YI QI GONG: Stille Übungen

yi stilles qi gong
Yi Qi Gong: Die Atemübungen des Stillen Qi Gong

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.

Stilles Qi Gong – Yi Qi Gong

Zum heutigen Abschluss der Themenwoche Qi Gong noch ein Nachtrag zum Stillen Qi Gong: Die bewegten Übungen der Achtfache Rückkehr zum Ursprung wären nicht vollständig ohne die des Stillen Qi Gong – oder vielmehr sind die Bewegten ganz im Sinne der alten Daoisten Vorbereitung auf die Stillen: Das Qi balancieren und harmonisieren, um den Geist in der anschließenden Meditation zu klären – und zum Ursprung führen zu können. Es werden folgende 2 der 4 Arten beschrieben:

  • Harmonisierung des Atem
  • Embryonales Atmen
  • Ursprung des Himmels
  • Reines Yang

Gerade diejenigen, die am meisten von meditativen Verfahren profitieren können, werden sich am schwersten mit ihnen tun. Insbesondere hier eignen sich die vorbereitenden bewegten Übungen der Achtfachen Rückkehr, um in die Stille gehen zu können. Jedoch sei angemerkt, das zum Erlernen und Üben des Stillen Qi Gong persönliche Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer ratsam ist.

Setzte dich still nieder, lasse alles Gedanken und Wünsche versiegen. Mit konzentriertem Geist den Atem regulieren, den Blick nach innen gerichtet. Das ist des Fanhuan geheimnisvolle Methode. Ganz natürlich dringt der Atem ein und steigt unmerklich auf.*

Für das Stille Qi gong wird eine entspannte Sitzpostition eingenommen, das kann das Sitzen auf den Unterschenkeln sein, der Schneidersitz bzw. Lotussitz oder einfaches Sitzen auf einem Stuhl. Achten Sie auf lockere Kleidung und vermeiden Einschnürung durch Gürtel etc. Aufrechte Position des Oberkörper einnehmen, die Hände entspannt oder in einer Meditationsgeste auf den Knien liegend. Der Mund ist geschlossen, die Zunge berührt leicht den Gaumen. Der Blick geht nach vorne, senkt sich dann auf die Nasenspitze, die oberen Augenlider senken sich leicht herab. Der Blick wendet sich nach innen zum Herzen. Die Gedanken wiegen sanft, werden ruhig, still. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Bereich eine handbreit unterhalb des Bauchnabels. Der Atem wird gesammelt, vertieft sich, wird rhythmisch. Das Qi wird im unteren Dantian gesammelt. Der Atem strömt durch die Nase ein und durch den Mund aus. In der eigenen Mitte angekommen lässt sich die Ruhe und Stille der körperlich und geistigen Harmonie erspüren.

Diese magische Übung basiert auf QIAN und KUN, YIN und YANG sind die eigentliche Wurzel. Wenn du sie nur immerzu übst, wirst du auch im hohen Alter noch das Aussehen eines jungen Menschen haben.*

Es ist der Wechsel von nachgeburtlicher zu vorgeburtlicher (innerer) Atmung. Die Zungenspitze berührt während der Ausatmung die oberen Gaumen, bei der Einatmung sinkt sie entspannt herab. Geatmet wird tief, bis sich der Luftstrom des Atem unterhalb des Herzens sammelt …

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit den Techniken des Stillen Qi Gong sei folgendes Buch empfohlen:

Ulli Olvedi: Das Stille Qi Gong nach Meister Zhi-Chang Li. Innere Übungen zur Stärkung der Lebensenergie, Drömer-Knaur, 2011.

 

Erfahrungsbericht: Der zürnende Wanderer auf dem Berg 

Die eigene heilsame Erfahrung des bewegten Qi Gong – insbesondere der Achtfachen Rückkehr – machte ich auf einer Wanderung am Rosengarten der Südtiroler Dolomiten. Ich suchte während der Vorbereitungsphase meiner Praxiseröffnung dort Abstand und Entspannung, war ich doch wegen den Unzulänglichkeiten der beauftragten Handwerker in einen langanhaltenden Leber-Qi-Stau geraten. So stapfte ich flotten Schrittes eine 6-stündige Wanderung über das Tschagerjoch in knapp 4 Stunden runter, wohlwissend um die Uhrzeit der letzten Talfahrt der Seilbahn. Eine halbe Stunde vor dem Ziel ging gar nichts mehr: Beide Knie schmerzten von der ungewohnten Beanspruchung auf den dortigen Geröllfeldern und einigem Auf und Ab an Höhenmetern; eigentlich konnte ich nicht mehr weiterlaufen – allein(s) auf 2300 Meter Höhe.

