Spannungskopfschmerzen: Eine Domäne der Akupunktur

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Kopfschmerzen: Für viele Menschen ein fast alltägliches Übel

 

Wer kennt sie nicht? Bandageartige Kopfschmerzen überall gleichzeitig im Kopf, drückend, dumpf oder flächig-ziehend, die Konzentration beeinträchtigend. Akupunktur bietet eine effektive Möglichkeit der nachhaltigen Behandlung sogenannter Spannungskopfschmerzen.

Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen

Das Verfahren der Akupunktur hat ein sehr breites Spektrum der möglichen Indikationen, hierzulande wird es oft bei akuten und chronischen Schmerz-Syndromen angewendet wie zum Beispiel bei Spannungskopfschmerzen als einer der wichtigsten Indikationen. Da wo keine Schmerzmittel wirken können, weil sie nicht die Ursachen beheben, setzt die Akupunktur als eine effektive regulationstherapeutische Maßnahme an der Wurzel des Geschehens an.

Symptome und Ursachen von Spannungskopfschmerzen

Folgende Symptome können alleine oder in Kombination bei Spannungskopfschmerzen auftreten:

  • drückende bis ziehende Schmerzen, dumpf/diffus, flächig/überall gleichzeitig, ringförmig um den Kopf oder wie eine Bandage, nie pulsierend
  • symmetrische Kopfschmerzen auf beiden Seiten des Kopfes
  • gelegentlich in Kombination mit Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel
  • eventuell auch in Begleitung von Verstimmung/Reizbarkeit/Depression
  • körperliche Belastung verschlechtert sie nicht
  • keine verstärkte Lärm- und Lichtempfindlichkeit wie bei Migräne

Als Ursachen kommen hauptsächlich Faktoren der Lebensführung in Betracht: Stress auf Arbeit, private Konflikte, zu wenig körperlicher Ausgleich für meist sitzende Tätigkeiten in unergonomischer Fehlhaltung und mangelnde Entspannung. Aber auch Wetterschwankungen, Schlafmangel, übermäßiger Verzehr von Genußmitteln. Zudem haben emotionale Faktoren bei der Entstehung von Spannungskopfschmerzen aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM eine maßgeblichen Einfluß, aber auch sogenannte pathogene Faktoren wie Wind und Hitze, die in den Körper von Außen eindringen oder aufgrund von Mangelzuständen im Inneren entstehen könne spielen in den differentialdiagnostischen Überlegungen eine wichtige Rolle. So ist in der Unterscheidung nach Parametern wie Lokalisation, Insensität, Schmerzqualitiät, Auslöser, etc. zu klären, ob es sich um Spannungskopfschmerzen, Mangel- oder Füllekopfschmerzen, Migräne, clusterartige Histaminkopfschmerzen, Analgetika-Kopfschmerz durch Medikamentenmißbrauch oder Kombinationskopfschmerz handelt.

Eine Abklärung langanhaltender Kopschmerzen aus schulmedizinischer Sicht ist zu empfehlen, um organische oder strukturelle Gründe sicher ausschließen zu können, wie zum Beispiel Kopfverletzungen oder Hirntumore, Probleme der Halswirbelsäule oder des Kiefergelenks. Von chronischen Spannungskopfschmerzen wird unter Ausschluß organischer Ursachen bei einem Auftreten von mehr als 180 Tagen im Jahr gesprochen.

Harmonisierung des Qi durch Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen

Oft liegen diesen Spannungskopfschmerzen Disharmonien des Qi mit Stauungen des Leber-Qi im Hypochondrium, Hitze in der gemeinsamen energetischen Schicht von Magen und Dickdarm oder Mangelzustände verschiedener Organe vor, die ein Aufsteigen des Leber-Qi oder von Hitze begünstigen. Hier kann Akupunktur regulativ und ursächlich eingreifen, um Blockaden aufzulösen, Hitze zu klären, das YANG abzusenken oder können kräuterheilkundliche Verschreibungen chinesischer Heilpflanzen das YIN und Blut nähren und aufbauen.

GAN QI YU JIE Leber-Qi-Stagnation

leber qi stagnation
GAN, das chinesische Schriftzeichen für Leber

 

Aspekte der Mitte: Exemplarisch sollen ausgewählte Muster der Syndromlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin das Konzept der Mitte umschreiben. Es steht für Milz und Magen, die zentralen Organe des Transports, Transformation und Integration der Nahrung und der daraus gewonnenen Nahrungsessenzen. Im Folgenden ein erweiternder Ausblick auf ein Syndrommuster, das oft einen ursächlichen Bezug zur Pathologie der Mitte hat.

Pathologie der Leber-Qi-Stagnation

Die Stagnation des Leber-Qi verursacht eine Blockade des Qi, meist im Mittleren Erwärmer – dem oberen Abdomen. Die Leber versagt bei der Regulierung des Qi und das fehlende Bewegungsmoment führt zu einer Unterbrechung des Qi-Mechanismus. Da die Qi-Bewegung auch durch den Gastrointestinaltrakt verlangsamt ist, werden die Muster der Qi-Stagnation oft von Verstopfung begleitet sowie von Flüssigkeitsansammlungen aufgrund der beeinträchtigten Milzfunktion.

