Gua Sha: Therapeutische Methoden TCM, Teil 1

gua sha © Tyler Olson
Gua Sha: Vorübergehende therapeutische Petechien (Kapillareinblutungen)

 

Gua Sha ist ein altes Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin |TCM, das neuerdings verstärkt in das breite Interesse wissenschaftlicher Forschung in China und im Westen rückt.

Was ist Gua Sha?

Es handelt sich hierbei um eine therapeutische Schabetechnik, die mittels eines geeigneten Schabers aus Jade, Keramik, Kunststoff oder Horn zumeist auf dem Rücken oder Nacken ausgeführt wird. Es kommt zu kleinen kapillaren Einblutungen in den unteren Schichten der Haut, sogenannte Petechien, die ausdrücklich erwünscht sind und nach wenigen Tagen vollständig vom Körper resorbiert werden. Gua Sha besitzt einen entzündungshemmenden und immunmodulierenden Effekt.

Neuere Erkenntnisse zur Wirkung von Gua Sha

Die biomechanischen Wirkungen von Gua Sha wurden in den letzten Jahren zunehmend erforscht. Durch Anwendung von Gua Sha kommt es zu einem signifikanten Anstieg der lokalen oberflächlichen Mikroperfusion, der Mikrozirkulation von Blut in den obersten Hautschichten. Es regt die Genexpression des Enzyms Hämoxygenase-1 (HO-1) an, dem eine antiinflammatorische (entzündungshemmende), antioxidative (Abbau von oxidativen Stress) und cytoprotektive (zellschützende) Wirkung zugeschrieben wird. Dieses Enzym wird nicht nur lokal sondern auch systemisch in mehreren Organen ausgeschüttet. Zudem zeigt es eine immunmodulierenden und virustatischen Effekt.*

Traditionelle Indikationen für Gua Sha

Eine Reihe von klassischen Indikationen beruht auf dem Erfahrungswissen der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM, langjährige empirische Beobachtung vom Nutzen der Anwendung von Gua Sha über mehr als 2000 Jahre bei folgenden Erkrankungen: Chinesische Blutstase-Krankheiten, Muskelhartspann, Myalgien, Schmerzsyndrome, Kopfschmerzen, Fiebersenkung, chronische Entzündungszeichen (wie bei Allergien, Autoimmunerkrankungen, etc.).

Neue Anwendungsgebiete von Gua Sha

Durch die neuerliche Forschung ergeben sich potenziell neue Therapieoptionen für folgende Krankheitsbilder: Migräne, Asthma, Post-Zoster-Neuralgie, Brustschmerzen/-Distension, geringgradige Darmentzündungen, chronische Leberentzündungen (HBV/HCV).

QUELLE: http://www.pacificcollege.edu/acupuncture-massage-news/press-releases/1198-the-science-of-gua-sha.html

 

*Die Rolle von Hämoxygenase-1 bei der Entwicklung von Folgeerkrankungen bei Adipositas wird derzeit in der westlichen Forschung diskutiert.

Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM? Teil II

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Traditionelle Chinesische Medizin|TCM – Verfahren und Methoden

Die chinesische Akupunktur mit feinen Nadeln in die Tiefe der Gewebe ist das im Westen bekannteste Verfahren der TCM. Die Therapie nach den Prinzipien der TCM kann je nach Beschwerdebild und Bedarf durch weitere therapeutische Verfahren und Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM erweitert werden.

Chinesische Arzneimitteltherapie

Neben der regulativ wirksamen Akupunktur ist die nährende, aufbauende und regulierende Wirkung der pflanzliche Pharmakologie die zweite wichtige Säule der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM. Diese chinesische Kräuterheilkunde besitzt ein über sehr lange Zeit tradiertes Wissen der heilkräftigen Wirkung von Pflanzen auf den menschlichen Organismus. Zum Einsatz kommen verschiedene chinesische Pflanzen, Mineralien und Stoffe tierischer Herkunft, die als Teegranulat oder pflanzliche Rohdroge verschrieben werden.

Moxibustion

Das Abbrennen von chinesischem Beifuß in Zigarren- oder Kegelform ergänzt das therapeutische Spektrum der Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM und stellt eine Wärmebehandlung dar. Als feineres Reiskornmoxa wird es direkt auf die Haut gesetzt und hat eine in die Tiefe stärkende immunologische Wirkung durch seinen nachgewiesenen Einfluss auf das Blutbild. Es kann zu einer Blasenbildung kommen, die ausdrücklich erwünscht ist und nach wenigen Tagen ohne Spuren abheilt.

Gua Sha|Schröpfen

Bei diesen beiden Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM werden mittels unterschiedlicher Werkzeuge stagnierte Substanzen und Energien in den Geweben mobilisiert. Es kann zu kleinen Gewebeeinblutungen und blauen Flecken kommen, die ausdrücklich erwünscht sind und den Regenerationsprozess befördern.