So machte ich also mit Blick auf die Gipfel der Texler- und Ortler-Alpen ausgiebig mein Ba Fan Huan Gong in die untergehende Abendsonne und atmete tief in den Schmerz und die zugrundeliegende Blockade hinein. Nach einer knappen Dreiviertelstunde konzentrierten Übens konnte ich die letzten 30 Minuten des ebenen Hirzelsteigs absolvieren – und den weiteren einstündigen Abstieg zur Talstation rückwärtsgehend hinter mich bringen.

Diese Situation war für mich eine sehr beeindruckende Illustration des Potentials der Achtfachen Rückkehr im Hinblick auf Schmerztherapie akuter Syndrome und Prävention von chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates.

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V. 

BA FAN HUAN GONG: Achtfache Rückkehr zum Ursprung, Teil IV

ba fan huan gong
QI GONG: Das Geheimnis der Goldenen Blüte lüften

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.

Heute Übung 7 und 8 der 8-teiligen Übungsreihe der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong:

銀河入海 Yín Hé Rù Hǎi – Der Silberfluss ergießt sich ins Meer

Der silberne Fluss ergießt sich ins Meer ist eine Übung des Großen Ursprungs. Sie geleitet den wertvollen Schatz in das Innere zum Dantian zurück. Das Feuer im Ofen verschmilzt LI und KAN. Diese Übung gleicht fürwahr dem geheimnisvollen Dunkel auf dem Grunde eines Blütenkelches.*

Diese Übung leitet den kostbaren Schatz des geläuterten Qi über den großen Silberfluss als zentralen, den Rumpf des Menschen durchdringenden Kanal in das Innere zum Dantian zurück. Die Kommunikation der Feuer-Wasser-Achse wird durch diese Übung wieder hergestellt, Herz-YANG und Nieren-YIN stehen wieder in Verbindung. Denn wenn das Herz wieder auf den Urgrund der Goldenen Blüte gerichtet wird, dann strahlt der Geist SHEN tief in das Potential der Essenzen JING – dann kann alles möglich und wahr werden.

4 Übungsabschnitte

  1. Der Silberne Fluss ergießt sich ins Meer
  2. Einatmen und den Körper drehen
  3. Der Silberne Fluss ergießt sich ins Meer
  4. Einatmen und den Körper drehen
  • Das Qi zum Ursprung zurückführen

 

Anmerkungen

  • 銀河 Yínhé – Milchstraße bzw. Silberfluss, symbolisiert den REN MAI, eines der acht Außerordentlichen Gefäße auf der vorderen Medianlinie des Körpers
  • dies ist ein Bezug zur daoistischen Übung JINDAN – Goldene Perle bei der im kreisenden Verlauf des Kleinen Himmlischen Kreislaufs im unteren Dantian aus dem Qi die goldene Perle entsteht, das daoistische Elixier des Ewigen Lebens
  • ☲ LI – Feuer und ☵ KAN – Wasser sind zwei weitere Trigramme des YI JING, die für die Kommunikation von Herz-YANG und Nieren-YIN auf der Feuer-Wasser-Achse stehen

臥學希夷 Wò Xué Xī Yí – Im Liegen die Stille erlernen (Hören und Sehen ohne Wahrzunehmen)

Im Liegen Stille und Leere zu erlernen ergibt sich als etwas ganz Natürliches. Sonne und Mond sind im Gefäß meines Leibes verkörpert, in meiner Natur spiegelt sich der Himmel. Auf dem Fluss fährt das Fahrzeug hinauf bis zum Gipfel des Kunlun Gebirges. An nichts in dieser Welt sein Herz hängen, das ist Unsterblichkeit.*

Die letzte Übung stellt den höchsten Anspruch an die Fußmuskulatur und den Gleichgewichtssinn: Sonne, Mond und die ganze Welt haben Platz in der Hand, im Geist spiegelt sich der Himmel. Auf dem Silberfluss des Rückens gelangt das geläuterte Qi hinauf ins obere Dantian. Im Herzen leer werden zu können bringt der eigenen Wesensmitte näher. Im Umfassen des Ursprungs, können wir das Eine, das DAO bewahren.