Ursachen einer Leber-Qi-Stagnation

Der Leber-Qi-Stau hat eine starke emotionale Komponente: Langanhaltende Emotionen, Wut, Ärger, Groll blockieren den freien Fluß des Leber-Qi. Auch akute Stresssituationen können Auslöser sein. Mangelnde Durchlässigkeit des Zwerchfells aufgrund von muskulären Verspannungen sowie unregelmäßige, verflachte Atmung lassen das Qi nicht aufsteigen und führen zu einer Ansammlung unterhalb des Diaphragmas. Der emotionale Aspekt ist eines der Leitsymptome aller Variationen von Leber-Qi-Stagnation.

Symptome einer Leber-Qi-Stagnation

Chronische epigatrische und abdominale Distension, Völle und Unwohlsein, Spannungen im Hypochondrium, Schmerzen oder Engegefühl, meist auf der rechten Seite stärker, gelegentlich wandernd. Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depression. Appetitverlust, Verdauungsstörungen, Darmgeräusche, Blähungen, Wechsel von Obstipation und Diarrhö. Eventuell einhergehend mit Nackenverspannung, Spannungskopfschmerz, kalten Finger und Zehen. Alle Symptome haben einen klaren Bezug zu Emotionen und Stress, dem der Patient ausgesetzt ist.

Weiterer Verlauf einer Leber-Qi-Stagnation

  • Beeinträchtigung der Milz und Magenfunktionalität können zu Blut-Mangel oder -Stase, Milz-Qi-Schwäche, Feuchtigkeitsansammlungen oder Hitze führen
  • oft einhergehend mit Leber-Blut-Mangel oder Leber-Yin-Mangel
  • Auswirkungen auf die Fortpflanzungsorgane, Kälte in der Leber-Leitbahn, Libidoverlust, erektile Dysfunktion

Die Verdauung aus Sicht der TCM, Teil II

verdauung tcm
Die eigene Verdauung: Verstehen Sie nur Chinesisch?

 

Der Vorgang der Verdauung wird aus der Sicht der TCM von den Funktionen Transport, Transformation und Integration geprägt. An diesem Prozess sind  neben verschiedenen Organen auch emotionale Faktoren beteiligt. Auf einer ganzheitlichen Metaebene betrachtet geht es um folgende Fragen: Woraus stelle ich mich selbst her? Was nährt mich stofflich, emotional, spirituell? Kann ich mich selbst – und andere – nähren?

Fundamentale Bezugsachsen

Das harmonische Funktionieren der Verdauung ist im besonderen Maße von zwei dynamischen Beziehungen abhängig, dem Qi-Mechanismus und der Beziehung der Wandlungsphasen Holz (Leber|Gallenblase) und Erde (Milz|Magen).

Qi-Mechanismus

Es handelt sich hierbei um die Dynamik, die durch die natürliche Tendenz des Milz-Qi aufzusteigen (Anheben des Reinen) und die des Magen-Qi abzusteigen (Absenken des Trüben) erzeugt wird. Dieses korrekte Auf-und Absteigen des Milz- und Magen-Qi fungiert als eine Art Dynamo der Qi-Bewegung und fördert so die Verteilung des Qi innerhalb des Körpers. Der Qi-Mechanismus ist eine der fundamentalen physiologischen Körperfunktionen. Qi-Blockaden begünstigen die Ansammlung von pathogener Feuchtigkeit, Schleim und Nahrung; sie können durch Fülle oder Mangel geprägt sein.

Holz-Erde-Achse (Leber-Milz|Magen)

Diese Beziehung ist von großer Bedeutung für die Gewährleistung einer gesunden Verdauung. Leber kontrolliert mittels des Kontrollzyklus den Magen und regiert den harmonischen Qi-Fluß während der Verdauung zu selbigem. Eine Milz-Qi-Schwäche steht oft in enger Beziehung zu einem Leber-Qi-Stau, da die tyrannische Leber bei energetischen Blockaden schnell die Milz überkontrolliert und sie auf diesem Wege schwächt. Die Folge ist eine Attacke auf Milz und Magen und eine Unterbrechung des natürlichen Qi-Mechanismus.

Emotionale Faktoren

Funktionelle Prozesse wie die Verdauung sind besonders anfällig für psychoemotionale Faktoren. Eine westliche Erklärung ist die Steuerung und Regulation der Verdauungsorgane über den Nervus Vagus, dem parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems. Unter Stresseinwirkung verbleibt der Körper im handlungsbereiten sympathikotonen Zustand – die vegetativen Funktionen der gemächlichen Verdauung werden zugunsten der Jagd- und Konfrontationsbereitschaft unterdrückt. Was von der Evolution als Vorteil angesehen wurde, erweist sich in unseren modernen Leistungsgesellschaften als großer Nachteil für das Wohlbefinden der Mitte.

Denn aus Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM sind Stress|Kummer|Grübeln|Gedankenkreisen langanhaltende Emotionen, die das Qi verknoten und stagnieren lassen und innere Pathogene begünstigen oder verursachen: Wind, Feuchtigkeit, Feuchte-Hitze, Hitze. Sie tragen als innere Faktoren zur Entstehung zahlreicher chinesischer Syndrommuster bei bzw. sind oft Ausgangspunkt für spätere organische Störungen.

Das metaphorische Thema der Wandlungsphase ERDE ist das beständige Pflügen des Ackers, die alltäglichen Verrichtungen und Erledigungen des Alltages. Milz und Magen als ihre beiden Organe sind die Erntearbeiter des Qi, das auf Tagesbasis für die Alltagsprozesse von Wachstum, Wiederherstellung, Abwehr, Fortbewegung, Temperaturregulation, Atmung und Fortpflanzung verwendet wird.

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