Was ist Traditionelle Chinesische Medizin|TCM? Teil I

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Traditionelle Chinesische Medizin|TCM – mehr als die Summe seiner Verfahren

Das Kürzel TCM steht für die Gesamtheit der Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin. Akupunktur ist das mittlerweile bekannteste, wäre aber ohne das Theorie- und Gedankenmodell der Chinesischen Medizin kaum vorstell- und erfolgreich anwendbar. Es handelt sich dabei um ein alternatives Medizinsystem, dessen Ursprünge weit in das alte China zurückreichen – je nach Ausgangspunkt ca. 2600 (älteste überlieferte medizinhistorische Texte) bis 4200 Jahre (archaische Orakelfunde der Xia-Dynastie).

Neben der zweiten großen Disziplin – der Chinesischen Arzneimitteltherapie bzw. Chinesische Kräuterheilkunde – kommen weitere Techniken zur Anwendung:

  • Moxibustion – Wärmebehandlung mit Beifußkraut
  • Schröpfen – wird auch in Europa traditionell angewandt
  • Gua Sha – ein ausleitendes Verfahren
  • japanische Stile der Akupunktur – zum Beispiel nach Manaka oder Meridiantherapie nach Wang
  • Qi Gong – zentrierende Übungsformen, die Atmung und Bewegung in Einklang bringen

Grundlage für die Behandlung mit den Verfahren der TCM ist ein Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin: Eine ausführliche Befragung, Pulstastung und Zungenbetrachtung. Aber auch die Betrachtung des Antlitz, Untersuchung des Abdomen (Hara) und Palpation der Meridiane selbst liefern wertvolle Informationen. Das sind die diagnostischen Methoden, die seit Alters her zur Befundung herangezogen werden.

TCM – eine individuelle Alternative zur konventionellen Schulmedizin

Die TCM ist nicht von Leitlinienkonzepten zur Behandlung geprägt. Jeder Mensch ist unterschiedlich, so ist jeder Krankheitsfall ein individuell spezifisches Zusammenkommen unterschiedlicher Faktoren. Die Entwicklung angepasster, genau auf die Bedürfnisse des Patienten maßgeschneiderter Behandlungskonzepte steht in der TCM im Vordergrund. Sie stützt sich dabei auf regulationstherapeutische Ansätze, die auf einer energetischen Ebene eingreifen: Ziel ist es, den Patienten in die Lage zu versetzen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen und aus einer kraftvollen und stabilen Mitte heraus handeln zu können.

Ganzheitliche Aspekte der TCM

Die Harmonisierung der polaren Kräfte YIN und YANG beinhaltet im Grundsatz des Gedankengebäudes TCM die Einheit von Körper und Seele. Die Zertrennung von Körper einerseits und Geist bzw. Psyche anderseits ist eine relativ moderne Vorstellung. Für die alten Chinesen war das Zusammenspiel von emotionalen und körperlichen Faktoren von jeher ein und dasselbe. Die Spiegelung der universellen Gesetze des Makrokosmos im menschlichen Mikrokosmos durch jahrtausendealte Beobachtung ist die faszinierende Quintessenz der daoistischen Lehre. Als Entsprechungslehre der Fünf Elemente ist sie anwendbar auf viele Bereiche unseres modernen westlichen Lebens – und eine große Inspiration für das ganzheitliche Behandeln.

Geschichte des verkürzenden Begriffs TCM|Traditionelle Chinesische Medizin

Irreführenderweise ist die Wortschöpfung Traditionelle Chinesische Medizin eine im Vergleich zur jahrtausendealten Geschichte der Chinesischen Medizin relativ junge Errungenschaft. In den 1960er Jahren war in der jungen Volksrepublik China Maos der Bedarf groß nach einer kostengünstigen und flächendeckenden Versorgung der rasch wachsenden chinesischen Bevölkerung. Ein Komitee aus Ärzten und Professoren kam zusammen und legte Standardisierung unterschiedlicher Lehrmeinungen, Punktlokalisationen und diagnostischer Symptome fest, die auch der westlichen Wissenschaftsauffassung Rechnung tragen sollten. Die sich daraus ergebende Syndromlehre der Speicher- und Hohlorgane (ZANGFU) ist eine Schule der Chinesischen Medizin, die jedoch der Vielfältigkeit der Gesamtheit dieser traditionell gewachsenen Medizin nicht gerecht wird. Es stellt vielmehr ein nacktes Gerüst dar, das von psychischen und spirituellen Aspekten der alten Dämonenmedizin bzw. des Animismus und philosophischen Konzepten des Daoismus gleichsam gereinigt wurde.