5 Übungsabschnitte

  1. Seitlich Liegen rechts
  2. Ausatmen und Körper aufrichten
  3. Auf der Seite liegen links
  4. Ausatmen mit aufrechtem Körper
  5. Den Ursprung umfassen, um das Eine zu bewahren
  • Zum Ausgangspunkt zurückkehren

 

Anmerkungen

  • Xi Yi war ein Daoist zur Zeit der fünf Dynastien (907-960 v. Chr.), der Übungen im Liegen entwickelte  – 希夷 kann aber auch Stille und Leere bedeuten
  • das Gedicht ist wieder eine Anspielung auf den Kleinen Himmlischen Kreislauf, das Kunlun-Gebirge ist ein mythologischer Ort und repräsentiert das obere Dantian

Das Wochenende geht es an dieser Stelle weiter mit den abschließenden Ausführungen zur Übungspraxis und den Übungen des Stillen Qi Gong.

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V. 

BA FAN HUAN GONG: Achtfache Rückkehr zum Ursprung, Teil III

ba fan huan gong
QI GONG: Das Qi sammeln, läutern, zum Ursprung zurückführen

 

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Heute Übung 5 und 6 der 8-teiligen Übungsreihe der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong:

彭祖抹鬚 Péng Zǔ Mǒ Xū – Der alte Peng streicht seinen Bart aus

Der Alte Peng streicht seinen Bart aus vollführt eine Drehbewegung nach innen. Im Hochheben des Bartes KUN und QIAN austauschen. Sich abstützen, der Schritt des Ausfallbeins nach vorne, den wechselnden Bewegungen des Körpers folgen: Diese Übung erfordert die ganze Konzentration.*

Diese Übung repräsentiert das Zusammenkommen des Himmlischen mit dem Irdischen im Menschsein. Meister Peng galt auch als einer der 8 Unsterblichen. Streicht man seinen Bart aus, so vollführt man eine Drehbewegung nach innen. Durch seitliche Torsion wirkt diese anspruchsvolle Übung auf den Gallenblasenmeridian (SHAOYANG des Fußes) und bewirkt eine verbesserte Kommunikation der Körpervorder- und Rückseite.

5 Übungsabschnitte

  1. Links und rechts den Bart ausstreichen
  2. Das Knie heben und den Bart ausstreichen
  3. Links und rechts den Bart ausstreichen
  4. Das Knie heben und den Bart ausstreichen
  5. Den Hut zurechtrücken und den Bart ausstreichen

 

Anmerkungen

  • der daoistische Meister Peng ist eine Gestalt der chinesischen Überlieferung, der das sagenhafte Alter von 800 Jahren erreicht haben soll
  • ☰ QIAN – das Schöpferische und ☷ KUN – das Empfangende sind zwei der acht Trigramme des YI JING und repräsentieren den Himmel TIAN und die Erde DI

金剛伏虎 Jīn Gāng Fú Hǔ – Der Jinggang bändigt den Tiger

Der Jingang bändigt den Tiger ist eine Übung für die Beine: Auf einem Bein das Gleichgewicht halten, anwinkeln, der Rücken grade. Immer wieder in ständiger Wiederholung wie in goldener Hahn auf einem Bein stehen. Bei der Übung Den Tiger Bändigen hängt alles von einem winzigen Augenblick ab.*

Diese beinlastige Übung bändigt den Tiger und wandelt den Drachen. Beide verlieren dadurch nicht ihre Kraft, sondern nur ihre gefährliche Wildheit. Durch den angewinkelten einbeinigen Stand erinnert diese Übung an die Baumstellung des Yoga und hat eine energetische Wirkung auf Leber- und Perikardleitbahn (JUEYIN des Fuß/der Hand).

