GONG FU: Der lange Fluss der Beharrlichkeit

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Gong Fu: Steter Tropfen höhlt den Stein

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.

Nach den 8 Formen der Achtfachen Rückkehr zum Ursprung Ba Fan Huan Gong dieses Wochenende zwei abschließende Beiträge zum Benefit einer regelmäßigen Qi Gong Praxis, den Übungen des Stillen Qi Gong sowie dem Erfahrungsbericht mit Qi Gong zur rechten Zeit am rechten Ort.

Gong Fu: Zur Übungspraxis des Qi Gong

Der Begriff Qi Gong steht für Zeit und Mühe, die einer Tätigkeit gewidmet wird, um Qi zu balancieren. Dieses beständige Üben und Konzentrieren auf die eine Tätigkeit steckt auch im Begriff 功夫 Gōngfū – der Grad an Kunstfertigkeit, etwas durch harte und geduldige Arbeit Erreichtes. Hier im Westen kennen wir Kung Fu als elaborierte fernöstliche Kampfkunst. Hinter diesen Begriffen steht letztlich schlicht die Hinwendung und Hingabe, durch regelmäßiges Praktizieren seine Fähigkeiten und seine Wahrnehmung in der gewählten Methode zu schulen, zu verbessern und reifen zu lassen.


Ganz gleich ob Kampfsport, Musikinstrumente oder Bildende Künste: Es geht um das Erlernen des Mediums, das Ausloten und Erspüren seiner Ausdrucksmöglichkeiten – ein langer Weg des beharrlichen und fleißigen Übens bis zur meisterlichen Könnerschaft, um vom gōngfu erfüllt zu sein.


Warum es sich lohnt, den Weg des Gong Fu zu gehen

  • Vertiefung: Die sonst viel zu flache Atmung absenken, rhythmisch werden lassen, um in Teile der Lunge atmen zu können, die sonst vom Himmels-TIAN-Qi nicht regelmäßig versorgt werden.
  • Koordination: Atmung und Bewegung synchronisieren, ein neues Körperbewusstsein entwickeln, um sich der koordinierten Anmut seiner Bewegungen erfreuen zu können.
  • Wahrnehmung: Aus der körperlichen Enge in die universelle Weite schweifend, das eigene Qi erspüren, um das Bewusstsein für seine Einbindung in den größeren Kontext des DAO (der Leere, dem Weg, der Höheren Ordnung) entwickeln zu können.
  • Klärung des Geistes: Durch den Gleichklang von tiefer, regelmäßiger Atmung und körperlicher, anmutiger Bewegung seine energetischen Blockaden begegnen und überwinden – inneren Wind besänftigen, pathogene Feuchtigkeit auflösen, Trockenheit befeuchten, innere Hitze klären, Kälte durch Zirkulation von Qi wärmen. Den mentalen Schleier heben, die Herzöffnungen weit öffnen, um ganz klar werden zu können.
  • Ankommen im Selbst: Raus aus dem stressigen und hektischen Alltag, dem Lärm im Außen, dem Geplärre des Geistes im Inneren, den gelegentlich trüben Widrigkeiten menschlicher Existenz. Rein ins Urvertrauen in seine eigenen Potentiale, in das Vertrauen an den wohlwollenden Lauf der Dinge, der rechtes Handeln zur angemessenen Zeit belohnt, ganz im Sinne des zentralen daoistischen Konzeptes 无为 wúwéi – absichtsloses Beobachten, nichteingreifendes Handeln oder angemessener Einsatz eigener Energie im Einklang mit dem DAO. Je nachdem wie man diesen Terminus übersetzen, verstehen und auf die eigene Lebenswirklichkeit anwenden möchte.

Fazit: Qi Gong als Technik der Lebenspflege

Schlussendlich unterstützt regelmäßiges Qi Gong durch eine rhythmische tiefe Atmung das Zusammenkommen von Nahrungs-GU-Qi mit Atmungs-DA-Qi zum ZONG-Qi der Mitte, der Vorstufe der feineren Formen des Qi, die den Körper versorgen, wärmen, nähren und befeuchten. Es stärkt und harmonisiert somit die eigene Mitte – aus der Ruhe einer starken Mitte heraus begegnen wir kraftvoll und gelassen den Herausforderungen des persönlichen Alltags.


Wo das Qi fließt, kann keine Blockade entstehen – und kein Schmerz verweilen.


 

Morgen Stilles Qi Gong und ein Fallbespiel: Der zürnende Wanderer auf dem Berg – die eigene heilsame Erfahrung am Rosengarten.