QI GONG: Wo das Qi frei fließen, da kein Schmerz es geben kann

qi gong schmerzen
Der Fan Huan Gong Code: Klassische Lebenspflege – moderne Prävention

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.


 Wenn du voll werden möchtest, gestatte dir leer zu werden. DAODEJING 22


Annehmen was ist

Ursprünglich sollte dieser Blog eine Reise in den Frühling an den Gardasee begleiten und das Bildmaterial im Rahmen des inspirierenden Heller-Garten in Gardone Riviera entstehen. Sehr kurzfristig mußte diese Reise jedoch abgesagt und die Themenwoche Qi Gong umdisponiert werden und so stellt dieses Anliegen für mich eine Übung in angewandtem Daoismus dar: Annehmen was ist, in dem gewohnten täglichen Lärm der gegenüberliegenden Großbaustelle in Berlin-Mitte die Stille und Ruhe finden, um über Qi Gong als einer Technik der alltäglichen Lebenspflege zu berichten und das Interesse an einer speziellen, weniger bekannten Übungsreihe zu wecken:

返還功 Fǎnhuán gōng – Die Achtfache Rückkehr zum Ursprung

Im fünften Jahr der eigenen Praxis des FAN HUAN GONG wie ich es von Antje Schnessing-Schneeberg im Rahmen der TCM-Ausbildung an der Shou Zhong Berlin erlernen durfte, möchte ich die Gelegenheit der diesjährigen Woche der TCM nutzen, um über meine persönliche Erfahrungen mit dieser Form des Qi Gong zu berichten und versuchen, es in einem Fotoblog kurz aber präzise vorzustellen. Eine ausführliche Darstellung der Übungsfolgen ist bei der Deutschen Qigong Gesellschaft erhältlich. Mir geht es in diesem Rahmen mehr darum, Bewusstsein für verschiedene Aspekte zu wecken, die für das beharrliche Erlernen, regelmäßige Üben und verfeinerte Hineinspüren in den eigenen Körper sprechen.

Qi Gong – Technik der Achtsamkeit

Qi Gong trat an die Stelle des älteren Begriffs DAOYIN – er bedeutet das 氣 Qi leiten und dehnen. DAOYIN-Methoden werden im Allgemeinen zu den Techniken des YANGSHENG gezählt, also Methoden und Wege, um das Leben zu pflegen und zu nähren. Es handelt sich um eine Technik der angewandten Achtsamkeit sich selbst gegenüber, der eigenen Atmung, Bewegung, dem Bewusstsein im Hier und Jetzt. In den Abfolgen der Übungen lässt sich das Wesen der Natur um einen herum mit anderen Sinnen wahrnehmen und ein Gespür der achtsamen Erfahrung für die Qualität des Ortes, seiner Energie und Wirkung entwickeln.

Qi Gong – Methode der Selbstheilung

Schmerzen sind Ausdruck einer Blockade der Lebensenergie Qi und dem folgend Blut Xue. Durch das regelmäßige Praktizieren der Übungen lassen sich Atmung und Bewegung harmonisch in Einklang bringen, das stagnierte Qi wieder mobilisieren und so Blockaden auflösen. Es sind kleine Schritte, die man als Übender geht, aber stetes Wiederholen schafft Raum für den innere Fluss, Transformation und geistige Reinigung. Denn körperlicher Schmerz kann oft Ausdruck einer langanhaltenden emotionalen Stagnation sein, die sich auf einer physischen Ebene abbildet. Ein psychosomatischer Klassiker ist das Schulter-Arm-Syndrom, dem häufig eine Überlastung der Leber zugrunde liegt und mit psychoemotionalen Faktoren wie lang bestehender Wut, Zorn, Groll einhergehen kann.


Regelmäßiges Üben des Qi Gong stärkt und reguliert das Qi und schafft so den Raum, um wieder in die eigene Mitte zu kommen – die grundlegende Voraussetzung für Wohlbefinden und Gesundheit.