4 Übungsabschnitte

  1. Der Jingang besiegt den Tiger links
  2. Ausatmen, den Körper gerade aufrichten
  3. Der Jingang besiegt den Tiger rechts
  4. Ausatmen den Körper aufrichten

 

Anmerkungen

  • die JINGANG sind die waffenstrotzenden Wächter der vier Himmelsrichtungen und besitzen sagenhafte Kräfte
  • Tiger and Dragon sind Stellvertreter für Staat und Streitmacht: 虎 Hǔ – Tiger symbolisiert das YIN und steht im Gegensatz zu 龍 Lóng – Drache, der das YANG repräsentiert – 伏虎 Fú hǔ ist ein metaphorischer Ausdruck, der den Sieg über eine dunkle Macht bezeichnet

Zu den letzten 2 Übungen der Achtfachen Rückkehr zum Ursprung Ba Fan Huan Gong

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V. 

BA FAN HUAN GONG: Achtfache Rückkehr zum Ursprung, Teil II

ba fan huan gong
QI GONG: Essenzen JING, Energie QI, Geist SHEN wieder in Kontakt bringen

 

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Heute Übung 3 und 4 der 8-teiligen Übungsreihe der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong:

霸王舉鼎 Bà Wang Jǔ Dǐng – Der König Ba hebt ein schweres Gefäß

Der König Ba hebt ein schweres Gefäß gleicht einer Übung zur Entwicklung der Körperkraft. Tatsächlich aber geht es um das unaufhörliche Kreisen des Qi. Im Zentrum des Weichen das Feste entwickeln, führt zum Tor zur Leere. Der mir selbst gegenüber, bleibt inmitten der Bewegung in seiner Mitte völlig still.*

Obwohl diese Übung der Entwicklung der Körperkraft dienlich zu sein scheint, geht es im Inneren aber um das unaufhörliche Sammeln des Qi. Im Weichen das Feste entwickelnd, tritt eventuell ein tiefer Entspannungseffekt ein. Trotz aller äußerer Bewegung bleibt das Körperzentrum dabei völlig still.

4 Übungsabschnitte

  1. Eine Hand hebt das Gefäß rechts
  2. Beide Hände heben das Gefäß
  3. Den Himmel stemmen und zum Mond aufblicken
  4. Den Körper aufrichten und drehen
  • Wiederholen der Übung zur anderen Seite
  • Das Qi zum Ursprung zurücklenken
  • Zur Ausgangsposition zurückkehren

 

Anmerkungen

  • König Ba, ein legendärer Herrscher der Qing-Dynastie (200 v. Chr.) hebt ein schweres Gefäß – es handelt sich wohl um ein dreifüßiges Opfergefäß aus Bronze, ein Tiegel der Alchemie, dessen am Boden angebrachtes Siegel beim Heben betrachtet wird
  • scheinbar war er kein gnädiger Herrscher, denn das Zeichen 霸 Bà steht auch für Tyrann

法輪常轉 Fǎ Lún Cháng Zhuǎn – Das Große Rad beständig drehen 

Das Große Rad beständig drehen gleicht dem Kreislauf der Energie. Folge dem Gesetz und erforsche das Große Rad durch dein eigenes fleißiges Üben. Das Mark neun Jahre lang waschen, bis es alle Farbe verloren hat – nach rechts, nach links ohne Pause die Drehung in Gang halten.*

Diese Übung erinnert an den großen Kreislauf der Sonne, hat in seiner Umkehrung aber weitere gedanklichen Bezüge. Dem universellen Gesetz folgend, die Wahrnehmung erweiternd, gilt es durch beharrliches Üben, seinem Wesen auf den Grund zu gehen. Die Wirbelsäule wird gestreckt und gedehnt und für die nächste Übung vorbereitet.