Diätik|Ernährungsberatung

Teil einer ganzheitlichen Behandlung ist eine Anamnese der individuellen Ernährungsgewohnheiten, um therapeutische Empfehlungen im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM aussprechen zu können. Durch diesen  aktiven Beitrag kann der Patient maßgeblich zum Gelingen der Therapie beitragen, wenn am Krankheitsgeschehen auch ein ernährungsbedingter Faktor beteiligt ist.

Qi Gong

Ergänzend zu diesen Techniken bieten wir unterstützende Qi Gong-Übungen an. Diese uralte chinesische Übungstechnik aus meditativer Atmung und Bewegung erlaubt es, die im Körper wirkenden Kräfte präventiv zu beeinflussen und ihnen mit Achtsamkeit zu begegnen. Wo fließt die Lebensenergie Qi, wo stagniert sie? Wo sind Blockaden und Schmerzen? Denn dort wo die Aufmerksamkeit ist befindet sich auch das Qi, die universelle Kraft des Körpers.

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Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM? Teil I

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Traditionelle Chinesische Medizin|TCM – mehr als die Summe seiner Verfahren

Das Kürzel TCM steht für die Gesamtheit der Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Akupunktur ist das mittlerweile bekannteste, wäre aber ohne das Theorie- und Gedankenmodell der Chinesischen Medizin kaum vorstell- und erfolgreich anwendbar. Es handelt sich dabei um ein alternatives Medizinsystem, dessen Ursprünge weit in das alte China zurückreichen – je nach Ausgangspunkt ca. 2600 (älteste überlieferte medizinhistorische Texte) bis 4200 Jahre (archaische Orakelfunde der Xia-Dynastie).

Neben der zweiten großen Disziplin – der Chinesischen Arzneimitteltherapie bzw. Chinesische Kräuterheilkunde – kommen weitere Techniken zur Anwendung:

  • Moxibustion – Wärmebehandlung mit Beifußkraut
  • Schröpfen – wird auch in Europa traditionell angewandt
  • Gua Sha – ein ausleitendes Verfahren
  • japanische Stile der Akupunktur – zum Beispiel nach Manaka oder Meridiantherapie nach Wang
  • Qi Gong – zentrierende Übungsformen, die Atmung und Bewegung in Einklang bringen

Grundlage für die Behandlung mit den Verfahren der TCM ist ein Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin: Eine ausführliche Befragung, Pulstastung und Zungenbetrachtung. Aber auch die Betrachtung des Antlitz, Untersuchung des Abdomen (Hara) und Palpation der Meridiane selbst liefern wertvolle Informationen. Das sind die diagnostischen Methoden, die seit Alters her zur Befundung herangezogen werden.

TCM – eine individuelle Alternative zur konventionellen Schulmedizin

Die TCM ist nicht von Leitlinienkonzepten zur Behandlung geprägt. Jeder Mensch ist unterschiedlich, so ist jeder Krankheitsfall ein individuell spezifisches Zusammenkommen unterschiedlicher Faktoren. Die Entwicklung angepasster, genau auf die Bedürfnisse des Patienten maßgeschneiderter Behandlungskonzepte steht in der TCM im Vordergrund. Sie stützt sich dabei auf regulationstherapeutische Ansätze, die auf einer energetischen Ebene eingreifen: Ziel ist es, den Patienten in die Lage zu versetzen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und aus einer kraftvollen und stabilen Mitte heraus handeln zu können.

Ganzheitliche Aspekte der TCM

Die Harmonisierung der polaren Kräfte YIN und YANG beinhaltet im Grundsatz des Gedankengebäudes TCM die Einheit von Körper und Seele. Die Zertrennung von Körper einerseits und Geist bzw. Psyche anderseits ist eine relativ moderne Vorstellung. Für die alten Chinesen war das Zusammenspiel von emotionalen und körperlichen Faktoren von jeher ein und dasselbe. Die Spiegelung der universellen Gesetze des Makrokosmos im menschlichen Mikrokosmos durch jahrtausendealte Beobachtung ist die faszinierende Quintessenz der daoistischen Lehre. Als Entsprechungslehre der Fünf Elemente ist sie anwendbar auf viele Bereiche unseres modernen westlichen Lebens – und eine große Inspiration für das ganzheitliche Behandeln.

