YI QI GONG: Stille Übungen

yi stilles qi gong
Yi Qi Gong: Die Atemübungen des Stillen Qi Gong

 

Qi Gong als eigener aktiver Beitrag zur Vermeidung oder Linderung von chronischen und akuten Schmerzen – ein täglicher Weblog im Rahmen der Woche der Traditionellen Chinesischen Medizin 2015 der AGTCM.

Stilles Qi Gong – Yi Qi Gong

Zum heutigen Abschluss der Themenwoche Qi Gong noch ein Nachtrag zum Stillen Qi Gong: Die bewegten Übungen der Achtfache Rückkehr zum Ursprung wären nicht vollständig ohne die des Stillen Qi Gong – oder vielmehr sind die Bewegten ganz im Sinne der alten Daoisten Vorbereitung auf die Stillen: Das Qi balancieren und harmonisieren, um den Geist in der anschließenden Meditation zu klären – und zum Ursprung führen zu können. Es werden folgende 2 der 4 Arten beschrieben:

  • Harmonisierung des Atem
  • Embryonales Atmen
  • Ursprung des Himmels
  • Reines Yang

Gerade diejenigen, die am meisten von meditativen Verfahren profitieren können, werden sich am schwersten mit ihnen tun. Insbesondere hier eignen sich die vorbereitenden bewegten Übungen der Achtfachen Rückkehr, um in die Stille gehen zu können. Jedoch sei angemerkt, das zum Erlernen und Üben des Stillen Qi Gong persönliche Anleitung durch einen erfahrenen Lehrer ratsam ist.

Setzte dich still nieder, lasse alles Gedanken und Wünsche versiegen. Mit konzentriertem Geist den Atem regulieren, den Blick nach innen gerichtet. Das ist des Fanhuan geheimnisvolle Methode. Ganz natürlich dringt der Atem ein und steigt unmerklich auf.*

Für das Stille Qi gong wird eine entspannte Sitzpostition eingenommen, das kann das Sitzen auf den Unterschenkeln sein, der Schneidersitz bzw. Lotussitz oder einfaches Sitzen auf einem Stuhl. Achten Sie auf lockere Kleidung und vermeiden Einschnürung durch Gürtel etc. Aufrechte Position des Oberkörper einnehmen, die Hände entspannt oder in einer Meditationsgeste auf den Knien liegend. Der Mund ist geschlossen, die Zunge berührt leicht den Gaumen. Der Blick geht nach vorne, senkt sich dann auf die Nasenspitze, die oberen Augenlider senken sich leicht herab. Der Blick wendet sich nach innen zum Herzen. Die Gedanken wiegen sanft, werden ruhig, still. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Bereich eine handbreit unterhalb des Bauchnabels. Der Atem wird gesammelt, vertieft sich, wird rhythmisch. Das Qi wird im unteren Dantian gesammelt. Der Atem strömt durch die Nase ein und durch den Mund aus. In der eigenen Mitte angekommen lässt sich die Ruhe und Stille der körperlich und geistigen Harmonie erspüren.

Diese magische Übung basiert auf QIAN und KUN, YIN und YANG sind die eigentliche Wurzel. Wenn du sie nur immerzu übst, wirst du auch im hohen Alter noch das Aussehen eines jungen Menschen haben.*

Es ist der Wechsel von nachgeburtlicher zu vorgeburtlicher (innerer) Atmung. Die Zungenspitze berührt während der Ausatmung die oberen Gaumen, bei der Einatmung sinkt sie entspannt herab. Geatmet wird tief, bis sich der Luftstrom des Atem unterhalb des Herzens sammelt …

Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit den Techniken des Stillen Qi Gong sei folgendes Buch empfohlen:

Ulli Olvedi: Das Stille Qi Gong nach Meister Zhi-Chang Li. Innere Übungen zur Stärkung der Lebensenergie, Drömer-Knaur, 2011.

 

Erfahrungsbericht: Der zürnende Wanderer auf dem Berg 

Die eigene heilsame Erfahrung des bewegten Qi Gong – insbesondere der Achtfachen Rückkehr – machte ich auf einer Wanderung am Rosengarten der Südtiroler Dolomiten. Ich suchte während der Vorbereitungsphase meiner Praxiseröffnung dort Abstand und Entspannung, war ich doch wegen den Unzulänglichkeiten der beauftragten Handwerker in einen langanhaltenden Leber-Qi-Stau geraten. So stapfte ich flotten Schrittes eine 6-stündige Wanderung über das Tschagerjoch in knapp 4 Stunden runter, wohlwissend um die Uhrzeit der letzten Talfahrt der Seilbahn. Eine halbe Stunde vor dem Ziel ging gar nichts mehr: Beide Knie schmerzten von der ungewohnten Beanspruchung auf den dortigen Geröllfeldern und einigem Auf und Ab an Höhenmetern; eigentlich konnte ich nicht mehr weiterlaufen – allein(s) auf 2300 Meter Höhe.

