Diagnostische Methoden TCM: Puls- und Zungendiagnostik

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MAI JING: Klassische chinesische Pulstastung am radialen Handgelenk

 

Die Palpation der Pulse und Inspektion der Zunge sind zwei der speziellen diagnostischen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. Puls-und Zungendiagnostik werden seit Tausenden von Jahren als Teil der TCM angewandt und bieten eine sehr feine Diagnostik, die sogar Zustände differenziert, bevor sie pathologische Qualität erreichen. Das unterstützt die chinesische Medizin auch in ihrem präventativen Charakter.

Chinesische Pulsdiagnostik TCM

Bei der Tastung des Pulses an der radialen Arterie beider Handgelenke werden 28 verschiedene klassische Pulsqualitäten unterschieden unter Berücksichtigung aller 12 chinesischen Organpositionen in 2 Ebenen und weiterer Faktoren wie allgemeine Mittelpulsqualität, Verwurzelung des Pulses und energetischer Blockaden. Faktoren wie Kraft, Volumen, Frequenz und Rhythmus sowie spezielle Eigenschaften und Auffälligkeiten fließen in die Beurteilung ein. Die chinesische Pulsdiagnostik ist eine sehr feine Diagnoseform, die schwer zu erlernen ist und viel Zeit, Beobachtung und Erfahrung des Therapeuten braucht.

Die chinesische Pulsdiagnostik ermöglicht Aussagen zu den vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut), dem Zustand einzelner Organe und der drei Leibeshöhlen JIAO sowie der konstitutionellen Gesamtverfassung. Sie liefert eine aktuelle Momentaufnahme des energetischen Zustandes des Patienten.

Chinesische Zungendiagnostik TCM

Der Zustand der inneren Organe läßt sich aufgrund ihrer Zuordung zu bestimmten Regionen der Zunge beurteilen. Grundsätzlich sind die Form und Farbe des Zungenkörpers sowie die Beschaffenheit des Zungenbelages von diagnostischem Interesse. Der Zungenkörper macht eine grundsätzliche Aussage zu Konstitution und Qualität des Qi, der Zungenbelag gibt Aufschluß über pathogene (krankmachende) Faktoren, die entweder von außen eingedrungen sind oder aus inneren pathologischen Prozessen stammen.

Kriterien Form, Farbe, Belag der Zunge

Die Form der Zunge läßt Rückschlüsse auf innere pathogene Faktoren wie Feuchtigkeit oder Trockenheit zu, die Farbe der Zunge macht eine Differenzierung der Pathogene in Hitze oder Kälte möglich und gibt Aufschluß, wie tief sie bereits in den Körper eingedrungen sind. Auch gibt sie Informationen zur Beschaffenheit des Qi des Patienten und den verliegenen pathogenen Mustern.

Der Zungenbelag ist vor allem zur Beurteilung des Magen-Qi von Bedeutung und liefert relevante Informationen zur Funktionalität des gesamten Verdauungsapparates sowie eine Einschätzung der Chronizität des pathologischen Prozesses.

Energetische Momentaufnahme

Die Einzelbefunde aus chinesischer Puls- und Zungendiagnostik werden stets im Kontext weiterer Befunde der ausführlichen Anamnese, Anlitzdiagnostik, Bauchpalpation (Haradiagnostik) sowie Meridianpalpation oder Druckdolenz spezifischer Akupunkturpunkte gesehen. Zusammen ergeben sie eine sehr feine Diagnostik, die Therapeuten der Traditionellen Chinesische Medizin |TCM in die Lage versetzt, aktuelle Zustände bereits zu differenzieren, bevor sie sich als Krankheiten im Sinne der westlichen Schulmedizin manifestieren.