3 Übungsabschnitte

  1. Drehung mit dem rechten Arm
  2. Der linke Arm dreht das Rad
  3. Abschluss
  • Das Qi zum Ursprung zurücklenken
  • Zur Ausgangposition zurückkehren

 

Anmerkungen

  • das Große Rad hat als Rad des Lebens eine buddhistische und als rückläufiges Mühlrad eine daoistische Bedeutung – durch das beständige Treten des Mühlrades wird die Essenz in gegenläufiger Richtung über den großen Silberstrom in das Meer das Markes, das Gehirn geführt
  • die Hand auf dem Rücken legt sich auf den Punkt MINGMEN – Tor des Lebens und bildet mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis (geschlossen für die Sonne, offen für den Mond)
  • zum achtteiligen Stufenweg des Qi Gong: Der gewöhnliche Mensch verbraucht seine Essenz JING entsprechend seiner Triebe, entleert sein Qi und zerrüttet seinen Geist SHEN. Der wahre Mensch festigt das JING, vermehrt das Qi und läutert das SHEN. 

Zu den nächsten 2 Übungen der Achtfachen Rückkehr zum Ursprung Ba Fan Huan Gong

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V. 

BA FAN HUAN GONG: Achtfache Rückkehr zum Ursprung, Teil I

ba fan huan gong
QI GONG: Ruhe und Stille im Lärm der Großstadt finden

 

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Heute Übung 1 und 2 der 8-teiligen Übungsreihe der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong:

一氣三清 Yī Qì Sān Qīng – Den Atem durch die drei Dantian führen (Ein Qi – drei Dantian)

Das Qi durch die drei Dantian zum Scheiteltor hinausführen, läßt wie von selbst die 100 Gefäße durchlässig werden. Wenn das Qi so frei und ungehindert in den Leitbahnen des ganzen Körpers zirkuliert, dann findet es ganz von allein zurück zu seiner ursprünglichen Natur.*

Mit dieser Übung wird die Lebensenergie Qi achtsam in der Vorstellung in drei kreisenden Bewegungen durch die drei Dantian (zentrale Engergiefelder des Körpers) nach oben zum Scheitelpunkt hinausgeführt. Wenn das Qi dabei ungehindert im ganzen Körper zirkulieren kann, dann wird sich der Atem von ganz allein zur Bewegung synchronisieren – Stille und Harmonie kehren in die 100 Gefäße (die energetischen Leitbahnen) ein.

4 Übungsabschnitte

  1. Xia Tian Taiqing – Unteres Dantian ganz klar
  2. Jiang Gong Shang Qing – Die Klarheit erreicht den karmesinroten Palast
  3. Ni Wan Yu Qing – Oberes Dantian klar wie Jade
  4. Yin Qi Gui Yuan – Das Qi zum Ursprung zurückführen

 

Anmerkungen

  • mit dem Scheiteltor ist der Akupunkturpunkt Bai Hui – Hundert Vereinigungen gemeint
  • das Durchgehen der drei Dantian erinnert an den Stufenweg des Qigong:

Das Jing bewahren, um das Qi zu festigen,
das Qi läutern, um das Shen zu wandeln,
das Shen wandeln, um zum Dao zurückzukehren.

  • auch steht die Bewegung mit der inneren Abfolge des Kleinen Himmlischen Kreislauf des Stillen Qigong im Zusammenhang

橫擔日月 Héng Dān Ri Yue – Sonne und Mond auf einer Tragstange tragen

Sonne und Mond auf einer Tragstange halten ist eine Übung, die das Yin und das Yang in Bewegung bringt. Das Aufnehmen und das Abgeben des Atems ganz sanft strömen lassen und mit der Aufmerksamkeit nicht abschweifen. Warte nicht ab, bis erst deine Seufzer aus zahnlosem Mund kommen, sondern raffe dich schnell auf zu konsequentem Üben.*

Die zweite Übung bewegt und reguliert das YIN und YANG des Körpers – ist es harmonisch ausgeglichen, können keine Blockaden und somit keine Krankheit entstehen.

3 Übungsabschnitte

  1. Heng Dan Ri Tue – Sonne und Mond auf einer Tragstange halten
  2. Yi Tui Liang Shan – Die beiden Berge wegschieben
  3. Song Yao Luo Ri – Unterer Rücken aufrecht entspannt, die Sonne sinken lassen

 

Anmerkungen

  • mit dem Gesicht nach Süden stehend, trägt die linke Hand die Sonne, die rechte den Mond; links YANG, rechts YIN
  • Tigerkralle und Kranichbiss sind besondere energetische Gesten

Zu den nächsten 2 Übungen der Achtfachen Rückkehr zum Ursprung Ba Fan Huan Gong

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V.