Geschichte des Qi Gong: Fan Huan Gong

Vermutlich ist das Fan Huan Gong in der südlichen Schule der vollkommenen Wirklichkeit (全真 Quanzhen) geübt worden, die im 12. Jahrhundert von Wang Chong Yang (1113-1170) begründet wurde und die sich auf die daoistischen Texte von Chang Po Tuan (987–1082) bezieht. Laut der mündlichen Überlieferung von Herz zu Herz sind die Quellen jedoch wesentlich älter. Die Gedichte, die zu den Übungen überliefert sind, erinnern entfernt an die östliche Han-Dynastie (1. Jh. n.Chr.).

Übertragungslinie des Fan Huan Gong

Fan Huan Gong besteht hauptsächlich aus 8 bewegten Übungen und stillen Übungen, die nicht sehr bekannt sind. Jahrhundertelang wurde das Fan Huan Gong in daoistischen Klöstern Südchinas kultiviert und bewahrt, wobei es – wie so oft in China – nur ausgewählten Schülern von Herz zu Herz übertragen wurde.

Prof. Cong Yong-Chun aus Fuzhou (Fujian) brachte Fan Huan Gong gegen 1980 nach Deutschland, das er nach der chinesischen Kulturrevolution direkt von einem Erben dieser Tradition erlernen durfte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es Li Yufeng, der als Einsiedler im Kloster Xuandu in den südlichen Bergen der Provinz Fujian von seinem Meister in die Tradition des Fan Huan Gong eingeweiht wurde. Dieser inzwischen verstorbene Mönch hat in mehr als zehnjähriger Unterweisung seinen Schüler Shen Yuewu in die Methode eingeweiht. Prof. Cong Yongchun ist der direkte Schüler von Shen Yuewu nach dessen Rückkehr aus den Bergen nach Ende der Kulturrevolution der 1970er Jahre. Shen Yuewu soll in der TCM-Klinik der Universität Fuzhou (Fujian) Hunderte von Menschen behandelt und geheilt haben. Prof. Cong soll auch bis zu seiner Emeritierung Qi Gong an der medizinischen Fakultät dieser Universität unterrichtet haben.

Bis zum 20. Jahrhundert hinein war es eine sehr geheime Übungsmethode, die wie erwähnt nur von Herz zu Herz übertragen wurde, daher gibt es fast gar keine schriftlichen Aufzeichnungen und auch nur sehr wenig Praktizierende.

QUELLE: http://www.fanhuangong.com/

 

Zu den ersten 2 Übungen der Achtfachen Rückkehr Ba Fan Huan Gong

 

Mehr zu den Hintergründen von Fan Huan Gong: fanhuangong.com

Informationen, Material und Kurse: Deutsche Qigong Gesellschaft e.V.

Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM? Teil I

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Traditionelle Chinesische Medizin|TCM – mehr als die Summe seiner Verfahren

Das Kürzel TCM steht für die Gesamtheit der Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Akupunktur ist das mittlerweile bekannteste, wäre aber ohne das Theorie- und Gedankenmodell der Chinesischen Medizin kaum vorstell- und erfolgreich anwendbar. Es handelt sich dabei um ein alternatives Medizinsystem, dessen Ursprünge weit in das alte China zurückreichen – je nach Ausgangspunkt ca. 2600 (älteste überlieferte medizinhistorische Texte) bis 4200 Jahre (archaische Orakelfunde der Xia-Dynastie).

Neben der zweiten großen Disziplin – der Chinesischen Arzneimitteltherapie bzw. Chinesische Kräuterheilkunde – kommen weitere Techniken zur Anwendung:

  • Moxibustion – Wärmebehandlung mit Beifußkraut
  • Schröpfen – wird auch in Europa traditionell angewandt
  • Gua Sha – ein ausleitendes Verfahren
  • japanische Stile der Akupunktur – zum Beispiel nach Manaka oder Meridiantherapie nach Wang
  • Qi Gong – zentrierende Übungsformen, die Atmung und Bewegung in Einklang bringen

Grundlage für die Behandlung mit den Verfahren der TCM ist ein Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin: Eine ausführliche Befragung, Pulstastung und Zungenbetrachtung. Aber auch die Betrachtung des Antlitz, Untersuchung des Abdomen (Hara) und Palpation der Meridiane selbst liefern wertvolle Informationen. Das sind die diagnostischen Methoden, die seit Alters her zur Befundung herangezogen werden.

