TRIAL’N ERROR: Mythen moderner Ernährung, Teil III

protein shakes
Protein Shakes: Die Dosis macht das Gift

 

Abschließend zur Serie Mythen moderner Ernährung meine persönliche Betrachtung zu extremen Kostformen im Kontext der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Im Sinne einer harmonischen Mitte gilt es jede langanhaltende diätische Ausschweifung in eine Richtung zu vermeiden, da sie den Körper mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Gleichgewicht bringen und in pathogene, dh. krankmachenden Prozesse führen wird. Ein deutliches Übermaß einer Nährstoffgruppe oder ein Mangel derselben kann das Gesamtsystem der Verdauung nachhaltig schwächen und sich potenziell schädigend mit schweren Folgen auf die Gesundheit auswirken.

Proteinmast durch Protein Shakes

Weitverbreitet unter Profi- und Amateursportlern ist die Auffassung, zum Muskelaufbau benötigte Proteine müssten über die massive Zufuhr von Protein Shakes dem Körper zugeführt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass der individuelle Bedarf an Proteinen dem sportlichen Leistungsniveau entspricht und im Verhältnis zum Körpergewicht stehen sollte. Die Angaben diesbezüglich sind sehr unterschiedlich und hängen von den gewählten Sicherheitszuschlägen – und den kommerziellen Interessen der informierenden Quelle ab.

Grundsätzlich gilt: Der menschliche Körper kann nur etwa 20 Gramm Protein pro Mahlzeit vollständig verstoffwechseln, der überschüssige Rest einer proteinbetonten Ernährung wird zwischengelagert und belastet mit seinen Stoffwechselendprodukten Harnsäure und Harnstoff die Ausscheidungsorgane Leber und Niere. Eine Schädigung der Leber bis hin zur Desintegration der Leberzellen und Freisetzung von labordiagnostisch nachweisbaren Enzymen, den Transaminasen ist dadurch möglich. Zudem wandern nicht vollständig verstoffwechselte Aminosäuren – Pyruvate, metabolische Zwischenprodukte des Proteinstoffwechsels – in die sogenannte Gluconeogenese, den Neuaufbau von Kohlenhydraten aus Proteinen. Ebenso können nicht benötigte Kohlenhydrate und Proteine auch in Fette umgewandelt werden. In der Konsequenz bedeutet das: Trotz Training und Muskelaufbau will die Fettschicht über dem Sixpack nicht dünner werden. Nahrungssupplemente wie Proteinkonzentrate sind generell nicht als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung zu verstehen.

Dies ist jedoch die westlich-ernährungsphysiologische Sicht auf den menschlichen Stoffwechsel. Aus der Perspektive der Diätik der Traditionellen Chinesischen Medizin können übermäßiger Konsum von Proteinkonzentraten in Kombination mit energetisch kalten und schleimbildenden Lebensmitteln – wie zum Beispiel Magerquark mit Bananen, angereichert mit Proteinkonzentrat – das Verdauungsfeuer der Mitte nachhaltig schwächen und so zu weiterer Feuchtigkeitsakkumulation – sprich Fettpölsterchen – führen. Damit wird der Weg zur sportlichen Sommerfigur noch etwas weiter und mühsamer.

Veganismus

Zum Abschluss dieser kleinen Serie noch ein paar Hinweise zu einem aktuellen Trend, der momentan die Großstädte erobert und als besonders zeitgemäß gilt: Der vollständige Verzicht auf tierische Lebensmittel und alle Produkte, die tierischer Herkunft sind – also auch Lederwaren, Fellartikel oder Bienenwachs. Neben den guten Gründen, auf Produkte aus moderner Massentierhaltung zu verzichten ist jedoch auf eine ausreichende Versorgung des Körpers mit pflanzlichen Proteinen zu achten. Insbesondere wenn es sich um anämische Frauen mit übermäßiger Menstruation handelt, in der Schwangerschaft, während Phasen von langanhaltendem Stress, auszehrender Krankheit und intensiver sportlicher Belastung will der vollständige Verzicht auf Fleisch wohl überlegt sein und gut informiert sein.

Unabdingbar ist dann der tägliche Konsum von natürlichen Hülsenfrüchten (Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Bohnen) und alternativen Proteinquellen wie fermentierte Sojaprodukte (Tofu, Tempeh – keine texturierten Granulatprodukte) oder Seitan (jedoch stark glutenhaltig).

Mehr zum Thema Fleischalternativen auf Spiegel-Online.