 

QI GONG: Wo das Qi frei fließen, da kein Schmerz es geben kann

qi gong schmerzen
Der Fan Huan Gong Code: Klassische Lebenspflege – moderne Prävention

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.


 Wenn du voll werden möchtest, gestatte dir leer zu werden. DAODEJING 22


Annehmen was ist

Ursprünglich sollte dieser Blog eine Reise in den Frühling an den Gardasee begleiten und das Bildmaterial im Rahmen des inspirierenden Heller-Garten in Gardone Riviera entstehen. Sehr kurzfristig mußte diese Reise jedoch abgesagt und die Themenwoche Qi Gong umdisponiert werden und so stellt dieses Anliegen für mich eine Übung in angewandtem Daoismus dar: Annehmen was ist, in dem gewohnten täglichen Lärm der gegenüberliegenden Großbaustelle in Berlin-Mitte die Stille und Ruhe finden, um über Qi Gong als einer Technik der alltäglichen Lebenspflege zu berichten und das Interesse an einer speziellen, weniger bekannten Übungsreihe zu wecken:

返還功 Fǎnhuán gōng – Die Achtfache Rückkehr zum Ursprung

Im fünften Jahr der eigenen Praxis des FAN HUAN GONG wie ich es von Antje Schnessing-Schneeberg im Rahmen der TCM-Ausbildung an der Shou Zhong Berlin erlernen durfte, möchte ich die Gelegenheit der diesjährigen Woche der TCM nutzen, um über meine persönliche Erfahrungen mit dieser Form des Qi Gong zu berichten und versuchen, es in einem Fotoblog kurz aber präzise vorzustellen. Eine ausführliche Darstellung der Übungsfolgen ist bei der Deutschen Qigong Gesellschaft erhältlich. Mir geht es in diesem Rahmen mehr darum, Bewusstsein für verschiedene Aspekte zu wecken, die für das beharrliche Erlernen, regelmäßige Üben und verfeinerte Hineinspüren in den eigenen Körper sprechen.

Qi Gong – Technik der Achtsamkeit

Qi Gong trat an die Stelle des älteren Begriffs DAOYIN – er bedeutet das 氣 Qi leiten und dehnen. DAOYIN-Methoden werden im Allgemeinen zu den Techniken des YANGSHENG gezählt, also Methoden und Wege, um das Leben zu pflegen und zu nähren. Es handelt sich um eine Technik der angewandten Achtsamkeit sich selbst gegenüber, der eigenen Atmung, Bewegung, dem Bewusstsein im Hier und Jetzt. In den Abfolgen der Übungen lässt sich das Wesen der Natur um einen herum mit anderen Sinnen wahrnehmen und ein Gespür der achtsamen Erfahrung für die Qualität des Ortes, seiner Energie und Wirkung entwickeln.

Qi Gong – Methode der Selbstheilung

Schmerzen sind Ausdruck einer Blockade der Lebensenergie Qi und dem folgend Blut Xue. Durch das regelmäßige Praktizieren der Übungen lassen sich Atmung und Bewegung harmonisch in Einklang bringen, das stagnierte Qi wieder mobilisieren und so Blockaden auflösen. Es sind kleine Schritte, die man als Übender geht, aber stetes Wiederholen schafft Raum für den innere Fluss, Transformation und geistige Reinigung. Denn körperlicher Schmerz kann oft Ausdruck einer langanhaltenden emotionalen Stagnation sein, die sich auf einer physischen Ebene abbildet. Ein psychosomatischer Klassiker ist das Schulter-Arm-Syndrom, dem häufig eine Überlastung der Leber zugrunde liegt und mit psychoemotionalen Faktoren wie lang bestehender Wut, Zorn, Groll einhergehen kann.


Regelmäßiges Üben des Qi Gong stärkt und reguliert das Qi und schafft so den Raum, um wieder in die eigene Mitte zu kommen – die grundlegende Voraussetzung für Wohlbefinden und Gesundheit.