TCM – eine individuelle Alternative zur konventionellen Schulmedizin

Die TCM ist nicht von Leitlinienkonzepten zur Behandlung geprägt. Jeder Mensch ist unterschiedlich, so ist jeder Krankheitsfall ein individuell spezifisches Zusammenkommen unterschiedlicher Faktoren. Die Entwicklung angepasster, genau auf die Bedürfnisse des Patienten maßgeschneiderter Behandlungskonzepte steht in der TCM im Vordergrund. Sie stützt sich dabei auf regulationstherapeutische Ansätze, die auf einer energetischen Ebene eingreifen: Ziel ist es, den Patienten in die Lage zu versetzen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und aus einer kraftvollen und stabilen Mitte heraus handeln zu können.

Ganzheitliche Aspekte der TCM

Die Harmonisierung der polaren Kräfte YIN und YANG beinhaltet im Grundsatz des Gedankengebäudes TCM die Einheit von Körper und Seele. Die Zertrennung von Körper einerseits und Geist bzw. Psyche anderseits ist eine relativ moderne Vorstellung. Für die alten Chinesen war das Zusammenspiel von emotionalen und körperlichen Faktoren von jeher ein und dasselbe. Die Spiegelung der universellen Gesetze des Makrokosmos im menschlichen Mikrokosmos durch jahrtausendealte Beobachtung ist die faszinierende Quintessenz der daoistischen Lehre. Als Entsprechungslehre der Fünf Elemente ist sie anwendbar auf viele Bereiche unseres modernen westlichen Lebens – und eine große Inspiration für das ganzheitliche Behandeln.

Geschichte des verkürzenden Begriffs TCM|Traditionelle Chinesische Medizin

Irreführenderweise ist die Wortschöpfung Traditionelle Chinesische Medizin eine im Vergleich zur jahrtausendealten Geschichte der Chinesischen Medizin relativ junge Errungenschaft. In den 1960er Jahren war in der jungen Volksrepublik China Maos der Bedarf groß nach einer kostengünstigen und flächendeckenden Versorgung der rasch wachsenden chinesischen Bevölkerung. Ein Komitee aus Ärzten und Professoren kam zusammen und legte Standardisierung unterschiedlicher Lehrmeinungen, Punktlokalisationen und diagnostischer Symptome fest, die auch der westlichen Wissenschaftsauffassung Rechnung tragen sollten. Die sich daraus ergebende Syndromlehre der Speicher- und Hohlorgane (ZANGFU) ist eine Schule der Chinesischen Medizin, die jedoch der Vielfältigkeit der Gesamtheit dieser traditionell gewachsenen Medizin nicht gerecht wird. Es stellt vielmehr ein nacktes Gerüst dar, das von psychischen und spirituellen Aspekten der alten Dämonenmedizin bzw. des Animismus und philosophischen Konzepten des Daoismus gleichsam gereinigt wurde.

TCM und klassische Akupunktur

Der wachsenden Bedeutung der Rückbesinnung auf die ganzheitliche Vielfalt der tradierten klassischen Texte wird jedoch der Name der AGTCM gerecht, die den Berufsfachverband Deutscher Akupunkteure darstellt:

Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. – weiterführende Informationen dazu hier.

Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM? Teil I weiterlesen

Zur Person | Heilpraktiker Berlin | Karl-Konstantin Arnold

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Heilpraktiker Karl-Konstantin Arnold, Dipl.-Ac. (Agtcm)

 

Es begann mit der eigenen Erfahrung als Patient, dem heilsamen Gesehen- und Gehörtwerden durch eine empathische, ganzheitlich arbeitende TCM-Therapeutin sowie der lösenden Erfahrung regelmäßiger Massagen in Thailand und der eigenen langjährigen Auseinandersetzung mit Nahrung. Der Wunsch erwachte, all diese Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und so machte er sich auf den Weg – dem wunderbaren Weg zum Heilpraktiker für Traditionelle Chinesische Medizin.

