst erlebbar zu machen, laesst sich ein dauerhafter zustand der ausgeglichenheit durch weitere techniken erhalten, denn das vegetative nervensystem laesst sich indirekt durch will- und unwillkuerliche reize aktiv beeinflussen: reduktion der koerperlichen aktivitaet, atementspannung, mentale vorstellungen.

als vegetativ wirksame verfahren waeren hier zum beispiel yoga, taijiquan, qigong oder autogenes training zu nennen.

 

SATURN RETURN: Die Geste des Loslassens (Tasmania, 2006)

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Ritual des Loslassens zur Saturn Wiederkunft (saturn return), Tasmania 2006

 

Zu meiner ersten Saturn Wiederkunft (saturn return) führte mich eine Reihe von Begebenheiten und Begegnungen während eines längere Australienaufenthalts zum Lake Gordon auf Tasmanien. An diesem hydroelektrischen Stausee, auf dessen Staumauer stehend, habe ich das erste Mal ein Ritual vollzogen, das mich seitdem sowohl auf meinen Reisen als auch in meinem Alltag begleitet. Ein Ritual von dem ich erst später erfuhr, das es einem daoistischen Trauerritual gleicht, bei dem man eine starke Emotion zur Transformation in ein anderes Element übergibt. Dieses Element kann Erde, Feuer oder Wasser sein. Aus der Geste des Loslassens wurde damals unverhofft eine Geste der Einladung – der Einladung an etwas Neues, das ins Leben tritt.

Um was es sich dabei handeln würde, war mir damals nicht bewusst. Ich studierte Kommunikationsdesign, jobbte als Barmann in einer berüchtigten Diskothek und wollte mir eine Auszeit in Sydney können, um dort ein Grafikpraktikum zu absolvieren. Die Dinge kamen ganz anders: Rückblickend war es der Beginn einer langjährigen Transformation, die mich weg vom Kreativberuf auf den Weg zum Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin führte. Und so war ich dann mit Mitte dreißig wieder dort angekommen, wo ich eigentlich herkam: Aus einer Medizinerfamilie stammend, war mir bereits als Teenager klar, dass dies nicht mein Weg sein würde. Über zahlreiche Umwege – Architektur, Geisteswissenschaften, Kommunikationsdesign – gelangte ich zu einer Fortführung der elterlichen Ärztetradition, jedoch mit anderen Verfahren aus einem anderen Weltbild heraus das menschlichen Urthema von Gesundheit und Krankheit betrachtend.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm heißt es so oft – in meinem Fall fiel er etwas weiter weg und rollte wieder in seine Nähe …