Geschichte des verkürzenden Begriffs TCM|Traditionelle Chinesische Medizin

Irreführenderweise ist die Wortschöpfung Traditionelle Chinesische Medizin eine im Vergleich zur jahrtausendealten Geschichte der Chinesischen Medizin relativ junge Errungenschaft. In den 1960er Jahren war in der jungen Volksrepublik China Maos der Bedarf groß nach einer kostengünstigen und flächendeckenden Versorgung der rasch wachsenden chinesischen Bevölkerung. Ein Komitee aus Ärzten und Professoren kam zusammen und legte Standardisierung unterschiedlicher Lehrmeinungen, Punktlokalisationen und diagnostischer Symptome fest, die auch der westlichen Wissenschaftsauffassung Rechnung tragen sollten. Die sich daraus ergebende Syndromlehre der Speicher- und Hohlorgane (ZANGFU) ist eine Schule der Chinesischen Medizin, die jedoch der Vielfältigkeit der Gesamtheit dieser traditionell gewachsenen Medizin nicht gerecht wird. Es stellt vielmehr ein nacktes Gerüst dar, das von psychischen und spirituellen Aspekten der alten Dämonenmedizin bzw. des Animismus und philosophischen Konzepten des Daoismus gleichsam gereinigt wurde.

TCM und klassische Akupunktur

Der wachsenden Bedeutung der Rückbesinnung auf die ganzheitliche Vielfalt der tradierten klassischen Texte wird jedoch der Name der AGTCM gerecht, die den Berufsfachverband Deutscher Akupunkteure darstellt:

Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. – weiterführende Informationen dazu hier.

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Was ist Akupunktur? Teil I

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Grundlegendes zur Akupunktur als Verfahren der TCM

Die Akupunktur nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist eine sanfte Methode zur Regulation der körpereigenen Energie unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Zusammenspiels von Körper, Geist und Seele. Verwendet werden sehr dünne Nadeln, die schmerzarm unter die Haut gebracht werden und das sogenannte Qi, die Energie des Körpers harmonisieren. Die Behandlung findet meist im Liegen statt, der Patient erfährt oft eine sehr tiefe Entspannung, die in den Alltag nachwirkt und auch auf eine psychoemotionale Ebene Einfluss nehmen kann.

Akupunktur wird seit mehr als 2000 Jahren im Ursprungsland China angewandt und gehört dort auch heute noch zur gängigen Heilmethode in öffentlichen Krankenhäusern. Die praktizierende Ärzte werden sowohl in Traditioneller Chinesischer Medizin als auch in westlicher moderner Schulmedizin ausgebildet.

Die Akupunktur ist eines der wesentlichen Verfahren der TCM, neben Kräuterheilkunde kommen diverse weitere Verfahren wie Moxibustion (Abbrennen von Beifusskraut in unterschiedlichen Formen), Schröpfen (trocken oder blutig mittels Schröpfköpfen aus Glas oder Kunststoff), Gua Sha (eine Schabetechnik, die sich eines Griffels aus Jade, Keramik oder Kunststoff bedient) und Qi Gong (meditative Übungsformen, die das Zuammenspiel von Atmung und Bewegung harmonisieren) zum Einsatz.

Funktionsweise der Akupunktur

Feine Nadeln werden an spezifischen Punkten des energetischen Leitbahnsystems gesetzt, dem sogenannten Meridiansystem, das den Körper durchzieht. Es hat Verbindungen zu allen Organen. Es gibt 365 Akupunkturpunkte plus weitere Extrapunkte. Ziel ist eine Verbesserung des Energieflusses sowie eine Harmonisierung der Pulse.

Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt nach einer Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin, die klassischerweise aus der Betrachtung der Zunge und Prüfung des radialen Pulses am Handgelenk besteht (Puls- und Zungendiagnostik) sowie der ausführlichen Befragung des Patienten und eventuell dem Abtasten der Meridiane.

Die Nadelung erfolgt in unterschiedlichen Techniken während der Patient entspannt in einer stabilen Position sitzt oder liegt. Es kann zu einem sogenannten De-Qi-Gefühl kommen, das wie ein elektrischer Impuls oder ähnliche Nadelempfindungen beschrieben wird. Die Nadeln verbleiben meist 15-30 Minuten an der Einstichstelle.

Wirkungsweise der Akupunktur

Die Wirkungsweise der Akupunktur konnte aus westlicher Sicht wissenschaftlich nocht nicht abschließend erklärt werden. Vermutet werden Nervenreize, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Rückenmark hemmen. Bewiesen ist die vermehrte Ausschüttung körpereigener Botenstoffe im Gehirn – die Neurotransmitter Serotonin und Endorphin. Bei der Chinesischen Medizin handelt es sich um eine sehr alte erfahrungsbasierte Medizin, die auf Beobachtungen beruht und sich auf ein anderes Weltbild bezieht. In neuerer Zeit wurden sehr viele wissenschaftliche Studien durchgeführt, heute gehört die Akupunktur zu den alternativen Heilverfahren, die am besten erforscht wurden.

Das Ergebnis einer Akupunktur:

  • die Durchblutung verbessert sich
  • die Muskulatur entspannt sich
  • das vegetative System wird harmonisiert

Weitere Informationen zu Akupunktur finden Sie hier:

AGTCM – Was ist Akupunktur?

Was ist Akupunktur? Teil I weiterlesen