 

Für die Chinesen jedoch gilt der moderate Verzehr von Fleisch als ein Tonikum und bei schwachen, erschöpften und ausgezehrten Patienten ist die regelmäßige Einnahme einer sehr lange gekochten Kraftbrühe eine therapeutische Maßnahme von hohem Wert. Aus diesem Blickwinkel spricht nichts gegen den gelegentlichen Konsum von grasgefüttertem Rinder-, Lamm- oder Hühnerfleisch, wenn es aus artgerechter Haltung in Bioqualität kommt. Ohne Antibiotika in der Aufzucht und bakteriellen Verseuchungen in der Produktion kann es in Maßen genossen die Mitte – Milz und Magen – dabei unterstützen, Qi und Blut aufzubauen.

Weniger ist mehr, dafür lieber bewusst in hoher Qualität.

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Rohkost versus Mischkost (Ganzheitliche Ernaehrungsberatung, 2009)

gedanken zur ernaehrungsberatung: wer einmal ein buch von dr. med. max-otto bruker gelesen hat, wird nicht umhin kommen, es mal mit vollwertkost und rohkost zu probieren. der autor macht eine falsche ernaehrungsweise verantwortlich fuer viele zivilisationsbedingte erkrankungen wie arteriosklerose, herzinfarkt, osteoporose, bandscheibenleiden, arthritis, gicht, allergien bis hin zu krebs.

vollwertkost liefere, so bruker – neben zahlreichen vitalstoffe wie enzymen, vitaminen und spurenelementen – ernaehrungspysiologisch wertvolle langkettige kohlenhydrate, hochwertiges natives eiweiss und essentielle fettsaeuren, die die zellintegritaet sicherstellen und damit ein optimum an stoffwechselleistung ermoeglichen.

und damit koerperliche gesundheit, geistige stabiliaet, fitness und wohlbefinden.

mit dieser sichtweise steht er unter ganzheitlich orientierten medizinern und ernaehrungswissenschaftlern schon lange nicht mehr alleine da.

sein verdienst ist jedoch die fruehe hervorhebung der relevanz von rohkost in der praevention und therapie solcher ernaehrungsbedingten zivilisationskrankheiten. er greift konzepte von maximillian bircher-benner und werner kollath auf und vermag es, auf eindringliche weise zusammenhaenge aufzuzeigen.

doch muss er klar von radikaleren vertretern der rohkost-philosophie wie johann georg schnitzer unterschieden werden. auch eine strikt vegane kostform lehnt er ab.

bruker vertritt in seinem buch ‘unsere nahrung – unser schicksal’ ein verhaeltnis von 1/3 rohkost zu 2/3 kochkost. bei therapeutischer indikation auch eine steigerung bis hin zu ausschliesslicher rohkost.

betrachtet man nun den ansatz der traditionell chinesischen medizin, so kommen viele ernaehrungsbewusste menschen in ein scheinbares dilemma: kochkost oder rohkost?

krankheit ist dort ausdruck einer disbalance zwischen den beiden elementaren prinzipien yin und yang, der saefte/des bluts und der universellen energie qi.

dieses qi gilt es mit der nahrung zu staerken und die saefte aufzubauen. der thermischen qualtiaet der 5 elemente und geschmacksrichtungen sauer, bitter, suess, scharf, salzig kommt eine besondere bedeutung zu.

yangisierende oder yinisierende kochmethoden, kurzgebratene gerichte, langgekochte speisen, aber vor allem suppen und kraftbruehen kommen zum einsatz. dabei werden tierknochen und vielerei gemuese bis zu 6  stunden ausgekocht, um eine essenz zu gewinnen.

fuer den vitaminbewussten europaer ein graus. ‘was soll da noch drin sein?’, fragt sich manch einer.

– die essenz der zutaten und vor allem: qi. dieser universelle stoff, den wir nur schwer fassen koennen, aber alle belebte und tote materie durchstroemt. neben der luft zum atmen nehmen wir ihn durch unsere nahrung auf.

nun sollte noch auf die konstitution der menschen hingewiesen werden: manche duenn, andere beleibt, manche besitzten eine fuelle des prinzip yang, die anderen des yin. die einen frieren leicht, die andere schwitzen schnell.

so laesst sich die frage der rohkost nach der konstitution des menschen und auch den klimatischen faktoren beantworten: ein schlanker mann in kuehlen klimaten benoetigt zum erhalt seiner lebensenergie  und zur vermeidung von disbalance und krankheit eine andere kost als eine fuellige frau in waermeren regionen: dem einen geht es um behebung eines yang-mangels, der anderen um ausgleich einer yin-fuelle.

der frau liesse sich vorbehaltslos zu rohkost raten, dem mann hingegen nicht.

da jedoch auch die jahreszeiten einen einfluss haben, aendert sich die lage im sommer: jetzt kann der rohkostanteil auf das oben erwaehnte drittel der gesamtkost gesteigert werden und eine vitalisierende, entgiftende und gewichtsreduzierende wirkung festgestellt werden.

ganzheitliche ernaehrungsberatung: es kommt eben auf den richtigen zeitpunkt an.