TCM und klassische Akupunktur

Der wachsenden Bedeutung der Rückbesinnung auf die ganzheitliche Vielfalt der tradierten klassischen Texte wird jedoch der Name der AGTCM gerecht, die den Berufsfachverband Deutscher Akupunkteure darstellt:

Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V. – weiterführende Informationen dazu hier.

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TRIAL’N ERROR: Mythen moderner Ernährung, Teil II

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Energetisch kalte Lebensmittel: Alles Schleim oder was?

 

In der Serie Mythen moderner Ernährung meine persönlichen Gedanken zu thermisch und energetisch kalten Lebensmitteln aus der Perspektive der Ernährungsphilosophie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dort gibt es neben der thermisch messbaren Temperatur einer Speise das Konzept der energetischen Qualität eines Lebensmittels, der energetischen Wirkrichtung bedingt durch seinen Geschmack und seinem vorwiegende Wirkort in den Funktionskreisen des Organismus. Energetisch kalte Lebensmittel haben die Eigenschaft, nach unten abzusenken, zu sammeln und körpereigene Prozesse, insbesondere der Verdauung und des Flüssigkeitshaushalts zu verlangsamen sowie bis hin zu energetischen und stofflichen Blockaden zu führen.

Südfrüchte

Gegen landläufiger Meinung, eine Heisse Zitrone sei gut bei Erkältung ist aus Sicht der Chinesischen Medizin folgendes einzuwenden: Zitronen sind wie alle Südfrüchte, die aus tropischen Breiten importiert werden, energetisch kalt. Sie sind bei uns nicht heimisch und werden in einem völlig anderen Klima kultiviert, zu dem sie hervorragend passen: tropisch, feucht-warm bis heiß. Der saure Geschmack wirkt adstringierend, zieht die Körpersäfte zusammen und bewahrt vor übermäßigem Flüssigkeitsverlust durch exzessives Schwitzen.

Die Situation bei einem frischen Infekt ist eine andere: Ein Pathogen, meist Wind-Kälte dringt in den Körper ein, wird erst später zu Hitze umgewandelt. Im Anfangsstadium wäre es empfehlenswerter, die Körperoberfläche 1-2 Tage mittels frischem Ingwertee zu befreien und den Organismus durch Schwitzen dabei zu unterstützen, das Pathogen wieder auszuleiten – wohlgemerkt bei einem frischen Infekt im Anfangsstadium: 2-3 dünne Scheibchen frische Ingwerknolle mit heißem Wasser überbrühen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen, eventuell nur einen Spitzer Zitrone, mehrmals täglich. Frischer Ingwer wirkt energetisch wärmend, getrockneter hingegen bereits erhitzend.

Milchprodukte

Milchprodukte füllen meterweise die Kühlregale in Supermärkten und gelten als wertvolle Quellen für Proteine, Mineralien und Vitamine. Von einem regelmäßigen Verzehr im Übermaß ist jedoch abzuraten, denn neben ihrer energetisch kalten Qualität werden sie oft auch thermisch kalt konsumiert – der Magen muss den 4 Grad kalten Joghurt aus dem Kühlschrank erst auf 37 Grad hochtemperieren, um die darin befindlichen Proteinstrukturen andauen zu können, bevor sie weiter verstoffwechselt werden. Wichtiger jedoch ist, dass alle Milchprodukte im Körper Schleim bilden, dass heißt, wenn die Mitte bereits geschwächt ist, können sie die damit einhergehenden Prozesse pathogener Feuchtigkeit sehr ungünstig unterstützen.

Über die weiteren gesundheitlichen Nachteile erhöhten Milchkonsums wie das hohe allergene Potential, Nebenwirkungen bei Laktoseintoleranz und die Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel informieren im Internet zahlreiche Seiten, zum Beispiel die des Zentrum der Gesundheit.

Probieren Sie stattdessen Alternativen: Soja-, Hafer-, Reismilch, Porrigde statt Milchreis, pflanzliche Brotaufstriche und vegetabile Pasteten anstelle von Milchprodukte oder tierischen Aufstrichen.

Tiefkühlprodukte

Auf der unteren Skala energetischer Kälte befinden sich Tiefkühlprodukte. Zwar mag dies eine hervorragende Konservierungsmethode im Sinne der Erhaltung von Nährstoffen und Vitaminen sein, aus Perspektive des energetischen Gehaltes, dem wärmende Yang-Qi der Nahrung handelt es sich eben um Tiefkühltruhe. 10 Minuten Energiezufuhr reichen nicht mehr aus, um Lebensmittel, die schockgefrostet bei – 18 Grad längere Zeit gelagert wurden, wieder in einen Zustand zu überführen, der den Körper wärmt und die Mitte nährt. Und Wärme (YANG) braucht es, um überflüssige Feuchtigkeit (YIN) auflösen, wieder aufnehmen oder ausscheiden zu können

Von übermäßigem Gebrauch von tiefgekühlten Teilprodukten und Fertiggerichten ist dringend abzuraten, wählen Sie stattdessen lieber frische Zutaten, deren Qualität Sie beim Einkauf nachvollziehen können und deren energetische Wirkung erhalten bleibt und sich beim Kochen entfalten kann.

