Diagnostische Methoden TCM: Puls- und Zungendiagnostik

puls zungendiagnostik tcm © Martha Kosthorst - Fotolia.com
MAI JING: Klassische chinesische Pulstastung am radialen Handgelenk

 

Die Palpation der Pulse und Inspektion der Zunge sind zwei der speziellen diagnostischen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin. Puls-und Zungendiagnostik werden seit Tausenden von Jahren als Teil der TCM angewandt und bieten eine sehr feine Diagnostik, die sogar Zustände differenziert, bevor sie pathologische Qualität erreichen. Das unterstützt die chinesische Medizin auch in ihrem präventativen Charakter.

Chinesische Pulsdiagnostik TCM

Bei der Tastung des Pulses an der radialen Arterie beider Handgelenke werden 28 verschiedene klassische Pulsqualitäten unterschieden unter Berücksichtigung aller 12 chinesischen Organpositionen in 2 Ebenen und weiterer Faktoren wie allgemeine Mittelpulsqualität, Verwurzelung des Pulses und energetischer Blockaden. Faktoren wie Kraft, Volumen, Frequenz und Rhythmus sowie spezielle Eigenschaften und Auffälligkeiten fließen in die Beurteilung ein. Die chinesische Pulsdiagnostik ist eine sehr feine Diagnoseform, die schwer zu erlernen ist und viel Zeit, Beobachtung und Erfahrung des Therapeuten braucht.

Die chinesische Pulsdiagnostik ermöglicht Aussagen zu den vitalen Substanzen Qi (Energie) und Xue (Blut), dem Zustand einzelner Organe und der drei Leibeshöhlen JIAO sowie der konstitutionellen Gesamtverfassung. Sie liefert eine aktuelle Momentaufnahme des energetischen Zustandes des Patienten.

Chinesische Zungendiagnostik TCM

Der Zustand der inneren Organe läßt sich aufgrund ihrer Zuordung zu bestimmten Regionen der Zunge beurteilen. Grundsätzlich sind die Form und Farbe des Zungenkörpers sowie die Beschaffenheit des Zungenbelages von diagnostischem Interesse. Der Zungenkörper macht eine grundsätzliche Aussage zu Konstitution und Qualität des Qi, der Zungenbelag gibt Aufschluß über pathogene (krankmachende) Faktoren, die entweder von außen eingedrungen sind oder aus inneren pathologischen Prozessen stammen.

Kriterien Form, Farbe, Belag der Zunge

Die Form der Zunge läßt Rückschlüsse auf innere pathogene Faktoren wie Feuchtigkeit oder Trockenheit zu, die Farbe der Zunge macht eine Differenzierung der Pathogene in Hitze oder Kälte möglich und gibt Aufschluß, wie tief sie bereits in den Körper eingedrungen sind. Auch gibt sie Informationen zur Beschaffenheit des Qi des Patienten und den verliegenen pathogenen Mustern.

Der Zungenbelag ist vor allem zur Beurteilung des Magen-Qi von Bedeutung und liefert relevante Informationen zur Funktionalität des gesamten Verdauungsapparates sowie eine Einschätzung der Chronizität des pathologischen Prozesses.

Energetische Momentaufnahme

Die Einzelbefunde aus chinesischer Puls- und Zungendiagnostik werden stets im Kontext weiterer Befunde der ausführlichen Anamnese, Anlitzdiagnostik, Bauchpalpation (Haradiagnostik) sowie Meridianpalpation oder Druckdolenz spezifischer Akupunkturpunkte gesehen. Zusammen ergeben sie eine sehr feine Diagnostik, die Therapeuten der Traditionellen Chinesische Medizin |TCM in die Lage versetzt, aktuelle Zustände bereits zu differenzieren, bevor sie sich als Krankheiten im Sinne der westlichen Schulmedizin manifestieren.

Was ist Akupunktur? Teil I

akupunktur

 

Grundlegendes zur Akupunktur als Verfahren der TCM

Die Akupunktur nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist eine sanfte Methode zur Regulation der körpereigenen Energie unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Zusammenspiels von Körper, Geist und Seele. Verwendet werden sehr dünne Nadeln, die schmerzarm unter die Haut gebracht werden und das sogenannte Qi, die Energie des Körpers harmonisieren. Die Behandlung findet meist im Liegen statt, der Patient erfährt oft eine sehr tiefe Entspannung, die in den Alltag nachwirkt und auch auf eine psychoemotionale Ebene Einfluss nehmen kann.

Akupunktur wird seit mehr als 2000 Jahren im Ursprungsland China angewandt und gehört dort auch heute noch zur gängigen Heilmethode in öffentlichen Krankenhäusern. Die praktizierende Ärzte werden sowohl in Traditioneller Chinesischer Medizin als auch in westlicher moderner Schulmedizin ausgebildet.

Die Akupunktur ist eines der wesentlichen Verfahren der TCM, neben Kräuterheilkunde kommen diverse weitere Verfahren wie Moxibustion (Abbrennen von Beifusskraut in unterschiedlichen Formen), Schröpfen (trocken oder blutig mittels Schröpfköpfen aus Glas oder Kunststoff), Gua Sha (eine Schabetechnik, die sich eines Griffels aus Jade, Keramik oder Kunststoff bedient) und Qi Gong (meditative Übungsformen, die das Zuammenspiel von Atmung und Bewegung harmonisieren) zum Einsatz.

Funktionsweise der Akupunktur

Feine Nadeln werden an spezifischen Punkten des energetischen Leitbahnsystems gesetzt, dem sogenannten Meridiansystem, das den Körper durchzieht. Es hat Verbindungen zu allen Organen. Es gibt 365 Akupunkturpunkte plus weitere Extrapunkte. Ziel ist eine Verbesserung des Energieflusses sowie eine Harmonisierung der Pulse.

Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt nach einer Anamnese im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin, die klassischerweise aus der Betrachtung der Zunge und Prüfung des radialen Pulses am Handgelenk besteht (Puls- und Zungendiagnostik) sowie der ausführlichen Befragung des Patienten und eventuell dem Abtasten der Meridiane.

Die Nadelung erfolgt in unterschiedlichen Techniken während der Patient entspannt in einer stabilen Position sitzt oder liegt. Es kann zu einem sogenannten De-Qi-Gefühl kommen, das wie ein elektrischer Impuls oder ähnliche Nadelempfindungen beschrieben wird. Die Nadeln verbleiben meist 15-30 Minuten an der Einstichstelle.

Wirkungsweise der Akupunktur

Die Wirkungsweise der Akupunktur konnte aus westlicher Sicht wissenschaftlich nocht nicht abschließend erklärt werden. Vermutet werden Nervenreize, die die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Rückenmark hemmen. Bewiesen ist die vermehrte Ausschüttung körpereigener Botenstoffe im Gehirn – die Neurotransmitter Serotonin und Endorphin. Bei der Chinesischen Medizin handelt es sich um eine sehr alte erfahrungsbasierte Medizin, die auf Beobachtungen beruht und sich auf ein anderes Weltbild bezieht. In neuerer Zeit wurden sehr viele wissenschaftliche Studien durchgeführt, heute gehört die Akupunktur zu den alternativen Heilverfahren, die am besten erforscht wurden.

Das Ergebnis einer Akupunktur:

  • die Durchblutung verbessert sich
  • die Muskulatur entspannt sich
  • das vegetative System wird harmonisiert

Weitere Informationen zu Akupunktur finden Sie hier:

AGTCM – Was ist Akupunktur?

Was ist Akupunktur? Teil I weiterlesen