Geschichte des Qi Gong: Fan Huan Gong

Vermutlich ist das Fan Huan Gong in der südlichen Schule der vollkommenen Wirklichkeit (全真 Quanzhen) geübt worden, die im 12. Jahrhundert von Wang Chong Yang (1113-1170) begründet wurde und die sich auf die daoistischen Texte von Chang Po Tuan (987–1082) bezieht. Laut der mündlichen Überlieferung von Herz zu Herz sind die Quellen jedoch wesentlich älter. Die Gedichte, die zu den Übungen überliefert sind, erinnern entfernt an die östliche Han-Dynastie (1. Jh. n.Chr.).

Übertragungslinie des Fan Huan Gong

Fan Huan Gong besteht hauptsächlich aus 8 bewegten Übungen und stillen Übungen, die nicht sehr bekannt sind. Jahrhundertelang wurde das Fan Huan Gong in daoistischen Klöstern Südchinas kultiviert und bewahrt, wobei es – wie so oft in China – nur ausgewählten Schülern von Herz zu Herz übertragen wurde.

Prof. Cong Yong-Chun aus Fuzhou (Fujian) brachte Fan Huan Gong gegen 1980 nach Deutschland, das er nach der chinesischen Kulturrevolution direkt von einem Erben dieser Tradition erlernen durfte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es Li Yufeng, der als Einsiedler im Kloster Xuandu in den südlichen Bergen der Provinz Fujian von seinem Meister in die Tradition des Fan Huan Gong eingeweiht wurde. Dieser inzwischen verstorbene Mönch hat in mehr als zehnjähriger Unterweisung seinen Schüler Shen Yuewu in die Methode eingeweiht. Prof. Cong Yongchun ist der direkte Schüler von Shen Yuewu nach dessen Rückkehr aus den Bergen nach Ende der Kulturrevolution der 1970er Jahre. Shen Yuewu soll in der TCM-Klinik der Universität Fuzhou (Fujian) Hunderte von Menschen behandelt und geheilt haben. Prof. Cong soll auch bis zu seiner Emeritierung Qi Gong an der medizinischen Fakultät dieser Universität unterrichtet haben.

Bis zum 20. Jahrhundert hinein war es eine sehr geheime Übungsmethode, die wie erwähnt nur von Herz zu Herz übertragen wurde, daher gibt es fast gar keine schriftlichen Aufzeichnungen und auch nur sehr wenig Praktizierende.

QUELLE: http://www.fanhuangong.com/

 

Zu den ersten 2 Übungen der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong

 

Mehr zu den Hintergründen von Fan Huan Gong: fanhuangong.com

Informationen, Material und Kurse: Deutsche Qigong Gesellschaft e.V.

Neuer Weblog: Gesundheit, Akupunktur und TCM

weblog gesundheit
WEBLOG BRUNNENKUPPE HEUTE: Der digitale Raum für Gesundheit

 

Weblog Gesundheit: 3 Jahre BRUNNENKUPPE HEILPRAXIS BERLIN, 3 Jahre lehr- und erfolgreiche Arbeit mit den uns anvertrauten Patienten. Vielen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen, die Compliance und Ihre Bereitschaft, Beschwerden und Krankheit und den Weg dort heraus aus einem manchmal für Sie ungewohnten und alternativen Blickwinkel zu betrachten.

Zu diesem Anlass wird dieser neue Weblog BRUNNENKUPPE HEUTE als ein digitaler Raum eröffnet, der fast täglich zu verschiedenen Aspekten von Gesundheit und Traditioneller Chinesischer Medizin|TCM informieren soll: Akupunktur, Moxibustion, Qi Gong, Ernährung, Detox, Stressmanagement, Achtsamkeit, Ganzheitlichkeit – und Heilpraktiker Karl-Konstantin Arnold, Dipl.-Ac. (AGTCM).


Harmonie ist das wertvollste Bewusstsein.


