Die Verdauung aus Sicht der TCM, Teil I

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Verdauung: Trennung des Reinen vom Trüben

 

Der komplexe Vorgang der Verdauung wird aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin|TCM im Wesentlichen von den Funktionen Transport, Transformation und Integration geprägt. An diesem Prozess sind verschiedene physische Organe beteiligt, emotionale Faktoren spielen jedoch eine entscheidende Rolle. Auf einer ganzheitlichen Metaebene betrachtet kann es um unterschiedlich Fragen des Nährens gehen.

Chinesische Physiologie der Verdauung

Der sogenannte Mittlere Erwärmer JIAO, bestehend aus Milz und Magen vereinigt alle Funktionsaspekte des gastrointestinalen Systems. Zu ihm gehören ebenso die unterschiedlichen funktionellen Aspekte des westlichen Magens, des Pankreas, der Leber, der Gallenblase, des Dick- und Dünndarms. Milz und Magen meint hier neben den anatomischen Organen sogenannte Funktionskreise, zu denen auch ihre Leitbahnen gehören – diese beiden Funktionskreise sind aus der Sicht der TCM von zentraler Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Jeder andere Funktionskreis hängt von dem gleichmäßigen Strom des Qi aus der Verdauung ab und somit beeinträchtigt jede Störung von Milz und Magen alle anderen Organsysteme und damit den gesamten Körper.

Milz (脾 )|Magen (胃 Wèi)

Sie sind die Schlüsselorgane des Verdauungsprozesses. Im Magen erfolgt die Trennung des physiologische Qi (die reinen Anteile) und der Abfallstoffe (die trüben Anteile). Das so gewonnene Nahrungs-GU-Qi wird in der Lunge mit dem Atmungs-DA-Qi zusammengeführt. Es wird weiter zu den drei Subtypen des Qi verfeinert (Brust-ZONG-Qi sowie Abwehr-WEI-Qi und Nähr-YING-Qi), um dann von der Milz (beherrscht Transport) und der Leber (verteilt Qi) an die relevanten Organe und Körperteile verteilt zu werden. Dieser Prozess wird mit 运化 Yùn Huà Transformation und Transport beschrieben.

Leber (肝 Gān)|Gallenblase (胆 Dǎn)

Der Leber kommt im Verdauungsprozess eine besondere Bedeutung zu, ihre Beziehung zur Milz ist eine der fundamentalen funktionellen Organbeziehungen im menschlichen Körper. Sie reguliert die Bewegung und Verteilung des Qi. Eine Behinderung der Bewegung des Leber-Qi führt rasch zu einer Beeinträchtigung von Milz und Magen. Dafür werden die unterschiedlichen Zyklen des Nährens und der Kontrolle aus der Fünf-Elemente-Theorie zur Erklärung herangezogen. So ist der sogenannte Leber-Qi-Stau einer der häufigsten Ursachen für Verdauungsbeschwerden aus der Sicht der chinesischen Medizin.

Die Rolle der Gallenblase in der Verdauung ist sekundär und in ihrer Speicherfunktion der reinen Flüssigkeit Galle ist sie der Leber untergeordnet.

Dünndarm (小肠 Xiǎocháng)|Dickdarm (大肠 Dàcháng)

Im Hinblick auf ihre gastrointestinale Funktion sind Dünn- und Dickdarm eng mit dem Magen und der physiologischen Abwärtsbewegung des Magen-Qi verbunden. Als Hohl-FU-Organe bestehen ihre Hauptfunktionen im Ausleiten und Beseitigen von trüben Anteilen der Verdauung. Auch spielen sie eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Milz in ihrer Funktion der Regulation des Flüssigkeitshaushaltes und der Flüssigkeitsverteilung. Dicke, geschwollene Beine sind eines der Symptome, die auf eine Milzpathologie schließen lassen.

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