Die Verdauung aus Sicht der TCM, Teil II

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Die eigene Verdauung: Verstehen Sie nur Chinesisch?

 

Der Vorgang der Verdauung wird aus der Sicht der TCM von den Funktionen Transport, Transformation und Integration geprägt. An diesem Prozess sind  neben verschiedenen Organen auch emotionale Faktoren beteiligt. Auf einer ganzheitlichen Metaebene betrachtet geht es um folgende Fragen: Woraus stelle ich mich selbst her? Was nährt mich stofflich, emotional, spirituell? Kann ich mich selbst – und andere – nähren?

Fundamentale Bezugsachsen

Das harmonische Funktionieren der Verdauung ist im besonderen Maße von zwei dynamischen Beziehungen abhängig, dem Qi-Mechanismus und der Beziehung der Wandlungsphasen Holz (Leber|Gallenblase) und Erde (Milz|Magen).

Qi-Mechanismus

Es handelt sich hierbei um die Dynamik, die durch die natürliche Tendenz des Milz-Qi aufzusteigen (Anheben des Reinen) und die des Magen-Qi abzusteigen (Absenken des Trüben) erzeugt wird. Dieses korrekte Auf-und Absteigen des Milz- und Magen-Qi fungiert als eine Art Dynamo der Qi-Bewegung und fördert so die Verteilung des Qi innerhalb des Körpers. Der Qi-Mechanismus ist eine der fundamentalen physiologischen Körperfunktionen. Qi-Blockaden begünstigen die Ansammlung von pathogener Feuchtigkeit, Schleim und Nahrung; sie können durch Fülle oder Mangel geprägt sein.

Holz-Erde-Achse (Leber-Milz|Magen)

Diese Beziehung ist von großer Bedeutung für die Gewährleistung einer gesunden Verdauung. Leber kontrolliert mittels des Kontrollzyklus den Magen und regiert den harmonischen Qi-Fluß während der Verdauung zu selbigem. Eine Milz-Qi-Schwäche steht oft in enger Beziehung zu einem Leber-Qi-Stau, da die tyrannische Leber bei energetischen Blockaden schnell die Milz überkontrolliert und sie auf diesem Wege schwächt. Die Folge ist eine Attacke auf Milz und Magen und eine Unterbrechung des natürlichen Qi-Mechanismus.

Emotionale Faktoren

Funktionelle Prozesse wie die Verdauung sind besonders anfällig für psychoemotionale Faktoren. Eine westliche Erklärung ist die Steuerung und Regulation der Verdauungsorgane über den Nervus Vagus, dem parasympathischen Anteil des vegetativen Nervensystems. Unter Stresseinwirkung verbleibt der Körper im handlungsbereiten sympathikotonen Zustand – die vegetativen Funktionen der gemächlichen Verdauung werden zugunsten der Jagd- und Konfrontationsbereitschaft unterdrückt. Was von der Evolution als Vorteil angesehen wurde, erweist sich in unseren modernen Leistungsgesellschaften als großer Nachteil für das Wohlbefinden der Mitte.

Denn aus Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM sind Stress|Kummer|Grübeln|Gedankenkreisen langanhaltende Emotionen, die das Qi verknoten und stagnieren lassen und innere Pathogene begünstigen oder verursachen: Wind, Feuchtigkeit, Feuchte-Hitze, Hitze. Sie tragen als innere Faktoren zur Entstehung zahlreicher chinesischer Syndrommuster bei bzw. sind oft Ausgangspunkt für spätere organische Störungen.

Das metaphorische Thema der Wandlungsphase ERDE ist das beständige Pflügen des Ackers, die alltäglichen Verrichtungen und Erledigungen des Alltages. Milz und Magen als ihre beiden Organe sind die Erntearbeiter des Qi, das auf Tagesbasis für die Alltagsprozesse von Wachstum, Wiederherstellung, Abwehr, Fortbewegung, Temperaturregulation, Atmung und Fortpflanzung verwendet wird.

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