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Rohkost versus Mischkost (Ganzheitliche Ernaehrungsberatung, 2009)

gedanken zur ernaehrungsberatung: wer einmal ein buch von dr. med. max-otto bruker gelesen hat, wird nicht umhin kommen, es mal mit vollwertkost und rohkost zu probieren. der autor macht eine falsche ernaehrungsweise verantwortlich fuer viele zivilisationsbedingte erkrankungen wie arteriosklerose, herzinfarkt, osteoporose, bandscheibenleiden, arthritis, gicht, allergien bis hin zu krebs.

vollwertkost liefere, so bruker – neben zahlreichen vitalstoffe wie enzymen, vitaminen und spurenelementen – ernaehrungspysiologisch wertvolle langkettige kohlenhydrate, hochwertiges natives eiweiss und essentielle fettsaeuren, die die zellintegritaet sicherstellen und damit ein optimum an stoffwechselleistung ermoeglichen.

und damit koerperliche gesundheit, geistige stabiliaet, fitness und wohlbefinden.

mit dieser sichtweise steht er unter ganzheitlich orientierten medizinern und ernaehrungswissenschaftlern schon lange nicht mehr alleine da.

sein verdienst ist jedoch die fruehe hervorhebung der relevanz von rohkost in der praevention und therapie solcher ernaehrungsbedingten zivilisationskrankheiten. er greift konzepte von maximillian bircher-benner und werner kollath auf und vermag es, auf eindringliche weise zusammenhaenge aufzuzeigen.

doch muss er klar von radikaleren vertretern der rohkost-philosophie wie johann georg schnitzer unterschieden werden. auch eine strikt vegane kostform lehnt er ab.

bruker vertritt in seinem buch ‘unsere nahrung – unser schicksal’ ein verhaeltnis von 1/3 rohkost zu 2/3 kochkost. bei therapeutischer indikation auch eine steigerung bis hin zu ausschliesslicher rohkost.

betrachtet man nun den ansatz der traditionell chinesischen medizin, so kommen viele ernaehrungsbewusste menschen in ein scheinbares dilemma: kochkost oder rohkost?

krankheit ist dort ausdruck einer disbalance zwischen den beiden elementaren prinzipien yin und yang, der saefte/des bluts und der universellen energie qi.

dieses qi gilt es mit der nahrung zu staerken und die saefte aufzubauen. der thermischen qualtiaet der 5 elemente und geschmacksrichtungen sauer, bitter, suess, scharf, salzig kommt eine besondere bedeutung zu.

yangisierende oder yinisierende kochmethoden, kurzgebratene gerichte, langgekochte speisen, aber vor allem suppen und kraftbruehen kommen zum einsatz. dabei werden tierknochen und vielerei gemuese bis zu 6  stunden ausgekocht, um eine essenz zu gewinnen.

fuer den vitaminbewussten europaer ein graus. ‘was soll da noch drin sein?’, fragt sich manch einer.

– die essenz der zutaten und vor allem: qi. dieser universelle stoff, den wir nur schwer fassen koennen, aber alle belebte und tote materie durchstroemt. neben der luft zum atmen nehmen wir ihn durch unsere nahrung auf.

nun sollte noch auf die konstitution der menschen hingewiesen werden: manche duenn, andere beleibt, manche besitzten eine fuelle des prinzip yang, die anderen des yin. die einen frieren leicht, die andere schwitzen schnell.

so laesst sich die frage der rohkost nach der konstitution des menschen und auch den klimatischen faktoren beantworten: ein schlanker mann in kuehlen klimaten benoetigt zum erhalt seiner lebensenergie  und zur vermeidung von disbalance und krankheit eine andere kost als eine fuellige frau in waermeren regionen: dem einen geht es um behebung eines yang-mangels, der anderen um ausgleich einer yin-fuelle.

der frau liesse sich vorbehaltslos zu rohkost raten, dem mann hingegen nicht.

da jedoch auch die jahreszeiten einen einfluss haben, aendert sich die lage im sommer: jetzt kann der rohkostanteil auf das oben erwaehnte drittel der gesamtkost gesteigert werden und eine vitalisierende, entgiftende und gewichtsreduzierende wirkung festgestellt werden.

ganzheitliche ernaehrungsberatung: es kommt eben auf den richtigen zeitpunkt an.