Eine solide schulmedizinische Grundausbildung, kontinuierliche fachliche Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin – unter anderem bei Amos Ziv, Lonny Jarrett, und Stephen Birch – sowie regelmäßig jährliche Kongressbesuche sichern therapeutisches Wissen auf hohem fachlichen Niveau.

  • Diplom für Akupunktur (Agtcm)
  • Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (Agtcm)
  • Weiterführende Informationen: www.agtcm.de

Karl-Konstantin Arnold, Jahrgang 1977, lebt seit 1996 in Berlin, kocht und gärtnert leidenschaftlich gerne, widmet sich seit 2008 hauptberuflich der Naturheilkunde, spricht fließend Deutsch und Englisch – English native speakers warmly welcome: Consultations in English available as well. Translation of website subject to be completed soon.

 

acupuncturist, nutrition coach, holistic health practitioner – living it …

hello, i’m karl-konstantin arnold, german heilpraktiker and licenced acpuncturist working in the field of traditional chinese and alternative medicine. holism is not just a slogan to me but an approach of body-mind-alignment, an attitude toward the mutual interactions between physical and psycological processes.

 

SHOU ZHONG – die Mitte bewahren (Berlin, 2014)

TCM wegdermitte
Shou Zhong – den Weg der Mitte gehen

 

Weitere 3 Jahre sind vergangen, eine Fachausbildung in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) folgte und nach den vorhergehenden zwei Jahren Vorbereitung auf die staatliche Heilpraktikerprüfung, in denen es lediglich um Pathologie, Krankheit und Infektionsschutzgesetz ging, endlich der Acker, den ich eigentlich bearbeiten wollte: Die Chinesische Medizin als die ganzheitliche Medizin, wegen derer ich diesen Weg gehen wollte. Aus der eigenen langjährigen Erfahrung als Patient, den Möglichkeiten der chinesischen Akupunktur- und Kräutertherapie meiner Heilpraktikerin Almut Glagau erwuchs das Leitbild meiner eigenen Arbeit.


Aufmerksam zuhören und beobachten, die wirklich relevanten Themen erforschen und benennen, unter Einbeziehung von Ernährung und Lebensführung den Patienten den Weg in Linderung und Besserung weisen. Eventuell den Raum für Heilung ermöglichen.


Das wurde für mich persönlich der Weg der Mitte, den ich an der Shou Zhong, Ausbildungszentrum Ost der Arbeitsgemeinschaft für klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. (AGTCM) vertiefte. Diese bundesweite Vereinigung von Heilpraktikern und Ärzten, denen das Interesse an Klassischer Akupunktur und den Weiten der Chinesischen Medizin gemeinsam ist steht für eine hohen Standard in Aus- und Fortbildung. So professionalisierte ich das, was 2008 nach der Erfahrung des ersten Massagekurs nur mehr ein grosses JA war. Ein Ja zum wunderbaren Weg, der Weg der Mitte, A Road Less Traveled, der mich nach 5 Jahren zum Heilpraktiker für Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) führte.

Während dieser intensiven Zeit lernte ich die alternative und eigenständige Sichtweise der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als eine ganzheitliche Perspektive auf Krankheitsgeschehen kennen und schätze die umfangreiche Bandbreite an therapeutischen Verfahren, die mir durch ein vielschichtiges Dozententeam mit auf den Weg gegeben wurden. Die TCM bedient sich unter anderem folgender Verfahren: Akupunktur (die bekannte chinesische Nadelung in die Tiefe der Gewebe), Moxibustion (das Abbrennen von Beifusskraut in unterschiedlichen Anwendungsformen), Schröpfen (trocken oder blutig), Gua Sha (eine klassische Schabetechnik an der Hautoberfläche), Qi Gong (meditative Führung von Bewegung und Atmung) sowie japanische Style der Akupunktur (oberflächliche Nadelung in die Haut, z.B. Meridiantherapie, Manaka, etc.).

Das umfangreiche theoretische Wissen wurde während der zweijährigen Lehrpraxis des angeschlossenen Ambulatoriums unmittelbar bei der praktischen Behandlung realer Patienten angewandt und zugleich vertieft.

 

Weitere Informationen zur AGTCM inklusive Therapeutenfinder:

www.agtcm.de