So machte ich also mit Blick auf die Gipfel der Texler- und Ortler-Alpen ausgiebig mein Ba Fan Huan Gong in die untergehende Abendsonne und atmete tief in den Schmerz und die zugrundeliegende Blockade hinein. Nach einer knappen Dreiviertelstunde konzentrierten Übens konnte ich die letzten 30 Minuten des ebenen Hirzelsteigs absolvieren – und den weiteren einstündigen Abstieg zur Talstation rückwärtsgehend hinter mich bringen.

Diese Situation war für mich eine sehr beeindruckende Illustration des Potentials der Achtfachen Rückkehr im Hinblick auf Schmerztherapie akuter Syndrome und Prävention von chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates.

 

*Zitiert nach Prof. Cong: Fanhuan Gong – Praxis der Qigong Heilmethode, Fujian, China in einer Übersetzung von Dr. Friedrich Dimmling, Berlin – Deutsche Qigong Gesellschaft e.V. 

ACHTSAMKEIT: Happiness …

achtsamkeit
… is having what you want and wanting what you have

 

Zur Achtsamkeit sich selbst gegenüber: Im letzten Jahr durfte ich die persönliche Erfahrung der eigenen Mitte machen – nach jahrelangen metabolischen Beschwerden des Verdauungsapparates und der Leber, ausgelöst durch eine Laktoseintoleranz, die vor etwa 18 Jahren mit Anfang 20 erstmalig auftrat und mich in einem Zustand hielt, den ich heute als off-centered bezeichnen würde. Nun hatte ich meine Ausbildung zu Ende gebracht, das Thema Chinesische Medizin in die Reife geführt und mir als private Erbauung einen kleinen Garten auf dem Lande gegönnt, denn das Gärtnern ist seit Kindheitstagen eines meiner Herzensangelegenheiten. Und um die Kultivierung der Freude sollte es da gehen.

Nach knapp 20 Jahren Großstadt war ich ihr etwas überdrüssig und so zog ich mich die halbe Woche dort zurück und dampfte mein Berliner Alltagsleben auf den Rest der Woche ein. Da ich den Garten noch im Winter erwarb, konnte ich nach Abschluss der Formalitäten bereits zum frühen Holz dieses sehr dynamischen Jahres in die Aktion gehen: Ich wühlte mich die nächsten Monate wie besessen durch das Gründstück, befreite es von Rasenkantensteinen, überdimensionierten Hundehütten, Anbauten und Flüssiggastanks, die den Gemüsegarten verunzierten. Eine ganze Reihe von Sträuchern und Blühpflanzen gelangten über die Wochen dorthin und jedes Samenregal in Bau- und Supermärkten wurde von mir geplündert. Zur Sommersonnenwende war dann das Gestaltungskonzept umgesetzt und der Garten nicht mehr wieder zu erkennen. Zwischendurch erkundete ich die Umgebung mit dem Rad oder drehte größere Runden mit dem Rennrad als der Sommer kam. Ich war ganz bei mir – und in meiner eigenen Mitte. Etwas was ich zuvor nicht kannte und das sich einfach richtig anfühlt: Der Zustand, wie wir gemeint sind.


happiness is having what you want and wanting what you have

Nun weiß ich also, wie es sich anfühlen sollte und was es – für mich persönlich – dafür braucht, um dorthin zu gelangen: Eine Mischung von Erdung durch Gartenarbeit und sportlicher Bewegung, die die Stagnationen auflöst, die das Großstadtleben in seiner Dichte zwangsläufig mit sich bringt. Draußen im Garten, auf Feld und Flur, im Wald und am Wasser kann man in der Natur beobachten, was Wind macht, wie das Yang der Sonne das Eis und den Raureif tauen lässt, der Schatten die Kälte speichert, die Hitze des Sommers die Vegetation verändert, Trockenheit das Yin des Bodens ausdorrt und im Herbst die Dynamik der Bewegung eine entgegengesetzte zum Austreiben des Frühlings ist. Alles was man seit Kindheitstagen kennt und von dem man doch durch das moderne Zivilisationsleben entfremdet ist. Dort draußen kann man in der Stille beobachten, woher die alten Chinesen ihr daoistisches Wissen bezogen – aus der Beobachtung der Natur, dem universellen Lauf der Dinge, dem immer wiederkehrenden Rhythmus von Werden, Erblühen, Reifen und Vergehen.

Und gleichsam dem Beackern einer Scholle entsteht aus dem beständigen Pflügen des inneren Ackers, einer Vorstellung der inneren Alchemie WAIDAN dieser Zustand des in seiner eigenen Mitte Seins, der kein statischer ist, sich jederzeit auch wieder wandeln kann, aber eine Zielsetzung für das Leben bleibt: Der innere Ort an dem man sein möchte, zu dem man hin strebt, um komplett zu sein.