Die Traditionelle Chinesische Medizin ist mehr als die Summe ihrer Verfahren – sie vermittelt den ganzheitlich-therapeutischen Zugang zum alltäglichen Konflikt des Menschen zwischen Krankheit und Heilung und ermöglicht Ihnen neue Horizonte im Erlangen von nachhaltigem Wohlbefinden und beständiger Gesundheit – jenseits von bloßer Abwesenheit von akuten und chronischen Beschwerden: Harmonie und Ausgeglichenheit der inneren Kräfte und ein Bewusstsein für die eigenen Ressourcen und Potentiale.

 

Hier weiterlesen: Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM?

ACHTSAMKEIT: Happiness …

achtsamkeit
… is having what you want and wanting what you have

 

Zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber: Im letzten Jahr durfte ich die persönliche Erfahrung der eigenen Mitte machen – nach jahrelangen metabolischen Beschwerden des Verdauungsapparates und der Leber, ausgelöst durch eine Laktoseintoleranz, die vor etwa 18 Jahren mit Anfang 20 erstmalig auftrat und mich in einem Zustand hielt, den ich heute als off-centered bezeichnen würde. Nun hatte ich meine Ausbildung zu Ende gebracht, das Thema Chinesische Medizin in die Reife geführt und mir als private Erbauung einen kleinen Garten auf dem Lande gegönnt, denn das Gärtnern ist seit Kindheitstagen eines meiner Herzensangelegenheiten. Und um die Kultivierung der Freude sollte es da gehen.

Nach knapp 20 Jahren Großstadt war ich ihr etwas überdrüssig und so zog ich mich die halbe Woche dort zurück und dampfte mein Berliner Alltagsleben auf den Rest der Woche ein. Da ich den Garten noch im Winter erwarb, konnte ich nach Abschluss der Formalitäten bereits zum frühen Holz dieses sehr dynamischen Jahres in die Aktion gehen: Ich wühlte mich die nächsten Monate wie besessen durch das Gründstück, befreite es von Rasenkantensteinen, überdimensionierten Hundehütten, Anbauten und Flüssiggastanks, die den Gemüsegarten verunzierten. Eine ganze Reihe von Sträuchern und Blühpflanzen gelangten über die Wochen dorthin und jedes Samenregal in Bau- und Supermärkten wurde von mir geplündert. Zur Sommersonnenwende war dann das Gestaltungskonzept umgesetzt und der Garten nicht mehr wieder zu erkennen. Zwischendurch erkundete ich die Umgebung mit dem Rad oder drehte größere Runden mit dem Rennrad als der Sommer kam. Ich war ganz bei mir – und in meiner eigenen Mitte. Etwas was ich zuvor nicht kannte und das sich einfach richtig anfühlt: Der Zustand, wie wir gemeint sind.


happiness is having what you want and wanting what you have

Nun weiß ich also, wie es sich anfühlen sollte und was es – für mich persönlich – dafür braucht, um dorthin zu gelangen: Eine Mischung von Erdung durch Gartenarbeit und sportlicher Bewegung, die die Stagnationen auflöst, die das Großstadtleben in seiner Dichte zwangsläufig mit sich bringt. Draußen im Garten, auf Feld und Flur, im Wald und am Wasser kann man in der Natur beobachten, was Wind macht, wie das Yang der Sonne das Eis und den Raureif tauen lässt, der Schatten die Kälte speichert, die Hitze des Sommers die Vegetation verändert, Trockenheit das Yin des Bodens ausdorrt und im Herbst die Dynamik der Bewegung eine entgegengesetzte zum Austreiben des Frühlings ist. Alles was man seit Kindheitstagen kennt und von dem man doch durch das moderne Zivilisationsleben entfremdet ist. Dort draußen kann man in der Stille beobachten, woher die alten Chinesen ihr daoistisches Wissen bezogen – aus der Beobachtung der Natur, dem universellen Lauf der Dinge, dem immer wiederkehrenden Rhythmus von Werden, Erblühen, Reifen und Vergehen.

Und gleichsam dem Beackern einer Scholle entsteht aus dem beständigen Pflügen des inneren Ackers, einer Vorstellung der inneren Alchemie WAIDAN dieser Zustand des in seiner eigenen Mitte Seins, der kein statischer ist, sich jederzeit auch wieder wandeln kann, aber eine Zielsetzung für das Leben bleibt: Der innere Ort an dem man sein möchte, zu dem man hin strebt, um komplett zu sein.